Bezirksgericht Bülach

Diese Bülacher Gerichtsfälle sorgten landesweit für Aufsehen

Im September beginnt der Prozess zum Mord an einem Lastwagenbesitzer aus Bülach. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden am Unterländer Bezirksgericht bereits vergleichbar grosse Fälle behandelt.

Der Gerichtsprozess um die Swissair-Pleite musste aus Platzgründen in die Bülacher Stadthalle verlegt werden. Alle 19 Angeklagten wurden freigesprochen.

Der Gerichtsprozess um die Swissair-Pleite musste aus Platzgründen in die Bülacher Stadthalle verlegt werden. Alle 19 Angeklagten wurden freigesprochen. Bild: Archiv/Peter Würmli

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Es sind Taten, die sprachlos machen: Ein Ehepaar aus dem Kanton Bern schmiedete gemeinsam mit einem Kollegen zwei perfide Mordpläne. In beiden Fällen wurden die Opfer bei vollem Bewusstsein langsam und qualvoll erstickt. Vor ihrem Tod waren sie während mehreren Stunden gefesselt und wurden geschlagen. Dies geht aus der kürzlich publizierten Anklageschrift hervor. Eines der Opfer war ein 36-jähriger Lastwagenbesitzer aus Bülach. Seine Leiche wurde in einem Waldstück bei Boppelsen gefunden. Ab dem 9. September müssen sich die drei Beschuldigten wegen Mordes und diversen weiteren Delikten vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten. Das Medieninteresse dürfte dabei riesig sein. Bei Verhandlungen im Unterland ist das eher unüblich. In den vergangenen Jahrzehnten gab es jedoch immer wieder Gerichtsprozesse, die weit über die Region hinaus für Schlagzeilen sorgten.

Die Swissair-Pleite und die Kollision von Überlingen

Es war das grösste Wirtschaftsstrafverfahren, das es in der Schweiz je gegeben hat: Der Prozess um die Swissair-Pleite. Insgesamt 19 Personen wurden angeklagt, darunter alle Mitglieder des damaligen Verwaltungsrates, die Konzernchefs sowie weitere Mitglieder der Geschäftsleitung. Ihnen wurden unter anderem ungetreue Geschäftsbesorgung, Misswirtschaft und Urkundenfälschung vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft forderte Freiheitsstrafen von 6 bis 28 Monaten sowie hohe Geldstrafen und Bussen. Der Prozess begann im Januar 2017 und musste aufgrund des hohen Interesses in die Bülacher Stadthalle verlegt werden. Die Urteile wurden ein halbes Jahr später verkündet. Alle Angeklagten wurden vollumfänglich freigesprochen und bekamen für die durch den Prozess entstandenen Kosten Entschädigungen zwischen 20000 und 490000 Franken zugesprochen.

Beim «Grounding» der Swissair am 2. Oktober 2001 blieben von einem Tag auf den anderen alle Maschinen am Boden. Tausende Passagiere strandeten. Später ging die Fluggesellschaft in Konkurs. Viele Mitarbeiter verloren ihren Job, Aktionäre ihr Vermögen und Lieferanten zum Teil erhebliche Geldbeträge.

Fast zeitgleich mit dem Swissair-Prozess fand am Bezirksgericht Bülach auch die Verhandlung zur Flugzeugkollision von Überlingen statt. Beim Zusammenstoss im Juli 2002 zwischen DHL-Flug 611 und Bashkirian-Airlines-Flug 2937 starben alle 71 Insassen. Vier leitende Skyguide-Angestellte wurden im September 2007 wegen fahrlässiger Tötung zu bedingten Geld- und Freiheitsstrafen verurteilt. Die vier weiteren der insgesamt acht Angeklagten wurden in allen Punkten freigesprochen. Dabei handelte es sich um einen Systemplanungsexperten, zwei Mitarbeiter im Spätdienst sowie jenen Fluglotsen, der zum Unglückszeitpunkt in der Pause war. Der beim Unfall diensthabende Fluglotse wurde über zwei Jahre nach der Katastrophe bei seinem Haus in Kloten erstochen. Der Täter, ein Russe, hatte beim Unglück seine Frau und zwei Kinder verloren. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt. In seiner Heimat wird er für die Tat als Held gefeiert.

Der mutmassliche Mörder tötete sich vor dem Prozess

Ein aktuellerer Fall betrifft Gino Bornhauser, der seit April 2016 als vermisst gilt. Auf einem Video ist zu sehen, wie der Rentner aus Eglisau auf einem Parkplatz in Rafz von einem Mann übel zugerichtet wurde. Seither wurde Bornhauser nie mehr gesehen. Kurze Zeit später verhaftete die Polizei einen Brasilianer, der danach auch ein Geständnis ablegte. Er fuhr mit dem verletzten Rentner zu einem Waldrand und überrollte ihn dort mehrmals mit dem Auto. Wo er die Leiche entsorgt hat, wusste der damals 36-Jährige nicht mehr.

Die Tat sorgte im ganzen Land für Entsetzen. Der Brasilianer wurde wegen Mordes angeklagt. Der Prozess am Bezirksgericht Bülach im Dezember 2017 sollte endlich Licht ins Dunkle bringen. Zu einer Verhandlung kam es aber nie und wird es auch nie mehr kommen. Der Brasilianer wurde zwei Monate vor dem Gerichtstermin tot in seiner Zelle im Flughafengefängnis aufgefunden. Laut dem Gutachten kommen «Unfall und Suizid» als Todesart infrage. Die Obduktion ergab, dass eine Morphiumvergiftung zum Tod des Beschuldigten führte. Bornhausers Leiche bleibt bis heute verschwunden.

Erstellt: 16.08.2019, 17:31 Uhr

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