Eglisau

Drachen auf der Kirche vertreiben Dämonen aus dem Rheinstädtchen

Während der Renovation der reformierten Kirche Eglisau stiess die Denkmalpflege auf vier Drachenköpfe auf dem Kirchturm. Die wiederentdeckten Figuren erstrahlen nun in neuem Glanz. Sie haben die Aufgabe, Dämonen zu verscheuchen.

Spengler haben die Drachenfiguren abmontiert, deren abgeblätterte Farbe entfernt und repariert. Danach wurden sie bemalt und wieder auf dem Kirchturm angebracht.

Spengler haben die Drachenfiguren abmontiert, deren abgeblätterte Farbe entfernt und repariert. Danach wurden sie bemalt und wieder auf dem Kirchturm angebracht. Bild: Peter Hausheer

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Leuchtend grün strahlen sie dem Betrachter entgegen und sind nicht etwa ein Deko-Überbleibsel der Renovation von vergangenem Herbst: Die vier Drachenköpfe hoch oben auf dem Turm der reformierten Kirche Eglisau. «Die bekrönten Ungeheuer reissen ihr Maul weit auf und strecken die Zunge furchteinflössend heraus», schreibt die kantonale Denkmalpflege in ihrem Beschrieb der jeweils 1,60 breiten und 1,80 Meter langen Höllentiere aus Kupferblech.

Die Renovation der Kirche war schon lange vorbesprochen und das Gerüst bereits aufgestellt, als die Denkmalpflege bei einer Begehung auf die vier Figuren stiess. «An die Drachen hatte niemand gedacht», sagt Christian Muntwyler, Bauberater der Denkmalpflege. Man habe bemerkt, dass die Figuren in einem «miserablen Zustand» waren und renoviert werden müssen.

Einschusslöcher gefunden

Die Farbe der Drachen war abgeblättert, an den Kronen fehlten Zacken, nur noch ein Drachen hatte eine Zunge, auch waren manche Schuppen abgefallen. Zudem wiesen die Skulpturen aus dem Jahr 1717 Einschusslöcher von Bleikugeln auf. Woher diese stammen, kann Muntwyler nur vermuten: «Vielleicht waren Lausbuben für diese verantwortlich, oder sie könnten aus der Zeit der Franzosenkriege stammen.»

Ein lokaler Spenglerbetrieb, die Zasag AG, nahm sich der Renovation der Figuren an: Dessen Mitarbeiter montierten die Drachenköpfe ab und holten sie mittels Flaschenzug vom Kirchturm runter. «Wir haben die Farbe entfernt, die fehlenden Teile ersetzt und Verstärkungen eingebaut, damit sie lange halten», führt Philipp Rolli von der Zasag aus. Danach wurde ein Maler beauftragt, die Figuren zu lackieren.

«Der Auftrag war eine grosse Ehre für uns», sagt Rolli, «das war eine besondere Arbeit.» Es sei höchst selten, dass man an historischen Objekte arbeiten dürfe. Besonders auf dem Land seien solche Gelegenheiten rar, und es sei auch nicht selbstverständlich, dass ein lokaler Spengler den Auftrag erhalte.

Dass die Farbe so leuchtend grün ausgefallen ist, passt laut Muntwyler zur «barocken Farbigkeit ». Eine Farbuntersuchung habe ergeben, dass das ursprüngliche Grün so intensiv gewesen sei. Für die Renovation der Figuren hat die Denkmalpflege 18 000 Franken in Aussicht gestellt. Normalerweise spreche sie kein Geld, aber in diesem Fall kam ein Ausnahmeparagraph zum Zug, der Beiträge für Objekte erlaubt, welche finanziell die Möglichkeiten der jeweiligen Gemeinde übersteigen.

Der Schutz vor dem Bösen

Solche wasserspeienden Figuren sind auch an anderen Bauwerken zu finden – so zum Beispiel an der Klosterkirche Rheinau, wo sie laut Muntwyler etwas kunstvoller gearbeitet sind. Sie seien auch in der Stadtkirche Winterthur oder in Kloten zu sehen, jedoch in bescheidener Grösse im Vergleich zu Eglisau.

Die Drachen mit ihrem unheimlichen Aussehen sollen den Dämonen den Spiegel vorhalten und diese dadurch verscheuchen. Auf diese Weise soll das Gebäude vor bösen Mächten geschützt und damit vor Unheil bewahrt werden. «Die Idee geht in die Frühzeit des Christentums zurück», erklärt Muntwyler. In Frankreich zum Beispiel seien sie oft an romanischen Kirchen zu finden: «Auf manchen Portalen sind Szenen wie aus der Hölle abgebildet, mit Monstern und anderen Figuren, welche die Dämonen vertreiben sollen.»

Erstellt: 09.05.2017, 18:01 Uhr

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