Bülach

Dreiklang beglückt die Zuhörenden

Naturstimmen aus den Kehlen dreier aussergewöhnlicher Sängerinnen beglückten das Publikum in der reformierten Kirche. Sanfte Klänge wechselten mit lustigem Gesang und urtümlichen Klageliedern.

Drei Frauen nahmen das Publikum in die Klangwelt der Naturstimmen mit. Die Finnin Outi Pulkkinen, die Schweizerin Nadia Räss und Mariana Sadovska aus der Ukraine (von links) füllten den Kirchenraum aus mit einem Mix aus traditionellen und unkonventionellen Klängen.

Drei Frauen nahmen das Publikum in die Klangwelt der Naturstimmen mit. Die Finnin Outi Pulkkinen, die Schweizerin Nadia Räss und Mariana Sadovska aus der Ukraine (von links) füllten den Kirchenraum aus mit einem Mix aus traditionellen und unkonventionellen Klängen. Bild: Leo Wyden

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Das Abendkonzert unter dem Namen «Naturstimmen» begann überraschend: Aus drei Richtungen erklangen lockende Rufe, als würde ein Hirte seine Tiere suchen. Die finnische Sängerin Outi Pulkkinen sang zum Chorraum hin, von rechts schritt die Ukrainerin Mariana Sadovska auf die Bühne, von links näherte sich die Schweizer Jodlerin Nadja Räss. Jede Stimme lockte auf ihre eigene individuelle Weise.

Als das letzte Geisslein meckerte, waren die drei Sängerinnen auf der Bühne versammelt und sie begrüssten die Zuhörenden, jede in der eigenen Muttersprache. Das Konzert in der Reihe Bülacher Abendmusiken war unter «Naturstimmen» angesagt angekündigt worden. Die Menschen kamen dabei in den Genuss eines aussergewöhnlichen Dreiklangs.

Nadja Räss jodelte, sang, unter anderem ein Rugguserli und griff später zum Schwyzerörgeli. Outi Pulkkinnen überraschte mit urwüchsigem Runengesang, über zweitausend Jahre alten Traditionsmelodien aus ihrer Heimat, und begleitete sich auf der Jouhikko, einem schlichten Streichinstrument mit drei Saiten. Mariana Sadovska sang ukrainische Weisen und spielte auf einem indischen Harmonium, ein in der westlichen Welt fast unbekanntes Instrument.

Hervorragende Akustik

«Die Bülacher Kirche eignet sich hervorragend für unseren Gesang», merkte Nadja Räss an. Die Stimmakrobatinnen sangen zart, kräftig, trällerten lustig, jodelten, klagten und kreierten grossartige musikalische Bilder. Ohne Mikrofon erklangen selbst die leisen Töne mühelos bis in die hintersten Reihe. Gegenseitig liessen sich die Sängerinnen Freiraum und sie präsentierten Kreativität, Können und durchaus Mut, ihre traditionellen Gesänge unkonventionell zu verfremden. Mit fantasievollen Wortschöpfungen loteten sie die sprachlichen Grenzen aus.

Für ihr Projekt «Naturstimmen» suchte Nadja Räss nach Sängerinnen, die neue musikalische Wege einschlagen wollten, ohne die Herkömmlichen zu vergessen. Mit der Finnin und der Ukrainerin fanden sich die expermentierfreudigen Frauen einst am Klangfestival, das alle zwei Jahre im Toggenburg stattfindet. «Wir drei sind eigenständige Persönlichkeiten, die Freude an der Musik ist das verbindende Element», sagte Räss. Das Trio gibt im In- und Ausland Konzerte.

Ihr Mut zur Naturstimme wurde vom Publikum mit viel Applaus belohnt. Etliche neue Stücke schrieb der Komponist Markus Flückiger. Mit Absicht hatte er keinen bestimmten Text vorgegeben, die Neuschöpfungen an Wörtern und Silben hätten sich beim Singen von selber ergeben. Das Publikum, rund 170 Personen, zeigte sich beglückt über die weite musikalische Reise, die auch die Tiefen der Herzen berührte.

Mut zum Risiko belohnt

Seit zwölf Jahren organisiert Susanne Rathgeb, Kirchenmusikerin der reformierten Kirche Bülach, die Konzertreihe. «Nadja Räss ist heute zum zweiten Mal in der Reihe Bülacher Abendmusik zu Gast und ich war beim ersten Auftritt sehr beeindruckt von ihr», sagte sie. «Räss machte mich auf das Projekt Naturstimmen aufmerksam – und ohne die drei Frauen vorher gehört zu haben, buchte ich sie auf der Stelle.» Wie sich unschwer feststellen liess, wurde Rathgeb für ihr Risiko belohnt und traf beim Publikum voll ins Schwarze.

Das letzte Stück sangen die drei Frauen dann zusammen mit den Zuhörenden in der Kirche, die sich bei den Künstlerinnen für den einzigartigen Konzertabend erneut mit viel Applaus bedankten. Etliche Besucher würdigten, dass die reformierte Kirche Bülach seit vielen Jahren Musik, auch nicht Sakrale, in breiter Vielfalt anbietet.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 13.11.2017, 14:43 Uhr

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