Street Parade

Ecstasy weist immer höhere Dosierung auf

Auch an der diesjährigen Street Parade können am Saferparty-Stand Drogen analysiert werden. Im Fokus stehen Ecstasy-Pillen, die extrem hoch dosiert sind.

Ein Pillentest am Stand von Saferparty dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Auch ein Beratungsgespräch gehört dazu.

Ein Pillentest am Stand von Saferparty dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Auch ein Beratungsgespräch gehört dazu. Bild: Keystone

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Seit zwei bis drei Jahren ist der Trend zu beobachten: Ecstasy-Pillen enthalten immer mehr MDMA. Auf dieser chemischen Verbindung beruht die Wirkung der Partydroge. Rund ein Fünftel der in Verkehr gelangenden Ecstasy-Pillen sei mittlerweile extrem hoch dosiert, schätzt Christian Kobel. Er ist Leiter der Jugendberatung Streetwork, die zu den Sozialen Einrichtungen und Betrieben der Stadt Zürich gehört. Die Beratungsstelle ist auch dieses Jahr wieder mit einem Stand an der Street Parade präsent, an dem Raver und Raverinnen ihre Drogen testen lassen können.Unter «extrem hoch» versteht Kobel Dosierungen um 200 Milligramm MDMA. «Für eine leichte Person ist das sehr viel», sagt er und verweist darauf, dass es vom Körpergewicht abhängt, wie viel jemand verträgt. Es seien aber auch schon Dosen von 300 Milligramm aufgetaucht. «Diese Dosis würde einem 200 Kilogramm schweren Mann entsprechen.» Die Nebenwirkungen reichen von Kreislaufkollaps bis Leberschäden. Der Dosierung werde dieses Jahr daher spezielle Beachtung geschenkt, sagt Kobel.

Für die Analyse einer am Stand vorbeigebrachten Pille wird von dieser ein Viertel herausgetrennt. Drei Viertel bleiben somit übrig für den Konsum. Bei starker Dosierung ist das mehr als genug. Man empfehle in solchen Fällen, höchstens ein Viertel oder ein Drittel der Pille zu konsumieren, sagt Kobel. Neben einer hohen Dosis kann die Analyse aber auch auf problematische Streckmittel hinweisen, sodass ganz vom Konsum abgeraten wird. Jede zweite Analyse zeigt pharmakologisch wirksame Streckmittel in der Substanz oder eine falsche Deklarierung auf.

Ab wann die Droge wirkt

Die Partydrogenprävention läuft unter dem Titel Saferparty.ch, wozu auch eine Website existiert. Auf ihr werden auch aktuelle Pillenwarnungen geschaltet. Der Stand wird während der Street Parade von 13 bis 18 Uhr auf dem Marktplatz vor der Nationalbank stehen, ab 22 Uhr in der Roten Fabrik. Die Kapazität des mobilen Labors reicht für 30 bis 40 Tests am Nachmittag. Ein Test dauert etwa 15 bis 20 Minuten, wobei zu jedem Testing auch ein Beratungsgespräch gehört. Mitte Nachmittag gebe es jeweils ein wenig Stau, sagt Kobel.

Man kann aber auch einfach am Stand vorbeischauen, um sich zu informieren. Dann geht es zum Beispiel um die Frage, wie lange es braucht, bis eine Droge wirkt. Bei Ecstasy entfalte sich die volle Wirkung jeweils nach einer Dreiviertel- bis einer Stunde, sagt Kobel. Das wüssten nicht alle, fügt er an. Und so werde womöglich nach 15 Minuten, weil die Wirkung vermeintlich ausbleibt, bereits eine andere Tablette nachgeworfen. Und schon ist es zu viel.

Das Durchschnittsalter der Raver, die am Stand Pillen testen lassen, liegt gemäss Kobel bei Mitte 20. Darin spiegle sich der Umstand, dass der Einstieg in die Partydrogen meist Anfang 20 geschehe – zunächst sorglos, dann auch einmal mit einer schlechten Erfahrung, und schliesslich ist man vorsichtiger unterwegs.

«Aber auch richtig dosiert und ohne gefährliche Streckmittel – die gesunde Droge gibt es nicht», betont Kobel. Und sicher sei ein Grossanlass wie die Street Parade nicht geeignet für Experimente. Wenn es schon sein müsse, dann solle man eine Droge in überschaubarem Rahmen ausprobieren, mit Kollegen, die bei Bedarf reagierten. Im Übrigen betont Kobel, dass nur ein kleiner Teil der Parade-Besucher illegale Substanzen konsumiere. An erster Stelle stehe auch an diesem Anlass der Alkohol.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 09.08.2017, 18:33 Uhr

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