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EHC Kloten steht vor ungewisser Zukunft

ZU-Eishockey-Experte Walter J. Scheibli zur verfahrenen Situation rund um den EHC Kloten.

Der EHC Klotenist seit dem vergangenen Samstag definitiv in den Playouts und kämpft nun gegen den Abstieg aus der National League. Der dienstälteste Verein der höchsten helvetischen Liga steht vor einer unsicheren Zukunft.Es war im Sommer 1962. Die Klotener Eishockeyspieler hatten den Aufstieg in die damalige Nationalliga A trotz heroischem Kampf gegen den übermächtigen HC Villars verloren. Doch als sich die Spieler an einem Fussball-Grümpelturnier amüsierten, kam die überraschende Kunde. Weil die NLA den abgestiegene EHC Basel unbedingt halten wollte, wurde die Liga auf zehn Teams aufgestockt. Kloten stieg am grünen Tisch auf.

Man gingdamals davon aus, dass die Zürcher Unterländer ohnehin gleich wieder absteigen würden. Aber das war eine krasse Fehleinschätzung. Der EHC Kloten ist der einzige Verein, der seit damals immer in der höchsten helvetischen Liga engagiert ist. Doch jetzt scheint dies ernsthaft in Gefahr zu sein, noch nie standen die Klotener dem Abstieg näher. Pleiten, Pech und Pannen begleitete das Team bislang in dieser Saison und der Formstand lässt für die entscheidende Meisterschaftsphase nur sehr begrenzt Optimismus aufkommen.

«Es ist bis heute nicht so klar, wer im sportlichen Bereich eigentlich genau was macht und für was zuständig ist.»

Walter J. Scheibli

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Natürlich hat der EHC nicht mehr ein Kader, der die Playoff-Qualifikation garantieren kann. Aber etwas mehr als der abgeschlagene letzte Platz müsste doch möglich sein. Am Anfang der sport-lichen Misere steht der rigorose Sparkurs des Vereinsinhabers Hans-Ueli Lehmann. Dem Geschäftsmann aus Glattfelden verdankt der Verein, dass er überhaupt noch existiert. Als niemand in den EHC investieren wollte, übernahm er den Club. Auch seine Maxime zurück zum Dorfclub kam im Zürcher Unterland gut an.

Aber er unterschätzte, dass der sport-liche Erfolg bei einem Profiverein halt entscheidend ist. Spätestens als er in Aussicht stellte, in Zukunft ohne Aus-länder antreten zu wollen, begann der Ausverkauf. Am Ende der Saison werden praktisch alle Leistungsträger den Verein verlassen. Wie man in der nächsten Meisterschaft über eine konkurrenzfähiges Team verfügen will, ist schleierhaft.

Aber primär geht es nun darum, den Abstieg zu vermeiden. Mittlerweile hat auch Lehmann eingesehen, dass der Ligaerhalt des EHC existenziell ist. Denn längerfristig wird es für Kloten in der Swiss League (NLB) kaum eine Zukunft geben. Noch ist nichts verloren. Aber nach einer bislang völlig missglückten Saison scheint das Team ohne Selbstvertrauen in die entscheidende Phase zu gehen.

Ein Fehler war schon, die Saison nur mit drei Ausländern zu beginnen. Dann verletzte sich auch noch Tommi Santala. Nach einem monumentalen Fehlstart mit sechs Niederlagen in Serie folgte bald die Entlassung von Cheftrainer Pekka Tirkkonen. Das konnte man nachvoll-ziehen. Dass auch Sportchef Pascal Müller gehen musste dagegen weniger. Zumal gar kein Ersatz vorhanden war. Deshalb ist bis heute nicht so klar, wer im sportlichen Bereich eigentlich genau was macht und für was zuständig ist. Jeder redet etwas mit.

Als mit Kevin Schläpfer, dem Motivationskünstler aus Biel, der neue Chef-trainer verpflichtet wurde, kehrte der Optimismus zurück in die Swiss-Arena. Doch nur für kurze Zeit. Schläpfer brachte das Team bislang nicht weiter. Mittlerweile gibt es gar Stimmen, die seine Position in Frage stellen. Zumal mit den Elitetrainern André Rötheli und Felix Hollenstein intern zwei Kandidaten für die erste Mannschaft vorhanden wären. Andererseits will man in Kloten ja mit Kevin Schläpfer längerfristig planen, er hat den EHC Biel mehr als einmal aus einer ähnlichen Situation retten können.

Es ist schwer abzuschätzen, wie Klub-besitzer Hans-Ueli Lehmann in dieser Frage auf Niederlagen im Playout oder gar in der Ligaqualifikation reagieren wird. Natürlich hatte Kloten auch Pech mit Verletzungen. Dass mit Patrick von Gunten der beste Verteidiger aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere beenden musste, wog schwer. Nur: Auch die anderen Teams beklagten viele Absenzen. Zuletzt investierte der Club nochmals und das war auch bitter nötig. Der neue Ausländer Spencer Abbott etwa hinterliess bislang keinen schlechten Eindruck.

Auf der anderen Seite ist es im Abstiegskampf naturgemäss ein Nachteil, dass so viele Spieler den Verein eh verlassen werden. Die ständigen Mutationen auf der Geschäftsleitung erzeugten zusätz-lich Unsicherheit. Der EHC Kloten, das sportliche Aushängeschild des ganzen Zürcher Unterlands, steht vor entscheidenden Wochen mit ungewissem Ausgang.

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