Eglisau

Ein Apéro lockt die kulinarisch Mutigen an

Am Samstagvormittag fand in der Bibliothek Eglisau ein Apéro der ungwöhnlichen Art statt. Zu degustieren gab es Mehlwürmer, Heuschreckenspiessli und Energy-Bytes mit Nüssen und Früchten. Die Besucher zeigten sich neugierig.

Die meisten Besucher des Insekten-Apéros konnten den Häppchen etwas Schmackhaftes abgewinnen.
Video: Flavio Camenzind

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Am Samstag Vormittag fanden sich die ersten Besucher, darunter auffallend viele Männer, ein, um der Einladung zum Insektenapéro der Bibliothek Eglisau und der Firma Essento zu folgen.

Ein feiner Duft durchzog die Räumlichkeiten als David Bär eine Platte mit marinierten Heuschreckenspiessli aus dem Ofen nahm und den Gästen servierte. Tapfer wurden Heuschreckenspiessli, Mehlwürmer nature und Grillen an Paprika degustiert. Rasch entwickelten sich angeregte Gespräche unter den Testessern.

Einige probierten die exotischen Lebensmittel zum ersten Mal, andere kannten sie aus Reisen in fernen Ländern. Christian Späni aus Glattfelden war schon an einem Vortrag zum Thema im Mai dabei und wollte sich die Degustation nicht entgehen lassen. «Ich bin sehr überrascht wie gut die Tierchen munden», sagte er nach der ersten Probe Mehlwürmer. «Sie knacken leicht zwischen den Zähnen, und geben einen nussigen Geschmack ab.» Die Crostini mit Mehlwürmern und Wasabi-Erbsenaufstrich sehen grün und anmächelig aus. «Ich denke, niemand würde bemerken was im Aufstrich verarbeitet worden ist, wenn man es nicht wüsste», sagte er und griff zu einem Heuschreckenspiessli.

Ähnlich sah es Christoph Koch: «Ich bin so aufgewachsen dass ich lernte alles zu essen. Seien es alte Gerichte, die man heute kaum mehr kennt, wie Grick, also Kalbsherz und Lunge, oder Hirni und andere Innereien.» Koch kostete es keine Überwindung die Würmer und Heuschrecken zu probieren. «Schmeckt wunderbar», lautete sein Fazit.

Auch für Conny Reschs Gaumen schmeckten die exotischen Zutaten gut. «Ich will aus Überzeugung weniger Fleisch essen und informiere mich deshalb über Alternativen», sagte sie. Einig waren sich die Besucher, dass das Auge nicht unbedingt mit essen soll. «Ich darf einfach nicht an einen Heugümper denken, wenn ich das Spiessli esse. Das ist schon gewöhnungsbedürftig», meinte die Musiklehrerin aus Bülach.

Alternative zu Fleisch

Die Insekten, welche in anderen Ländern als Lebensmittel gang und gäbe sind, werden als die alternative Proteinquelle der Zukunft gepriesen. Die Firma Essento aus Zürich möchte diese als Alternative zu Fleisch in der Schweiz bekannt machen und vertreibt Produkte in einem Grossverteiler.

Ursprünglich war geplant, die Degustation im Mai nach dem Vortrag anzubieten. «Dies hat nicht geklappt, da die offzielle Zustimmung zum Import der Produkte noch nicht vorlag», erklärte David Bär von Essento.

Von vergangenem August an, ist es nun möglich unter anderem die Europäische Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) aus österreichischer Zucht zu importieren. Die Tierchen werden ohne Hinterbeine, der Widerhaken wegen, und ohne Flügel, diese kleben unangenehm am Gaumen, gegessen. Viele Rezepte mit gluschtigen Fotos sind im Buch «Grillen, Heuschrecken und Co.“ zu entdecken. Rund hundert Menschen statteten am Samstagmorgen der Bibliothek einen Besuch ab, die meisten kosteten vom Angebot.

Kinder halten sich an Schoggi

«Wir wussten nicht mit vielen Besuchern wir rechnen dürfen», sagte Bibilothekarleiterin Ruth Bolliger. «Dass so eifrig probiert wurde und sich eine angenehme Atmosphäre verbreitete, zeigt, dass die Menschen offen sind, Neues und Ungewohntes kennen zu lernen», freute sie sich. Fünfzig Heuschreckenspiessli wurden vertilgt und die Schälchen mit den Grillen und Mehlwürmern waren ebenso leer gegessen.

Einzig die Kinder waren beim Verzehr der Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmer zurückhaltend. Sie hielten sich mehrheitlich an Bewährtes und assen mit Genuss was sie kennen: Die Deko-Marienkäferchen aus Schokolade. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 29.10.2017, 17:53 Uhr

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Ein Apéro lockt die kulinarisch Mutigen an Am Samstagvormittag fand in der Bibliothek Eglisau ein Apéro der ungwöhnlichen Art statt. Zu degustieren gab es Mehlwürmer, Heuschreckenspiessli und Energy-Bytes mit Nüssen und Früchten. Die Besucher zeigten sich neugierig.

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