Wallisellen

Ein bekannter (Sport-)Arzt tritt kürzer

Bernhard Sorg hat die Klotener Eishockey Meistermannschaft von 1993 bis 96 oder die Bassersdorfer Fussballer Severino und Gino Zambelli betreut. Für wichtige Fälle steht der Mediziner noch zur Verfügung.

Auch die Bassersdorfer Fussballer Severino (links) und Gino Zambelli lassen sich von Bernhard Sorg (Mitte) seit Jahren medizinisch behandeln. Der Arzt besucht immer wieder Spiele der beiden, um zu sehen, wie es ihnen während des Sporttreibens läuft.

Auch die Bassersdorfer Fussballer Severino (links) und Gino Zambelli lassen sich von Bernhard Sorg (Mitte) seit Jahren medizinisch behandeln. Der Arzt besucht immer wieder Spiele der beiden, um zu sehen, wie es ihnen während des Sporttreibens läuft. Bild: Christian Merz

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Sorg ist ein Glückspilz. Mit 68 Jahren sieht er jünger aus, als er effektiv ist, obwohl er sein Leben lang sehr viel gearbeitet hat. Als Bub war er in der Schule gut. Und im Sport. Als Reiter hat er es später bis ins nationale B-Kader gebracht. Bei dieser Tätigkeit hat er erstmals das Phänomen Verletzung kennen gelernt, das ihn später sein ganzes Leben lang begleitet hat. «Ich habe mir in der Kavallerie-RS den Oberarm gebrochen. Später die Achillessehnen gerissen, das Sprunggelenk und die Hände gebrochen sowie den Meniskus verletzt», blickt er zurück – auch ein Glückspilz muss unangenehme Erfahrungen machen.

Heute geht es dem Vater der Töchter Carole und Corina, beide ehemals erfolgreiche Reiterinnen und jetzt Juristinnen, wieder blendend. «Ich fahre Ski, spiele Tennis, gehe schwimmen, ins Fitness, und vor zehn Jahren habe ich mit Golf angefangen», erzählt er mit einem Lachen im Gesicht. Aber natürlich nagte der Zahn der Zeit auch etwas an der Belastbarkeit des Spitzenmediziners. In diesem Jahr übergab er deshalb seine Praxis einem Nachfolger. «In reduziertem Pensum arbeite ich aber noch», hält der Unterländer schmunzelnd fest.

Viele Profis als Patienten

Beruflich lief es dem gebürtigen Schaffhauser aus Thayngen von Anfang an blendend. Nach Studien in Bern und Zürich arbeitete er ab 1978 als Arzt. Seit 1984 in seiner eigenen Praxis in Wallisellen. In den vergangenen 35 Jahren hat er fast 30'000 verschiedene Personen behandelt. Insgesamt hat er gegen 300'000 Konsultationen gemacht. «Etwa zwei Drittel der Patientinnen und Patienten, die mich aufsuchten, waren sportlich aktive Menschen, die Hälfte davon lizenzierte Wettkampfsportler», berichtet der Mediziner.

Als Teamarzt des EHC Kloten, 23 Jahre lang, und Chefarzt des Schweizer Eishockeyverbands, während 12 Jahren, hat er in erster Linie Eishockeyaner behandelt und wieder fit gemacht. So war er Teil der legendären Klotener Meistermannschaft von 1993 bis 1996 mit Captain Felix Hollenstein.

«Etwa zwei Drittel der Patientinnen und Patienten, die mich aufsuchten, waren sportlich aktive Menschen, die Hälfte davon lizenzierte Wettkampfsportler.» Bernhard Sorg

Auch in anderen Sportarten wie zum Beispiel Reiten – Sorg ist der Vertrauensarzt von Olympiasieger Steve Guerdat und Martin Fuchs –, Fussball, Tennis, Faustball, OL (Flühmann u.a.), Golf, Curling, Leichtathletik (die berühmte 4×100-Meter-Staffel mit Dave Dollé), Kunstturnen, Triathlon, Judo, Karate und Velo waren Beni Sorgs Diagnosen und Hilfe gefragt. «Er erkennt sehr schnell, was die Ursache der Verletzung ist, und handelt dann sofort. Und ohne dass man Langzeitschäden erleidet», hält Oliver Lang, ehemaliger Faustball-Nationalspieler und aktueller Nationaltrainer der Schweizer Faustballer, fest.

Der 44-jährige Elgger reiste auch nach seiner Sportlerkarriere ins Glattal, wenn er unter sportkörperlichen Problemen litt. Seine Nationalspieler liessen sich bis 2017, so lange war Sorg Arzt der Schweizer Faustball-Nationalmannschaft, bei Verletzungen ebenso vom Walliseller behandeln. «Ich habe von meinen Spielern nach den Behandlungen bei Beni Sorg nur Positives gehört», ergänzt Lang. Er verweist auf einen weiteren Vorteil des Unterländer Sportarztes. «Beni Sorg hat ein sensationelles Beziehungsnetz. Braucht es eine Operation, dann vermittelt er den Verletzten an den besten Fachmann im entsprechenden Gebiet.»

Langzeitwirkung ist wichtig

Sorg kümmert sich aber auch in einem solchen Fall weiter um seine Patienten. «Als Assistenzarzt habe ich selbst operiert, aber nur kleine Eingriffe. Später dann habe ich viel assistiert, besonders wenn meine Patienten operiert werden mussten», berichtet er. Wie sehr dem Mediziner seine Patientinnen und Patienten am Herzen liegen, zeigt die Tatsache, dass der Arzt immer wieder Sportveranstaltungen besucht, bei denen seine Patientinnen und Patienten aktiv sind. Unerkannt schleicht er sich an den Spielfeldrand. Auch bei Anlässen von Amateursportlern. Dann beobachtet er seine Patientinnen und Patienten, wie sie sich bewegen, wie es ihnen geht. Ob seine Behandlung erfolgreich war oder ob eine neue Lösung gesucht werden muss. Auch das langfristige Wohlbefinden seiner Patientinnen und Patienten ist ihm wichtig. Jahrzehntelang hält er zum Teil den Kontakt aufrecht.

«Beni Sorg hat ein sensationelles
Beziehungsnetz. Braucht es eine Operation, dann vermittelt er 
den Verletzten an den besten 
Fachmann im entsprechenden Gebiet.»
Oliver Lang, 
Nationaltrainer der Schweizer Faustball-Männer 

So wie mit dem ehemaligen Winterthurer NLA-(Super League)-Fussballer Josef «Sepp» Roth. «Vor etwas mehr als 25 Jahren habe ich Sorg erstmals aufgesucht. Mit dem Alter hatte ich, vielleicht auch wegen meiner Körpergrösse von über 1,90 m Probleme mit dem Knie, dem Fussgelenk und Stauchungen. Beni Sorg hat das schnell hingekriegt und es ist heute noch gut», blickt der 59-Jährige zurück. Nach seiner Aktivkarriere hat Sepp Roth, der heute Inhaber eines Elektrosystemegeschäfts ist, mehrere Regionalliga-Fussballclubs im Raum Winterthur trainiert. Wenn einer seiner Spieler eine Verletzung hatte, schickte er ihn nach Wallisellen.

Zufriedene Bassersdorfer

Auch die Fussballer im Unterland sind mit Sorgs immensen Fachkenntnissen zufrieden. Die beiden Bassersdorfer Ausnahmespieler Severino und Gino Zambelli, die trotz ihres Talents auf dem Rasen immer alles geben, waren einige Male beim Spezialisten in Behandlung. Severino erzählt: «Ich hatte doch schon einiges: Blessuren am Fussgelenk, Zerrungen, Prellungen, eine Hüft- und eine Schulteroperation. Ich war immer sehr zufrieden, wie er mich wieder fit gemacht hat.» Sein Bruder Gino findet ebenso lobende Worte: «Seine professionelle, unkomplizierte und lösungssuchende Art gefällt mir. Seine Behandlung ist immer auf mich und meine Bedürfnisse zugeschnitten.»

Das grösste Kompliment für den Mediziner kommt aber von einer Frau. Oliver Lang berichtet. «Meine Frau hatte sich das Kreuzband gerissen. Da hat sie mir gesagt, sie wolle unbedingt, dass Beni sich darum kümmert.»

Beni Sorg möchte vom Glück, dass er erfahren durfte, etwas zurückgeben (und wohl weitere Komplimente erhalten). Deshalb kandidiert er für den Nationalrat. «Ich möchte unser hochwertiges Gesundheitssystem mit Spitzenmedizin für alle erhalten. Aber so, dass es für alle bezahlbar ist», begründet er sein Engagement.

Erstellt: 09.10.2019, 14:22 Uhr

Beni Sorgs Tiefpunkte

«Wenn ich einer Sportlerin oder einem Sportler erklären muss, dass er seine Sportart nicht mehr ausüben sollte, weil die Gefahr eines Dauerschadens zu gross ist als Folge einer Verletzung, zum Beispiel einer Hirnerschütterung. Es können durch die zum Teil immensen Belastungen auch Verschleisserscheinungen auftreten, die das Ende einer Karriere bedeuten. Dies gilt natürlich für den Profisportler wie für einen Freizeitsportler. Da muss im gemeinsamen Gespräch nach Alternativen gesucht werden, damit der Sportler seine Bewegungsfreude auf eine andere Art ausleben kann.»

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