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Ein Bühnendebüt in der Unterwäsche

Die Theater-Büüni Taninchova probt gerade ihr neues Stück «Alles paletti». Darin wird geprügelt und geschubst – erstaunlich, dass die Schauspieler bis jetzt noch keine blauen Flecken haben.

Die Situation ist verzwickt genug und jetzt taucht auch noch das Grosi samt Lover auf. Hansjörg Lutz, Vreni Bertschi, Martin Berger, Jacqueline Rütschi, und Sepp Gschwend (von links) sorgen auf der Bühne für Tumult.
Die Situation ist verzwickt genug und jetzt taucht auch noch das Grosi samt Lover auf. Hansjörg Lutz, Vreni Bertschi, Martin Berger, Jacqueline Rütschi, und Sepp Gschwend (von links) sorgen auf der Bühne für Tumult.
Beatrix Bächtold

Im neuen Stück der Theater-Büüni Taninchova versammeln sich so ziemlich alle menschlichen Schwächen, die man sich vorstellen kann. Von der Handlung sei an dieser Stelle noch nicht allzu viel verraten, doch im Wesentlichen geht es um Folgendes: Fränzi (Maja Huwyler) fühlt sich von ihrem Gatten Hans (Sepp Gschwend) gefühlsmässig vernachlässigt und sucht zusammen mit ihren Kolleginnen Hildi (Judith Spielmann) und Biggi (Jacqueline Rütschi) das Abenteuer.

Und weil das lebensfrohe Trio den gemeinsamen Ausbruch aus dem Alltagstrott auf einer Lüge aufbaut, geht das Vergnügen am Schluss tüchtig ins Auge. Für zusätzliche Verwirrung sorgt das liebestolle Grosi (Vreni Bertschi), ihr Lover Ludwig (Martin Berger) und die sexy Internetbekanntschaft Svetlana (Jacqueline Rütschi).

Auch Ruedi (Hansjörg Lutz) der Jugendfreund von Hans und die gute Frau von Fleckenstein (Elisabeth Imfeld), die zu allem Übel auch noch am falschen Fleck zur falschen Zeit auftaucht, machen die Sache nicht besser. Kurz: Im Zweiakter von Rolf Salomon «Alles Paletti» läuft alles wie im richtigen Leben. Oder jedenfalls fast.

Noch feilen am Timing

Obwohl momentan ernsthaft geprobt wird, scheint Regisseur Paul Koch noch nicht so ganz zufrieden mit der Leistung seiner Truppe zu sein. Die Texte laufen zwar flüssig, doch am Timing muss noch geschraubt werden. Und deshalb treibt der Theatermann zeitweise fordernd, wie das nun mal seine Art ist, die Akteure von Szene zu Szene.

Da ist noch einiges zu tun bis zur Premiere am 4. März. Spätestens dann müssen die Zahnrädchen der Handlung punktgenau ineinandergreifen, damit das rasante Stück in Fahrt kommt. Doch das Publikum kann zuversichtlich sein, denn die Laiendarsteller der Theater-Büüni Taninchova sind bestens aufeinander eingespielt und werden das Stück schon schaukeln.

Lernen stillzustehen

Von der Besetzung her gibt es im Stück «Alles Paletti» zwei Besonderheiten. So schlüpft Jacqueline Rütschi in eine Doppelrolle und Martin Berger steht zum ersten Mal überhaupt als Schauspieler auf der Bühne. Der 52-jährige Werkmeister singt in seiner Wohngemeinde Glattfelden im Männerchor und wurde dort durch seinen Sangeskollegen Hansjörg Lutz, der zum Ensemble der Theater-Büüni Taninchova gehört, angeworben.

«Ich hatte keinerlei Theatererfahrung, begab mich auf Neuland und entdeckte dabei unglaublich viel», sagt Berger. Vor allem habe er sich von einer völlig anderen Seite kennengelernt. «Ich dachte immer, ich sei stimmstark. Für die Bühne musste ich lernen noch übertriebener zu artikulieren und lauter zu sprechen.» Auch in punkto Bewegung hat Martin Berger dazugelernt. «Ich dachte immer, ich stehe ruhig da und war überrascht, als der Regisseur mich korrigierte und sagte, ich sollte doch endlich ruhig stehen», erzählt er und betont dann, dass man beim Theaterspielen viel über das eigene Verhalten lerne.

Dass er den grössten Teil des Stücks in Unterhosen auf der Bühne zubringt, bereitet ihm im Moment noch keine Mühe. Aber er sagt: «Mal sehen, wie ich das vor Publikum empfinde. Darauf bin ich echt gespannt.»

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