Dielsdorf

Ein Dorf wappnet sich gegen Wasser

Beim Rekordunwetter von Ende Mai entstanden in Dielsdorf Schäden in Millionenhöhe. Nun hat der Gemeinderat ein Fachgutachten mit Gegenmassnahmen präsentiert.

Die Dielsdorfer Anlage beim Mühleweiher zur Bewältigung von Hochwasser versagte beim Unwetter von Ende Mai. Sie soll in erster Priorität wie weitere Hochwasseranlagen auch verbessert werden.

Die Dielsdorfer Anlage beim Mühleweiher zur Bewältigung von Hochwasser versagte beim Unwetter von Ende Mai. Sie soll in erster Priorität wie weitere Hochwasseranlagen auch verbessert werden. Bild: Balz Murer

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In den frühen Abendstunden des Mittwochs, 30. Mai, ging über das Wehntal und über Dielsdorf ein kurzes, aber extrem heftiges Gewitter – zum Teil mit wuchtigen Hagelschlägen – nieder. Allein die Zerstörungen, die das Hochwasser in Dielsdorf anrichtete, belaufen sich auf fast 10 Millionen Franken, wie Hydrologie-Experte Christoph Rüedlinger vergangenen Mittwoch vor 141 Leuten in der Mehrzweckhalle Früebli ausführte. Rüedlinger, Leitender Experte Wasser bei der Firma Basler&Hofmann, hat gemeinsam mit weiteren Fachleuten im Auftrag des Gemeinderats von Dielsdorf ein Gutachten erstellt zum damaligen Hochwasser und zur Verhinderung künftiger Schadenereignisse dieser Art. Dieses wurde am Mittwoch nach der Gemeindeversammlung vorgestellt.

Riesige Wassermassen

Innerhalb von nur einer Stunde fielen Ende Mai in Dielsdorf 80 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel. Ein Ereignis, das sich statistisch gesehen nur alle 200 Jahre wiederholt. Noch grösser waren die verzeichneten Abflussmengen. So führte beispielsweise der relativ kleine Hinterdorfbach eine Wassermenge von geschätzten 7 bis 10 Kubikmetern pro Sekunde. Für das gesamte Gemeindegebiet haben die Experten eine Abflussmenge errechnet, wie sie – immer gemäss Statistik – nur alle 300 Jahre einmal vorkommt.

In der Expertise ist festgehalten, wie sich die bestehenden Schutzanlagen gegen Hochwasser damals bewährt haben. Es zeigte sich, dass viele davon ihre Aufgabe nicht oder nur ungenügend erfüllen konnten. Entweder waren Ab- und Durchflüsse schnell verstopft oder sie konnten die Wassermassen einfach nicht schlucken. Dadurch suchte sich das Wasser andere Wege, die zu den erwähnten Schäden führten. «Die gewählten Konzepte sind gut, die Bauwerke weisen jedoch in vielen Fällen Schwachstellen auf», sagte Hochwasserexperte Rüedlinger. Bei einer Überlastung seien sie sogar wirkungslos. Der Bericht legt auch dar, welche konkreten Massnahmen in naher Zukunft ergriffen werden müssen, damit künftige Unwetter in geordnete Bahnen gelenkt und Schäden möglichst klein gehalten werden können.

Beispiel Hinterdorfbach

Das Mai-Ereignis förderte 13 über das gesamte Gemeindegebiet verteilte Schwachstellen zu Tage. Als Beispiel ging Rüedlinger auf die sogenannte Hochwasserentlastung am Hinterdorfbach beim Mühleweiher ein. Es habe sich gezeigt, dass das Bauwerk im Unwetter schnell einmal aufgrund der schlicht zu kleinen Abflusskapazität überlastet war und komplett verstopfte. Die Feinrechen, die Grobmaterial zurückhalten sollen, erwiesen sich als ungeeignet, da sie schnell verstopfen, und die Fussgängerbrücke über dem Werk sei zu tief gebaut und habe so zum Versagen der Gesamtanlage beigetragen. Diese Mängel gelte es zu beheben.

Das Werk beim Mühleweiher ist jedoch nicht die einzige Problemstelle am Hinterdorfbach, um bei diesem Beispiel zu bleiben. Weiter unten beim Werkhof der Gemeinde fliesst das Wasser des Bachs unter die Schienen der SBB-Strecke hindurch. Dieser sogenannte Durchlass muss vergrössert werden. Aber auch oberhalb des Mühleweihers besteht eine Problemstelle. Diese könne aber von der Gemeinde Dielsdorf nicht beseitigt werden, «da sie sich auf Gemeindegebiet von Regensberg befindet», erklärte Gemeindepräsident Andreas Denz.

Prioritäten setzen

Der Dielsdorfer Gemeinderat, der das Gutachten der Fachleute genehmigt hat, legte zehn Projekte fest, die prioritär realisiert werden müssen. Diese betreffen diverse Engpässe am Hinterdorfbach, am Meralterbach, am Früeblibach, am Gumpenwiesenbach, am Brüelbach, am Rebentobelbach und am Ditikerhofbach. Im Bereich der Gebiete Roggenhag und Nassenwilerstrasse soll ausserdem der Abfluss von sich bei Starkniederschlägen sammelndem Oberflächenwasser verbessert werden.

Im Budget 2019 sind denn auch 1,87 Millionen Franken für erste Massnahmen gegen Hochwasserereignisse bereitgestellt worden. Die Projekte erster und zweiter Priorität sollen bis zum Jahr 2020 realisiert sein, sagte Lukas Schmocker, Projektleiter Wasser bei Basler&Hofmann. Der gesamte Massnahmenkatalog soll innerhalb von fünf Jahren umgesetzt werden. Da jedoch Einsprachen möglich und teilweise auch die SBB und kantonale Stellen involviert sind, könne es zu Verzögerungen kommen, erklärte Florian Mocka von der kantonalen Gebäudeversicherung (GVZ) gegenüber dem «ZU».

Erstellt: 29.11.2018, 17:47 Uhr

Infobox

Das Expertengutachten kann auf der Website der Gemeinde Dielsdorf (www.dielsdorf.ch) heruntergeladen werden.

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