Bülach

Ein Hawaii-Traum geht in Erfüllung

Sportlehrer François Rey lehrte Ironman-Profi Jan van Berkel einst das Triathlon-Abc. Fast 20 Jahre später starten die beiden Bülacher nun gemeinsam am Ironman auf Hawaii.

Jan van Berkel unterwegs auf Hawaii. Im Vorfeld der Ironman-WM absolviert er einzig das Lauftraining ohne seinen einstigen Triathlon-Lehrmeister François Rey.

Jan van Berkel unterwegs auf Hawaii. Im Vorfeld der Ironman-WM absolviert er einzig das Lauftraining ohne seinen einstigen Triathlon-Lehrmeister François Rey. Bild: zvg

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Es war nicht das Talent, was François Rey vor zwei Jahrzehnten an Jan van Berkel überzeugte, sondern der Wille. «Jan ist zu mir ­gekommen und hat gesagt: ‹Ich will Triathlon machen, und ich will richtig gut werden›», erinnert sich Rey. Der heute 45-Jährige amtete damals als Sportchef von Impuls Triathlon, jenem Bülacher Club, in dem auch Olympiasiegerin Nicola Spirig gross geworden ist. Als einer der wenigen, die in den 1990er-Jahren leistungsorientiert auf der klassischen Distanz trainierten, gehörte der junge Sportlehrer zu den Aushängeschildern des Clubs. Jan van Berkel war 13, hatte eben erst mit dem Gymnasium begonnen und ein Herz für den Ausdauersport gefasst. Es war der Beginn einer Freundschaft, die diesen Samstag mit dem gemeinsamen Start am grossen Ironman-Klassiker auf Hawaii um ein unvergleichliches Kapitel reicher wird.

Seit Anfang Oktober bereiten sich François Rey und Jan van Berkel auf der berühmten Inselkette im Pazifischen Ozean auf den ältesten und härtesten Triathlon-Wettkampf der Welt vor. Das Verhältnis zwischen dem Lehrer und seinem einstigen Zögling hat sich mittlerweile ins Gegenteil verkehrt. Rey steigt am Samstag bei Sonnenaufgang zum ersten Mal überhaupt in der Bucht von Kailua-Kona ins Wasser. Er ist es nun, der im Training von Van Berkel und seiner Erfahrung aus zwei Rennen auf Hawaii lernen kann. Gemeinsam radeln sie durch die Lavafelder. Und wenn Van Berkel, der 31-jährige Profi, locker in die Pedale tritt,so kann der Mittvierziger Reyim Windschatten gut mithalten. Gemeinsam laufen mache indes keinen Sinn, erklärt der Ältere leichthin.

«Gell, es zwickt dich?»

Dass er mit seinem einstigen Schüler nicht mehr mithalten kann, ist für François Rey «absolut kein Problem». Man glaubt es ihm sofort, auch weil er mit hörbarem Vergnügen erzählt: «Beim Schwimmen steigen wir zwar gemeinsam ins und wieder aus dem Wasser, dazwischen war Jan aber eine Boje weiter draussen.» Und dort für Rey nur noch als Punkt im offenen Meer sichtbar. Es ist ein Bild, das gut auch für die Freundschaft der beiden Triathleten stehen könnte. Es gab nämlich Zeiten, da haben sich François Rey und Jan van Berkel nicht mehr getroffen – ganz aus den Augen verloren aber haben sie sich aber nie.

Es waren jene Jahre, in denen Rey auf Weltreise ging, Vater wurde, Van Berkel hingegen sichmit grossen Ambitionen auf der klassischen Distanz bewegte. Im Blickfeld hatte er die Olympischen Spiele 2012 in London. Als er kurz davor die Qualifikation endgültig verpasste, wechselteer auf die Langdistanz. «Einer der Ersten, die sich nach diesem Schritt bei mir gemeldet haben, war François», erinnert sich Van Berkel. «Da habe ich gemerkt, dass er immer noch mit ganzem Herzen dabei ist.» Fünfmal ist Van Berkel seither am Ironman Switzerland in Zürich gestartet, Rey war immer dabei, heuer als sein Betreuer vor Ort. Nach jeder Teilnahme habe er ihn gefragt: «Gell, es zwickt dich?», erzählt Van Berkel lachend. Erst Anfang dieses Jahres wurde Rey, der bis dahin immer mit Nein geantwortet hatte, schwach. Er begann wieder gezielt zu trainieren und gehörte im August in Zürich bereits wieder zu den stärksten Schweizer Langdistanz-Triahtleten seiner Altersklasse. Als Sechstplatzierter beendete Rey schliesslich den Ironman Switzerland. Und weil einer der besser klassierten Konkurrenten auf die Teilnahme auf Hawaii verzichtete, war für Rey plötzlich ein Sitz im Flieger frei. Van Berkel sagt dazu: «Es ist ein kleiner Traum, der für uns hier in Erfüllung geht.»

Verbrannte Burger

Ihre Zeit auf der Insel wollen sie so richtig auskosten. Darum bilden sie in diesen Tagen nicht nur eine Trainings-, sondern auch eine Wohngemeinschaft. Das Zusammenleben verlaufe äusserst harmonisch, sind sie sich einig. Bester Beweis dafür seien diebis zur Unkenntlichkeit verkohlten Hamburger vom gestrigen Abendessen, erklärt Jan van Berkel grinsend. «Wir haben uns draussen im Garten so gut unterhalten, dass ich das Fleisch in der Pfanne ganz vergessen habe.» Der Langstrecken-Profi hält sich auch auf Hawaii strikt an seine ketogene Diät, ernährt sich sehr fett- und proteinreich und verzichtet weitestgehend auf Kohlenhydrate. So weit geht François Rey nicht. «Ich schaue nicht besonders, esse wie im Alltag», erklärt er. Das gemeinsame Kochen klappe, mal abgesehen von den ungeniessbaren Burgern, trotzdem reibungslos. Rey ergänzt für sich das Menü einfach mit einer Scheibe Brot oder Pasta.

Der 45-jährige Rey ist vom ambitionierten Leistungssportler mental längst zum Geniesser geworden: «Nur schon die Strassenschilder auf der Strecke zu lesen, die Namen dieser Orte, von denen ich 28 Jahre lang nur ­erzählt bekommen habe, macht Gänsehaut», sagt er. Sein Rennziel formuliert er dementsprechend: «Ich möchte den berühmten letzten Kilometer entlangder Bucht aufrecht ablaufen können.» Und wenn Rey Van Berkel bei dessen Zieleinlauf abklatschen könnte, so wäre das das Pünktchen auf dem i seines Hawaii-Abenteuers. Die beiden Athleten haben diesbezüglich ­bereits ihre Berechnungen angestellt: «Die Laufstrecke hat zwei Schlaufen, wenn ich mit meiner zweiten fertig bin, ist François im Idealfall gerade mit der ersten fertig», erklärt Van Berkel.

Die Grillparty steht

Auch Jan van Berkel, der mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte, inzwischen aber wieder schmerzfrei ist, hat sich nur sekundär eine Platzierung zum Ziel gesetzt, ein Minimalziel, die Top 20. «Mehr erträume ich mir schon, aber der Fokus ist auf dem Prozess, nicht auf dem Endresultat.»

Es ist dies seine Art, diesem unberechenbaren Rennen Respekt zu zollen. Die Wellen im Wasser, die böigen Seitenwinde auf der Velostrecke und im Marathon die heissen Temperaturen lassen keine genauen Kalkulationen zu. Da ist die Grill­party, die nach dem Rennen mit Freunden und Familie steigen wird, für François Rey und Jan van Berkel schon einfacher zu planen. Es gibt hawaiianisches Bier und Burger – Letztere, zur Feier des Tages, auch für van Berkel mit Brot. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.10.2017, 19:26 Uhr

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