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Ein innovativer Hightech-Filter für Hahnenburger

Nicht überall kann Leitungswasser wie in der Schweiz problemlos getrunken werden. Ein neuer Wasserfilter des Zürcher Unternehmens Novamem soll das Problem lösen.

Anschrauben und Hahn aufdrehen: Der Drinkpure-Home-Filter.
Anschrauben und Hahn aufdrehen: Der Drinkpure-Home-Filter.

Outdoor-Fans kennen das Problem: In der freien Natur lässt sich zwar meist irgendwo Wasser finden, aber einfach so trinken sollte man es in vielen Fällen besser nicht. Abhilfe schaffen kleine Wasserfilter, die einen grossen Teil der Keime und ande­rer Verunreinigungen filtern können.Auch die in Schlieren an­säs­sige Firma Novamem hat vor über zwei Jahren einen solchen Filter auf den Markt gebracht. Der Drinkpure-Wasserfilter lässt sich einfach auf eine PET-Flasche aufschrauben. Der aus zwei Kom­ponenten bestehende Filter entfernt fast alle im Wasser enthal­tenen Bakterien, Viren und störenden Gerüche.

«Wir sind immer wieder von Nut­zern des Filters gefragt worden­, warum­ man diesen nicht auch einfach an einen Wasser­hahn anschliessen kann», sagt Christoph Kellenberger, Geschäfts­­führer von Nova­mem. Das Problem war allerdings nicht einfach mit einem Adapter für die unterschiedlichen Gewinde von PET-Flaschen und Wasserhähnen lösbar. «Der Drinkpure-Wasserfilter hielt dem Druck nicht stand.»

Auslieferung nächstes Jahr

Stattdessen entwickelte Novamem den Filter weiter, dabei ­her­aus­gekommen ist der Drinkpure-Home-Wasserfilter. Dieser wurde am Donnerstag auf der Crowdfunding-Plattform Kick­starter lanciert. Dort kann der Filter für rund 30 Franken vorbestellt werden, die Lieferung erfolgt voraussichtlich im Frühling 2018. «Wir brauchen rund 40 000 Franken zur Finanzierung der Produktion», sagt Kellenberger. Bis gestern Nachmittag ist bereits mehr als die Hälfte der Summe zusammen­gekommen.

Obwohl in den beiden Versionen des Filters dieselbe Filtertechnik zum Einsatz kommt, unterscheiden sie sich äusserlich stark: Die Outdoor-Version hat nicht ganz den Durchmesser einer CD und ist ziemlich flach. Der neue Filter für den Einsatz am Wasserhahn hat einen deutlich geringeren Durchmesser, ist aber einiges dicker. Und vor allem braucht er wegen des Drucks ein stabileres Gehäuse.

Hauptbestandteile der Novamem-Wasserfilter sind eine Mem­bran sowie ein Aktivkohlefilter. «Aktivkohlefilter findet man meist in Wasserfiltern, die zu Hause für das Filtern des ­Wassers für die Kaffeemaschine oder den Wasserkocher benutzt werden. Outdoor-Filter hingegen bestehen meist aus einer Mem­bran», sagt Kellenberger. «Wir kombinieren beide mitein­ander.» Während die Aktivkohle Gerüche, Pestizide und Hor­mone zuverlässig bindet, bietet sie keine Sicherheit vor Keimen. «Im Gegenteil, Aktivkohlefilter können sogar zu Bakterienherden werden», sagt Kellenberger.

Genau hier kommt die Mem­bran zum Zug: «Sie hält über 99 Prozent der Keime und sogar Viren zurück. Das Kolibakterium beispielsweise kommt relativ häufig im Wasser vor und verursacht Durchfallkrankheiten.»

Eine der Herausforderungen bei der Entwicklung von Drinkpure Home war die Durchfluss­geschwindigkeit. Jede Art von Filter bremst den Durchfluss, erst recht, wenn mehrere verwendet werden. Ein wichtiger Faktor ist auch die Fläche der ­Filter. Je grösser, desto höher der Durchfluss. Weil sich aber wohl niemand einen tellergrossen ­Filter an den Wasserhahn schrauben würde, musste ein Kom­promiss gefunden werden. «Der Durchfluss beläuft sich auf rund drei Liter pro Minute. Ein Wasserhahn ohne Filter liefert, je nach Wasserdruck in den Leitun­gen, 8 bis 15 Liter pro ­Mi­nute», sagt Kellenberger. Der Durchfluss des Drinkpure- Home-Filters ist höher als der vergleichbarer Produkte. «Dies liegt an der von uns entwickelten Membran, die einen speziell hohen Durchfluss ermöglicht.» Die von Novamem entwickelten Membranen kommen auch andernorts zum Einsatz: «Wir haben Geschäftskunden, die unsere Produkte in der Forschung und Entwicklung in der Pharma­branche, Biotech und Lifesciences einsetzen.» Die Grundlagen für die speziellen Membranen entwickelte Kellenberger in seiner Zeit als ETH-Doktorand.

Ausspülen ist möglich

Ein Nachteil der Wasserfilter ist die begrenzte Lebensdauer der beiden Filterkomponenten. Nach etwa 500 bis 1000 Litern muss der Filter zumindest in entgegengesetzter Richtung durchgespült werden. Nach weiteren 500 bis 1000 Litern wird ein Ersatz von Aktivkohle und Mem­bran nötig. Wer den Filter also bei sich zu Hause in der Küche montiert, wird ihn häufig spülen und austauschen müssen.

«Unsere Zielgruppe in der Schweiz sind eher Leute, die viel auf Reisen und unterwegs sind. Sie können den Filter einfach mitnehmen und beispielsweise im Hotel im Ausland anschrauben. So können sie dort problemlos Leitungswasser trinken – und sparen damit eine Menge Geld.» Aber auch in der Schweiz könne der Einsatz sinnvoll sein. Zwar ist das Leitungswasser hierzu­lande meist von guter Qualität, wird aber durch alte Wasserleitungen beispielsweise mit Rost verschmutzt.

Keine Abhilfe schafft der Filter übrigens gegen Kalk im Wasser, der zwar gesundheitlich unbedenklich ist, aber Haushaltsgeräten schaden kann. «Weder Aktivkohle noch Membranen filtern Kalk», sagt Kellenberger. «Dass das funktionieren soll, ist ein gut unterhaltener Mythos gewisser Hersteller. Diverse Untersuchungen zeigen aber, dass es nicht funktioniert.»

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