Schulbeginn

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt – mit Vogelspinnen, Anzug und netten Lehrern

Der Montag war für viele Kinder der Anfang eines neuen Lebensabschnitts. So erlebten Samantha und ­Liliane ihren ersten Kantitag. Aaron und Hüsseyin wurden frisch ein­geschult, und Damian startete vor einigen Wochen seine Lehre.

Samantha und Liliane fühlen sich «mega wohl» an der Kantonsschule.

Samantha und Liliane fühlen sich «mega wohl» an der Kantonsschule. Bild: Sibylle Meier

«Rennt bitte einfach nicht mit eurem zu grossen Schulthek und Velo­helm schreiend auf dem Pausen­platz herum – wir alten Hasen sind schon etwas einge­rostet. Und ihr müsst wissen: Wir fin­den euch prinzipiell sehr härzig.» Mit diesen Ratschlägen wurden die neuen Erstklässler der Kantonsschule Zürcher Unter­land bei der Willkommensfeier von den beiden Präsidenten der Schülerorganisation, kurz SO, begrüsst. Diese fand in diesem Jahr aufgrund von Renovationsarbeiten am Gebäude der Mensa und Aula in einem Festzelt neben den Turnhallen statt.

«Die Lehrer wollen nur das Beste für uns»

Nach der Feier im Aulaprovisorium lernten die 162 Schüler und Schülerinnen ihre Klassenlehrperson, die Mitschüler und das grosszügige Schulareal kennen. Für die zwölfjährige Saman­tha aus Glattfelden ging der Morgen aller­dings viel zu schnell vorbei. Sie und ihre Kollegin Liliane fühlen sich schon jetzt «mega wohl» und haben das Gefühl, dass die Lehrer nur das Beste für sie wollen. Vor der bevorstehenden Probezeit haben sie jedoch etwas Respekt. «Ich war heute Morgen fast so nervös wie vor der Gymiprüfung», sagt Samantha. «Wir haben zwölf Fächer und bis zu drei Prüfungen in der Woche – das ist schon ziemlich viel.» Besuch­ten die beiden Mädchen die Schule am Montag noch in Beglei­tung ihrer Eltern, müssen sie zukünftig alleine von Glatt­felden nach Bülach fahren. «Ich finde das sehr lässig, dass ich mit meinen Kollegen mit dem Postauto und Zug nach Bülach fahren kann und wir alle dasselbe Ziel haben», sagt Samantha.

Ihre Freundin Liliane stimmt ihr zu: «So können wir auch lernen, uns alleine mit dem ÖV zu bewegen. Das ist sicher hilfreich, wenn wir später einen Beruf ausüben.» Für das Gymnasium entschieden haben sich die Glatt­felde­rinnen, um die Matura zu ­haben, und «weil man viel mehr lernt». Eine klare Vorstellung von ihrer Zukunft hat Liliane noch nicht. «Hauptsache, ich kann später mit Menschen zusammenarbeiten.» Samantha hingegen hat schon einen Berufswunsch: Sie möchte gerne Primarlehrerin werden.

«Rechnen habe ich zu Hause schon ein wenig geübt»

Die Erstklässler Hüsseyin und Aaron meistern den zehnminütigen Schulweg ins Schulhaus Hohfuri ganz alleine. Foto: Sibylle Meier

BÜLACH Die gesamte Schülerschaft des Schulhauses Hoh­furi steht mit zahlreichen Sonnenblumen vor dem Eingang Spalier, um die Neuankömmlinge willkommen zu heissen. Nach zwei Begrüssungsliedern und einer Rede der Schulleiterin erwartet die Erstklässler nun die erste Schulstunde. Unter den Neu­ankömmlingen sind auch die beiden­ Freunde Aaron und Hüsseyin. Sie sind schon zusammen in den Kindergarten gegangen und werden jeweils den Schulweg gemeinsam bestreiten.

«Am meisten freue ich mich auf das Fussballspielen»

Als Einstieg dürfen die Schüler – noch im Beisein der Eltern – eine Zeichnung von ihren Ferien­erlebnissen machen. Aaron malt munter los von seinem Urlaub in Sörenberg. In der zweiten­ Lektion gilt es für die Kleinen schon ernst: Sie haben ihre erste Mathematiklektion.

«Das Rechnen gefällt mir am besten, das habe ich zu Hause auch schon geübt», sagt Aaron. «Am meisten freue ich mich aber auf das Fussballspielen in der Pause.» Zuhause angekommen erledigt er sogleich seine Hausaufgaben: Er muss alle Schuh­paare seiner Familie zählen. «Wir haben 48 Paar Schuhe zu Hause – und im Keller hätte es noch viel mehr!», erzählt Aaron stolz.

Ihre neuen Schulrucksäcke mit Vogelspinnenmotiven sowie Rennautos können die beiden Sechsjährigen am Nachmittag erstmals noch zu Hause lassen; die Gruppe Igel, zu der sie gehören, hat am Montagnachmittag jeweils frei.

«Mit meiner Tätigkeit kann ich anderen Menschen helfen»

Der Anzug ist für Damian auch an heissen Tagen Pflicht. Foto: PD

OBERWENINGEN Die erste grosse Veränderung für den Erstjahrlehrling Damian ist sein Arbeitsweg. Anstatt zehn Minuten mit dem Velo nach Niederweningen zu radeln, muss er nun mit Zug und Bus von Oberweningen nach Baden fahren. Dort hat er vor zwei Wochen bei der Migros-Bank eine Lehre als Kaufmann begonnen. Gemeinsam mit 23 anderen Lehrlingen aus der ganzen Schweiz wurde er zuerst in einem viertägigen Einführungslager über Themen wie das Bankkundengeheimnis und Geldwäscherei informiert. «Mir ist nun bewusst, dass ich nicht einfach beim Abendessen über den Kontostand von unserem Nachbarn reden darf», sagt Damian.

«Meine Freizeit beschränkt sich auf das Wochenende»

Eine weitere Veränderung für den Fünfzehnjährigen ist seine Freizeit. Konnte er früher noch jeden Mittwochnachmittag oder auch nach der Schule sich mit seinen Kollegen treffen, bleibt nun nur noch das Wochenende als freie Zeit. Und dann muss er auch noch seine Hemden waschen und bügeln. «Ich kann nun nicht mehr einfach nach Lust und Laune meine Kleider am Morgen auswählen. Stattdessen muss ich nun stets einen Anzug tragen. Das ist im Sommer schon sehr heiss», sagt Damian. «Zudem muss ich jeweils gut 15 Minuten für das Ankleiden einplanen.»

«Ich mache meine Arbeit für mich und den Kunden»

Trotz dieser Umstellungen vermisst Damian seine Zeit an der Sekundarschule nicht gross: «Die Oberstufe war eine schöne Zeit. Aber irgendwann hört das Schoggileben auf, und das richtige Leben beginnt.»

Die ganze Motivation für seine tägliche Arbeit habe sich mit dem Lehrbeginn auch geändert. «Ich mache meine Arbeit nicht mehr für den Lehrer, sondern für den Kunden und für mich», sagt Damian. «Ich kann tagtäglich unsere Kunden beraten und für sie Sachen erledigen. So kann ich mit meiner Tätigkeit anderen Menschen helfen.»

Erstellt: 21.08.2018, 12:11 Uhr

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