Lichtverschmutzung

Ein Problem, das einleuchtet

Es ist Adventszeit, überall hat es Lichter, und jeder freut sich darüber. Kaum einer denkt daran, dass zu viel Licht auch schlecht sein kann. Ein Vortrag in Glattfelden hat auf das Thema der Lichtverschmutzung aufmerksam gemacht.

Die Weihnachtsbeleuchtung erfreut die Gemüter – jedoch hat sie auch viele Nachteile. (Archiv)

Die Weihnachtsbeleuchtung erfreut die Gemüter – jedoch hat sie auch viele Nachteile. (Archiv) Bild: Leo Wyden

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Der Mensch erzeugt immer mehr Licht. Seit dem Jahr 2005 gibt es in der Schweiz keine natürliche Dunkelheit mehr. In städtischen Gebieten haben sich die Lichtemissionen in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt.

Doch was ist das Problem daran und was kann dagegen unternommen werden? Am Freitag hat im Restaurant Löwen in Glattfelden eine öffentliche Infoveranstaltung zu diesem Thema stattgefunden. Die Botschaft war klar: Die Lichtverschmutzung muss eingedämmt werden.

Schlechter Einfluss auf die Umwelt

Die Verschmutzung hat auf die Umwelt grossen Einfluss. Licht steuert die Ruhe- und Aktivitätsphase sowie auch das Wachstum und die Reproduktion von Lebewesen. Künstliches Licht erhellt die Nacht, verschluckt die Sterne am Nachthimmel und beeinflusst das Ökosystem dadurch negativ.

Vögel, Insekten, Fledermäuse und andere Lebewesen können die Orientierung verlieren, was Erschöpfung, Verletzungen oder den Tod der Tiere zur Folge haben kann.

Gleich viel Strom, mehr Licht

Den Grund für die stetig steigende Lichtverschmutzung sieht der Präsident des Vereins Dark Sky Switzerland Lukas Schuler unter anderem in der Politik. Diese habe das Energiesparen im ­Fokus. Daher setze man vor allem auf Energieeffizienz. Das heisst: je weniger Strom für gleich viel Licht, desto besser.

Überall in Europa steigt man daher zurzeit auf LED-Beleuchtungen um. Die Folgen sind jedoch meist, dass man mit gleich viel Strom mehr Licht produziert. Denn LED-Lampen mit hellerem Licht sind energieeffizienter. Daher sind die meisten Strassen Europas mittlerweile von Lampen mit einer Helligkeit von 4000 Kelvin beleuchtet.

Ausnahme mit Vorzeigecharakter

Das ist nicht überall der Fall. Die Gemeinde Langnau ZH hat beschlossen, nur noch Leuchtmittel zu verwenden, die maximal 3000 Kelvin haben. Diese sind weniger hell und produzieren warmes Licht. Zudem hat Langnau auf intelligente Strassenbeleuchtung umgestellt, die zu Randzeiten auf 10 Prozent der Leuchtkraft gedimmt wird.

Bewegungssensoren erkennen Passanten und erhellen die Lampe, sobald jemand vorbeigeht. Damit wird die Lichtverschmutzung bekämpft, und die Energiekosten werden um einen Viertel verringert.

Da stellt sich jedoch die Frage nach der Sicherheit, die im Empfinden von vielen durch die Beleuchtung in der Nacht gewährleistet wird. Das stimme aber nicht zwingend. Zwar möge das subjektive Empfinden diese These untermauern, denn Licht helfe bei der Orientierung, so der Gemeinde­rat von Langnau, Rolf Schatz.

Er betont allerdings: «Es gibt keine Korrelation zwischen Unfallhäufigkeit und Lichtmenge.» Auch Einbrüche seien statistisch gesehen nicht mit dem Fehlen von Licht in Verbindung zu setzen. Wichtig ist es ihm daher, dass man die Bevölkerung miteinbeziehe und aufkläre.

Lichtmenge um über 30 Prozent gesenkt

Die Weihnachtsbeleuchtung hat Langnau allerdings nicht abgeschafft, im Gegenteil: Sie ersetzt kurzerhand die reguläre Strassenbeleuchtung, und die Bevölkerung reagiere positiv auf die neue Stimmung in der Gemeinde, meint Schatz. Auch der Einkaufspreis der intelligenten Strassenbeleuchtung ist für ihn keine Ausrede.

Er empfiehlt, den Einkauf der Beleuchtung mit anderen Gemein­den zusammenzulegen. Damit können die Stückzahlen erhöht werden, was sich positiv auf die Einkaufspreise auswirke. «Wir bezahlen heute für eine intelligente Leuchte weniger als zuvor für eine dumme», so Schatz. Die Gemeinde Langnau konnte so in den letzten vier Jahren die Lichtmenge in der Nacht um über 30 Prozent senken.

Das globale Problem wäre also durchaus lösbar und wird auf kleiner Ebene bereits erfolgreich angegangen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 02.12.2018, 18:26 Uhr

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