Kloten

Ein Steilpass ans Klotener Stimmvolk

Über 30 Millionen Franken werden benötigt, wenn die Eissportanlagen am Klotener Schluefweg wie gewohnt weiter genutzt werden sollen. Das Stadtparlament hat dem zugestimmt. Nun liegt der Puck beim Volk.

So könnte das neue Eissportzentrum mit überdecktem Eisfeld und Terrasse (vorne) bei der Swiss Arena (hinten) aussehen. Visualisierung: ZVG

So könnte das neue Eissportzentrum mit überdecktem Eisfeld und Terrasse (vorne) bei der Swiss Arena (hinten) aussehen. Visualisierung: ZVG

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Grosse Zahlen dominierten die vergangene Sitzung des Klotener Stadtparlaments. Im grossen Saal des Zentrums Schluefweg standen am Dienstagabend einerseits die Jahresrechnung 2018 und andererseits das bislang kostspieligste öffentliche Bauvorhaben auf der Traktandenliste, über das die «Sportstadt» Kloten je abgestimmt hat.

Dass die Jahresrechnung zum wiederholten Mal mit einem gigantischen Überschuss – diesmal in der Höhe von 24,5 Millionen – abschliesst, hatte mitunter entscheidenden Einfluss auf die Meinungsäusserungen zum 30,7 Millionen Franken teure Bauvorhaben bei der Swiss Arena. Die zum Teil ziemlich marode Eisbahn befindet sich nur wenige Meter vom Ratssaal entfernt. Sie stand während einer knappen Stunde im Zentrum der gemeinderätlichen Debatte.

Leer geschluckt wegen der Summe

Im Voraus war nicht absehbar, dass sich im 32-köpfige Parlament am Ende mit 24 Ja- zu 3 Nein-Stimmen (alle GLP), bei 3 Enthaltungen (die Hälfte der SP-Fraktion) eine so klare Ja-Mehrheit für eine Grossinvestition in die städtische Eissportinfrastruktur bilden würde. Aber da kommt die Finanzlage ins Spiel, was auch der Präsident der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission, Pascal Walt (CVP), mit seinem Votum auf den Punkt brachte. «Wenn nicht jetzt, wann dann?», sagte er vor dem Plenum. Die grosse Summe lasse einen schon leer schlucken, gestand er ein, aber: «Wir können uns das momentan leisten.» Zumal die Problemzonen im Eisstadion im vorliegenden Projekt auch gleich berücksichtigt würden.

So gibt es neue Garderoben, eine bessere Platzierung des Restaurantes, das neu auf die Freibadseite des Stadions verlegt werden soll und einen deutlich effizienteren Betrieb aus energietechnischer Sicht. Denn das Ausseneisfeld soll komplett eingehaust werden, was den Kühlungsaufwand für die Eisherstellung deutlich minimiert und das zweite Eisfeld am Schluefweg auch wetterunabhängig nutzbar macht.

«Lieber einmal richtig, als ein Flickwerk»

Im Grunde muss die Betonplatte des Ausseeisfeldes bis in vier Jahren ersetzt werden, da sie so brüchig ist und Kühlmittel bereits seit geraumer Zeit in die darunterliegende Tiefgarage tropft. Deshalb liess der Stadtrat in den letzten zwei Jahren ein stattliches Ersatzneubauprojekt des Ausseneisfeldes samt Tiefgarage, Restaurantverlegung erweiterten Garderoben für alle Nutzer der Swiss Arena ausarbeiten. Die neuen Umkleideräume samt Duschen sollen dereinst auch der breiten Bevölkerung offenstehen, die sich im nahen Wald, etwa auf dem Vita-Parcours oder der Finnenbahn – sportlich betätigt, wurde im Rat denn auch gepriesen.

Die FDP mit Fraktionssprecher Andreas Keller stellte sich klar hinter das Vorhaben. «Lieber einmal richtig umbauen, als ein Flickwerk machen», lautete seine Erkenntnis. Dennoch meldete er gewisse Bedenken an. So sei zum Beispiel noch zuwenig klar, wieso es ein begehbares Dach für 3000 Personen auf dem künftig überdeckten Ausseneisfeld brauche.

Ins gleiche Horn stiess SVP-Gemeinderat Rico Käser. «Braucht es wirklich noch zusätzliche Eventflächen?», fragte er mit Verweis auf den neuen Stadtplatz, wo es das ja schon gibt in Kloten. «Ich erwarte eine Solaranlage auf dem Dach.» Das Projekt sei in seinen Augen eigentlich zu teuer, aber schliesslich stehe seine Fraktion doch hinter dem Kredit. «Es muss etwas getan werden.» Nächstes Mal wolle man aber früher eingebunden werden, meinte der lokale SVP-Präsident an den Stadtrat, der das Vorhaben geplant hat.

Energiekonzept ist separat in Ausarbeitung

Während die EVP die Pläne toll findet und von einem Mehrwert spricht bezüglich dem begehbaren Dach, sehen die Grünen vor allem noch energetisches Optimierungspotenzial. Sie stimmten «aus demokratischen Gründen» aber dennoch fürs vorliegende Projekt. Die GLP stimmte aus selbigen Gründen letztlich nicht zu. So störte Mats Rieder nebst dem «komischen» Dach und den hohen Kosten – «wir bekommen hier einen Rolls Royce» – auch, dass es noch immer kein Energiekonzept für die gesamten Sportanlagen am Schluefweg gibt.

Philip Graf (SP) gab zu, dass seine Fraktion gespalten sei wegen der hohen Kosten. Aber die marode Anlage draussen sei wirklich nicht mehr zeitgemäss, so mache es auch Sinn das Aussenfeld einzuhausen und mit einem nachträglich noch optimierten Energiekonzept werde die Eisbahn «sehr gut» dastehen.

Die zuständige Stadträtin Regula Kaeser-Stöckli (Grüne) verteidigte das Projekt. «Ein paar Solarpanels wären Kosmetik», da man viel mehr zusammenhängend planen müsse. Man sei auch schon daran ein Gesamtkonzept punkto Energie auszuarbeiten für alle Anlagen vor Ort. Sie sei sicher nicht dagegen mehr zu tun in ökologischer Hinsicht. «Da muss man aber noch etwas Geduld haben», meinte sie gegenüber den Gemeinderäten.

Die Entscheidung liegt nun beim Klotener Stimmvolk. Voraussichtlich im November dieses Jahres soll über das Projekt und den 30,7-Millionen-Kredit an der Urne abgestimmt werden. Falls es eine Mehrheit findet, würde das Vorhaben zwischen März 2021 und September 2022 realisiert.

Erstellt: 03.07.2019, 18:16 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!