Eglisau

Ein stilles Örtchen für 128'000 Franken

Das neue WC am Bahnhof Eglisau ist quasi unzerstörbar. Wer es nutzen nutzen will, braucht aber Kleingeld.

Die gesamte Toilette ist aus Chromstahl. Die Oberfläche ist so abgeschliffen, dass sie einfach gereinigt und runtergewaschen werden kann.

Die gesamte Toilette ist aus Chromstahl. Die Oberfläche ist so abgeschliffen, dass sie einfach gereinigt und runtergewaschen werden kann. Bild: Balz Murer

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Die SBB und die Gemeinde Eglisau haben gemeinsam ein neues WC am Bahnhof Eglisau finanziert. Die bisherigen Toiletten waren in die Jahre gekommen. «Der Geruch liess sich auch mit Reinigen nicht mehr ganz entfernen», sagt Markus Rast, Gesamtprojektleiter bei den SBB.

Urs Trepp, Leiter technische Betriebe Eglisau (links) und Markus Rast, Gesamtprojektleiter bei der SBB, durchtrennten zur feierlichen Einweihung für einmal kein Band, sondern passenderweise Toilettenpapier.

Seit längerer Zeit modernisieren die Bundesbahnen ihre WC-Einrichtungen an den Bahnhöfen, die Toilette in Eglisau ist die 79. ihrer Art. Bereits seit ein paar Jahren war das Projekt Thema, definitiv an die Umsetzung ging es im vergangenen März, nachdem die Finanzierungsfrage geklärt war. Die Kosten für den Unterhalt und die Reinigung übernehmen die SBB, Eglisau zahlt die Hälfte der insgesamt 128000 Franken, welche der neue Abort gekostet hat.

Das klinge im ersten Moment nach viel Geld, insgesamt lohne sich aber die Investition, sagt Peyman Mehdiaraghi, Projektleiter bei der Firma Fierz GmbH, welche die von den SBB eingesetzten Toiletten baut. Die behindertengerechten stillen Örtchen sind nämlich ausgeklügelt konzipiert und quasi unkaputtbar. Der gesamte Innenraum, das Urinal und auch die Schüssel sind aus Chromstahl hergestellt. Der Clou: Die Oberfläche ist so abgeschliffen, dass sich Wasser darauf vernetzt und nach unten in die Bodenwanne fliesst, die unter der gesamten Toilette verbaut ist. Dadurch kann das ganze WC mit Wasser und Reinigungsmittel abgespritzt werden und trocknet dann von alleine. «Chromstahl ist quasi unverwüstlich, die Toilette wird jahrzehntelang halten», sagt Mehdiaraghi.

Auch die Knöpfe für die Bedienung von Wasser und Seife sind gemäss Peyman Mehdiaraghi von der Firma Fierz GmbH wie der Rest der Toilette so verbaut worden, dass sie eigentlich nicht von Vandalen beschädigt werden können.

Ohne Moos nix los

Die Toilette ist auf den Gebrauch im öffentlichen Raum zugeschnitten. Sie wird täglich gereinigt, der Chromstahl, die Sensoren und die Druckknöpfe, um etwa Wasser oder Seife fliessen zu lassen, sind bruchsicher und können kaum beschädigt werden. Ein Beispiel: Auf dem ebenfalls verbauten Wickeltisch könnte man einem 400 Kilogramm schweres Baby die Windeln wechseln.

Die Toilette lässt sich auf Knopfdruck verlassen. Verriegelt wird sie magnetisch. Der Vorteil: Das Magnet funktioniert nur mit Strom. Bei einem Stromunterbruch könnte man die Türe also einfach aufstossen und wäre nicht auf der Toilette gefangen.

Die Benützung des WC kostet einen Franken – und wer kein Bargeld dabei hat, hat Pech gehabt. Die Möglichkeit, mit Kreditkarte oder etwa per Smartphone über Twint oder die App der SBB zu bezahlen, existiert nicht. «Als das Projekt 2012 angelaufen ist, war die Welt noch nicht so digitalisiert», so erklärt es Rast. Und Mehdiaraghi weist darauf hin, dass dabei vor allem das Internet eine Hürde darstellt. Um bargeldlos bezahlen zu können, müsste die 24 Stunden geöffnete Toilette ja irgendwie den Bezahlvorgang übermitteln können. Gemäss Mehdiaraghi lässt sich die Toilette aber problemlos nachrüsten, sobald die logistischen Fragen für das bargeldlose Bezahlen geklärt sind.

Erstellt: 17.10.2019, 17:24 Uhr

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