Gesundheit

Eine Gesundheitskonferenz für 10 Rappen

Die Pflegeversorung ist eine kommunale Aufgabe, die immer mehr Steuergeld, aber auch mehr Personalressourcen und Know How verlangt. Jetzt wollen die Kommunen enger zusammenspannen. Nicht zuletzt, um gegenüber dem Kanton mehr Gewicht zu haben. Das Zauberwort: Gesundheitskonferenz.

Die Pflegeversorgung und insbesodere die Pflegefinanzierung fordert die Gemeinden. Eine neue Gesundheitskonferenz soll nun das fachliche Know-How konzentrieren.

Die Pflegeversorgung und insbesodere die Pflegefinanzierung fordert die Gemeinden. Eine neue Gesundheitskonferenz soll nun das fachliche Know-How konzentrieren. Bild: Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit 2011 gilt das neue kantonale Pflegegesetz. Und seit da sind die Gemeinden für die Betreuung und Versorgung ihrer pflegebedürftigen Einwohner verantworltich, namentlich auch für die entsprechende Finanzierung. Und wo immer seither eine Gemeinderegierung oder eine Verwaltung den Begriff der Pflegefinanzierung in den Mund genommen hat, war damit selten genug ein Frohlocken verbunden.

Tatsächlich ächzen viele vor allem kleinere Gemeinden unter der Belastung – und damit sind nicht einmal nur die stetig steigenden Kosten gemeint. «In den meisten Städten und Gemeinden sind nur wenig fachliche Kapazitäten und nur beschränktes Fach-Know-How zur Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben vorhanden», hält etwa der Gemeinderat von Regensdorf ernüchtert fest.

Ein eigenes Büro

Ab Frühjahr soll alles besser werden: Die Zürcher Gemeinden sollen sich zu einer instututionalisierten, kantonalen Gesundheitskonferenz (Geko) zusmmenfinden. Auf dieses gemeinsame Ziel hatten sich im vergangenen September Vertreter aus 40 Gemeinden im Klotener Zentrum Schluefweg verständigt. «Diese Konferenz ist in erster Linie dazu da, das nötige Know how für Leute aus den Gemeindeverwaltungen zu vernetzen», sagt Klotens Gesundheitsminister Mark Wisskirchen.

Als Vorsitzender der Gesundheitskonferenz Bezirk Bülach, die bereits seit etlichen Jahren existiert, hat er die Federführung für das neue Vorhaben übernommen. «Ein eigenes Büro, eine professionelle Geschäftsstelle, an die sich alle Gemeinden wenden können», nennt er eines der zentralen Anliegen. Als Vorbild fungiert der Gemeindepräsidentenverband (GPV), der selber, nach einer zunächst eher skeptischen Grundhaltung, vollends hinter der Sache stehe.

Einen Vorstand und einen Geschäftsstellenleiter wird es geben, ein Sekretariat und eine Gesundheitsvorsteherkonferenz. Doch um was kann es inhaltlich gehen? Schliesslich wird auch ein Büro mit eigenem Postfach nichts an der Tatsache ändern, dass die Pflegeversorgung in der Verantwortung jedes einzelnen Dorfes liegt. Auslagern wird man die Aufgaben also nicht. «Zunächst geht es darum, sie zu koordinieren», sagt Wisskirchen. Das soll primär das Personal auf den Gemeindeverwaltungen entlasten.

Längerer Hebel für die Dörfer

Gleichzeitig ist die damit verbundene politische Ebene nicht minder wichtig. Ein Austausch über mögliche Strategien. Denn nicht zuletzt soll die neue Geko die Position der einzelnen Gemeinden gegenüber dem Kanton stärken. Während die Gesundheitsdirektion strikte Vorgaben zu Normdefiziten oder Mindeststellenplänen macht und Betriebsbewilligungen an Pflegeinstitutionen erteilt, beteilige sich der Kanton nur marginal an den Kosten, so hält es etwa der Gemeinderat von Oberweningen in seinem Ratsbericht fest. Hier soll die Geko die «Vertretung der Interessen bezüglich der Pflegeversorgung gegenüber dem Kanton und anderen Stakeholdern wie den Krankenversicherungen, den Verbänden oder den Medien» übernehmen.

Auf einer weiteren Ebene schliesst Mark Wisskirchen aber auch nicht aus, dass über die Geko auch ganz konkrete Pflegedienstleistungen und -angebote thematisiert und koordiniert werden könnten; besonders dann, wenn der Bedarf an Pflegebetten langfristig und über die Gemeindegrenzen hinaus geplant werden muss.

Gründung im Frühjahr

Ein Kernteam soll nun einen Statutenentwurf ausarbeiten. In der Arbeitsgruppe vertreten sind Kloten, Opfikon, Bülach, Bassersdorf, Regensdorf und Winterthur. Die Gründungsversammlung soll noch im Frühjahr über die Bühne gehen. Das Kostendach wird bislang mit 290 000 Franken veranschlagt. Davon sollen die jährlichen Personalkosten allein 175 000 Franken ausmachen, der Aufwand für die Infrastruktur beliefe sich auf 45 000 Franken.

Würden sich alle 162 Gemeinden des Kantons am Vorhaben beteiligen, so wären mit 19 Rappen pro Einwohner alle Kosten gedeckt. Zwar wird davon ausgegangen, dass nicht ganz alle Gemeinden von Anfang an mit dabei sein werden, allerdings dürfte das Kostendach auch nicht vom ersten Tag an voll ausgenutzt werden. «Ich kann mir gut vorstellen, dass die Rechnung für die Gemeinden bei weniger als 10 Rappen pro Einwohner liegt», sagt Mark Wisskirchen.

Vorderhand ist man bei der Klotener Verwaltung, wo bislang sämtliche Geko-Fäden zusammenlaufen, noch damit beschäftigt, die verbleibenden 100 Gemeinden, die noch keinen Behördenentscheid mitgeteilt haben, zu einer Mitgliedschaft zu bewegen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.01.2019, 17:00 Uhr

Viele machen mit

Alle Zürcher Gemeindevorstände sind angehalten, dem Kernteam um Kloten, Opfikon, Bülach, Bassersdorf, Regensdorf und Winterthur mitzuteilen, ob ihre Gemeinde der noch zu gründenden Gesundheitskonferenz des Kantons beitreten wird. Bislang sind 90 diesbezügliche Behördenentscheide gefällt worden. Und gemäss dem zuständigen Klotener Stadtrat Mark Wisskirchen sagen davon 39 deutlich Ja zu einem Beitritt, weitere 36 haben mitgeteilt, sie wollten mit ihrem Entscheid noch zuwarten, bis im Frühling dann die Statuten vorliegen, und damit auch der definitive Kostenschlüssel – zu dieser Gruppe gehört unter anderem die Gemeinde Eglisau. Bislang 15 Zürcher Gemeinden hätten sich negativ zu einer Mitgliedschaft in der Gesundheitskonferenz geäussert, sagt Wisskirchen. Allerdings sei auch ein Beitritt zu einem späteren Zeitpunkt immer möglich.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.