Niederweningen

«Eine gewisse Bescheidenheit wahren»

Der Maschinenhersteller Bucher Industries hat im abgelaufenen Geschäftsjahr alle relevanten Kennzahlen markant gesteigert (siehe Kasten). Welche Bedeutung hat die Region für einen multinationalen Konzern überhaupt noch? CEO Jacques Sanche im Interview.

CEO Jacques Sanche schaut auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2017 bei Bucher Industries zurück.

CEO Jacques Sanche schaut auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2017 bei Bucher Industries zurück. Bild: Sibylle Meier (Archiv)

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Jacques Sanche, wir sitzenin Ihrem Büro am Flughafen ­Zürich, nur wenige Meter weiter ist der Circle im Bau. Können Sie sich vorstellen, dort einen Platz für Bucher zu reservieren?
Jacques Sanche: Wir haben diese Option überprüft. Als Industriebetrieb wollen wir aber eine gewisse Bescheidenheit wahren – es würde unserem Ruf nicht gerecht werden, wenn wir uns in noblen Immobilien niederlassen würden. Prahlerei gehört schlicht nicht zu unseren Grundwerten. Vielmehr sind wir auf eine klare Kommunikation unserer Produkte und Werte gegenüber unseren Kundinnen und Kunden bedacht. Deshalb sind wir hier, in unseren Räumlichkeiten am Flughafen, gut bedient.

Welches Image hat Bucher Industries denn in der näheren Umgebung?
Uns ist wichtig, dass wir als solider Zürcher Konzern wahr­genommen werden, und wer uns besser kennt, hat ein positives Bild von uns. Das lässt sich mitunter daran messen, dass einige unserer Mitarbeiter seit Jahrzehnten Teil des Betriebs sind. Gegen aussen ist unser Image von den Aktivitäten in der Schweiz geprägt. Oft werden wir als starker Importeur und Distributor von Landwirtschaftsmaschinen wahrgenommen. Am meisten Präsenz hat der Name Bucher wohl auf der Strasse, da viele Autofahrer an unseren Kehrfahrzeugen vorbeikommen. Ich vermute, dass viele nicht wissen, was Bucher alles darstellt – und dann ist es auf den zweiten Blick überraschend, welche Berührungspunkte sie mit dem Betrieb ­haben.

Schildern Sie in Ihren eigenen Worten, wofür der Name Bucher Industries steht.
Unsere Welt ist die Mechanisierung, also die Arbeit, die von und mit Maschinen erledigt wird. ­Bucher Industries bewegt sich in zwei Bereichen. Die mobile Mechanik ist der eine: Landmaschinen, die vor oder nach einem Traktor eingesetzt werden, sind ein wichtiges Element, wie auch Kommunalfahrzeuge. Weiter gehören Hydraulikkomponenten dazu – denken Sie etwa an Hebeflächen von Lastwagen sowie für grosse Baumaschinen und Traktoren. Das ist die Zusammenfassung der drei wichtigsten Divisionen. Der zweite Bereich umfasst den Anlagenbau vorwiegend für Getränkeherstellung: einerseits Trauben- und Apfelsaftpressen sowie Bierfiltrationsanlagen, mit denen wir uns im internationalen Markt einen Namen gemacht ­haben, andererseits Anlagen für die Herstellung und Prüfungvon Glasbehältern, insbesondere Flaschen.

Das klingt nach einem sehr breiten Sortiment . . .
Wir haben durchaus zusammenhängende Themen, aber ja, die Vielfalt ist gegeben. Wir lassen unsere fünf Divisionen (Kuhn Group, Bucher Municipal, Bucher Hydraulics, Bucher Emhart Glass und Bucher Specials, Anm. d. Red.) ausserdem sehr un­abhängig arbeiten, damit sie so marktnah wie möglich agieren können. Würde sich der Konzern als dominante Mutter mehr einschalten, würde er sie nur ausbremsen.

210 Jahre Geschichte verbinden uns mit der Region. Als Betrieb haben wir unsere Wurzeln im Wehntal, und wir haben ein Bedürfnis, dort präsent zu sein. Jacques Sanche, CEO Bucher Industries

Wie leicht fällt es Ihnen als CEO, den Divisionen diese Autonomie zu gewähren?
Ich habe den Vorteil, dass ich selber in verschiedenen Betrieben klein angefangen habe. So konnte ich sehen, wo die Mutter nützlich sein kann und wo sie unnötig bremst. Mit dieser Erfahrung – und dem nötigen Respekt – versuche ich, die Führung wahrzunehmen. Aber natürlich stehen wir immer in engem Kontakt mit den Divisionsleitern und sind informiert. Sie wissen: Das Operative ist ihre Angelegenheit, da halten wir uns raus, solange die Erwartungen erfüllt werden.

Die Geschichte des Betriebs ­beginnt deutlich kleiner, im Jahr 1807 in Heinrich Buchers Schmiede in Niederweningen. Heute verzeichnet die Holding Standorte auf fast allen Kontinenten: in Europa, Nordamerika, Australien, Russland, China,Malaysia . . . Spielt da die Region Zürcher Unterland überhaupt noch eine Rolle?
Wirtschaftlich gesehen, also im Sinne des Umsatzes und Gewinns, ist der Standort Nieder­weningen tatsächlich einer von vielen. Der Sitz der Holding ist ­jedoch in Niederweningen, Steuern werden dort gezahlt. 210 Jahre Geschichte verbinden uns mit der Region. Als Betrieb haben wir unsere Wurzeln im Wehntal, und wir haben ein Bedürfnis, dort präsent zu sein. Am Standort Niederweningen sind derzeit rund 400 Mitarbeitende tätig, dar­unter 20 Lehrlinge.

Wie sicher sind die Stellen ­dieser Mitarbeitenden?
Man muss anders fragen: Welche sind die sicheren Stellen? Wir stellen fest, dass wir in der Schweiz sehr qualifizierte Mitarbeitende mit einer guten Arbeitsethik haben. Die Entwicklung der Kompaktkehrmaschinen findet hier statt, wie auch der Einkauf. Wenn wir Traktoren für unser Handelsgeschäft in der Schweiz importieren, bereiten unsere Landmaschinentechniker diese für den Schweizer Markt vor – das gibt auch Sicherheit für den Standort. Wir montieren Apfelpress- oder Bierfil­trationsanlagen in Niederweningen. Zwar sind die Automatisierung und nicht zuletzt der starke Franken Themen, die einfachere, manuelle Arbeiten betreffen. Aber besonders erstere Entwicklung kreiert auch wieder neue Stellen für qualifizierte Menschen.

Haben denn kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gegen einen multinationalen Konzern wie Bucher Industries ­überhaupt eine Chance?
Tatsache ist: Technologieunternehmen wie wir, die Erfolg haben wollen, müssen globalisieren. Das ist für einen grossen Konzern einfacher als für kleine Betriebe. Dennoch sehe ich sehr viele erfolgreiche KMU in der Schweiz. Mit einem guten Produkt in einer passenden Nische haben auch kleine Betriebe absolut Chancen.

Jahreszahlen zu publizieren, ­bedeutet immer einen Rückblick für einen Betrieb. Welche ­Visionen haben Sie für Bucher Industries?
Ich denke an zwei Trends, die uns noch länger beschäftigen werden. Der erste Trend sind Sensoren und Konnektivität, die uns erlauben, Informationen aufzunehmen. Dank diesen können Kunden mit unseren Maschinen ihre Aufgaben effizienter wahrnehmen. Nehmen wir nochmals das Beispiel des Kehrfahrzeugs, von dem ich am Anfang gesprochen habe: Mittels Sensoren können unsere Kunden dessen Route evaluieren und optimieren, indem sie etwa bestimmte Strecken öfter oder seltener befahren lassen. Sensoren können auch dabei helfen, in der Landwirtschaft präziser und effizienter zu sprühen, was zu einer geringeren Umweltbelastung führt. Die Elektrifizierung ist ein zweiter Trend, der in diese Richtung geht. Wieder am Beispiel des Kehrfahrzeugs kann ich sagen, dass wir elektrische Versionen herausgegeben haben, die deutlich emis­sionsärmer sind. Das heisst, dass man die Arbeit früher am Morgen beginnen kann und letztlich den Verkehr weniger behindert.

Und international?
Jetzt habe ich von der Techno­logie in der westlichen Welt gesprochen. Die Landwirtschaft in asiatischen Ländern beispielsweise sieht ganz anders aus: Zu grossen Teilen steht sie erst noch vor der Mechanisierung. Diese zu unterstützen, ist einer unser internationalen Fokuspunkte.

(zuonline.ch)

Erstellt: 07.03.2018, 10:38 Uhr

Gewinnsprung und höhere Dividende

Der Maschinenbauer Bucher ­Industries blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurück. Der Hersteller von Landmaschinen, Kehrmaschinen, Schneepflügen oder Fruchtsaftanlagen hat im abgelaufenen Geschäftsjahr alle relevanten Kennzahlen markant gesteigert.

Auf Konzernebene legte der Auftragseingang um 20,3 Prozent auf 2,87 Milliarden Franken zu. Der Umsatz kletterte um 11,2 Prozent auf 2,65 Milliarden Franken. Bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte blieb immer noch ein Plus von 9,4 Prozent. Das Betriebsergebnis auf Stufe Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) schoss gar um 33,7 Prozent auf 226 Millionen Franken in die Höhe. Unter dem Strich blieb ein Konzerngewinn von 168 Millionen Franken, 41,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die guten Zahlen führt Bucher Industries auf eine Erholung in der Landwirtschaft nach drei schwierigen Jahren zurück, vor allem auf gestiegene Preise in der Milch- und Viehwirtschaft. Zudem habe die Erholung der Konjunktur zu höheren Investitionen in Kommunalfahrzeuge geführt.

Die Dividende soll um 30 Prozent auf 6.50 Franken (bisher 5 Franken) je Aktie erhöht werden. Der Aktienkurs von Bucher ­Industries legte bis zum Börsenschluss um 8.20 Franken auf 424 Franken zu.

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