Niederglatt

Eine Hochzeit und ein Todesfall

Intrigen, Schlägereien, ein gescheiterter Mordversuch – im Restaurant Löwen versammelte sich am Samstagabend eine wahrlich ungewöhnliche Hochzeitsgesellschaft.

Mehr als einmal eskalierte die Situation im «Krimidinner» im Restaurant Löwen vor den Augen des Publikums.

Mehr als einmal eskalierte die Situation im «Krimidinner» im Restaurant Löwen vor den Augen des Publikums. Bild: Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sicher, es war alles nur ein Spiel. Gleichwohl beäugte der Hochzeitsgast sein Weinglas an diesem Abend mit einer Portion Misstrauen. Denn noch vor dem garnierten Nüsslisalat war die Köchin zusammengebrochen: Sie hatte von einem vergifteten Cocktail gekostet und erlebte nicht einmal mehr ihre selbst geschaffene Vorspeise. Bestimmt war der «Bloody Mary» aber für den Bräutigam – noch Minuten vor dem gescheiterten Mordversuch hatte die Hochzeitsgesellschaft zum «Hoch sollen sie leben» angestimmt. Wie konnte es so weit kommen?

Foto: Sibylle Meier

Das Schauspiel bot sich 72 Gästen des Theaters Freistil, die am Samstag im Niederglatter Restaurant Löwen dinierten. Das von der Kultur- und Dorfkommission (Kudoku) angebotene «Krimidinner» hätte deutlich mehr Interessierte angezogen. «Dabei wissen wir selber nicht, was hier auf uns zukommt», sagte Erwin Furrer zu Beginn. Denn ab dem ersten Auftritt des Brautpaars eröffnete sich dem Publikum ein Abenteuer voller Intrigen, Missverständnissen, Sehn- und Eifersucht.

Mehr als nur ein Feind

Auf der einen Seite war da das Brautpaar: der genauso reiche wie jähzornige Thomas (Sebastian Menges) und seine Geliebte Sandra (Giulia Arteman), die sich von der beliebtesten Stripperin zur Sekretärin ihres Zukünftigen gemausert hatte. Beide brachten Altlasten in die Beziehung: Thomas hatte geerbt, nachdem seine Eltern bei einem Autounfall – war es wirklich ein Unfall? – ums Leben gekommen waren. Nicht selten wurde er an seinem eigenen Hochzeitsfest handgreiflich, und dieser Impulsivität war es wohl zu verdanken, dass er sich in seinem Leben mehr als einen Feind gemacht haben muss. Sandra hingegen war adoptiert und hatte bereits sechs Ehegatten überlebt, die meisten mit einem sehr dicken Portemonnaie. «Von diesem Geld habe ich nie etwas gesehen», bekräftigte sie aber, «ich habe mir jeden Cent selber verdient.» – «Sie als Mörderin? Das wäre zu einfach», mutmasste eine Zuschauerin noch während des Spiels.

Foto: Sibylle Meier

Auf der anderen Seite: Pfarrer Weber und Andreas (beide gespielt von Achim Freund), der ungeliebte, da zweifellos rebellische Bruder des Bräutigams. Beide hätten Grund genug, Thomas aus dem Weg zu räumen – einmal aus Missgunst, einmal aus Liebe. Die Situation eskaliert einmal so, dass der (echte) Gemeindepräsident Stefan Schmid eine Schlägerei auseinandertreiben musste.

Jubel für den Flamencotanz

Auch wenn den Gästen schauspielerisch nur wenig abverlangt wurde: Eine Rolle spielte jede und jeder, sei es als Familienmitglied, Mitarbeitende oder als Golfclubmitglied. Einige gingen darin regelrecht auf und sorgten im Publikum für zusätzlichen Jubel. Etwa ein Herr, der sein Können als fiktiver Flamencolehrer demonstrieren sollte; oder ein anderer, der kurzerhand zum Onkel Roland ernannt wurde und in dieser Rolle kräftig mitkommentierte.

«Cool gemacht war das ‹Krimidinner› sowieso», meinte ein anderer, «aber ich war froh, dass es für mich beim Zuschauen blieb.» Die Standing Ovation bekräftigte, was schon während der drei Stunden Spielzeit im Raum stand: Allen gefiel das Stück, das Mitraten – und wohl auch die Erfahrung, die Schauspielerin und die Schauspieler nicht aus der Distanz auf einer Bühne zu beobachten, sondern sie neben sich zu spüren, mit ihnen anzustossen und das Geschehen mit Ausrufen und Gelächter zu begleiten.

Die Theatergruppe Freistil gastiert mit unterschiedlichen Stücken auch im Glattfelder Hotel Riverside. Die Spieldaten finden Sie hier.

Erstellt: 08.12.2019, 14:26 Uhr

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!