Kloten

Eine jede spielt die Rolle ihres Lebens

Was die über 300 Zuschauer am letzten Samstagabend bei «Kloten packt aus» im Schluefweg sahen, war wörtlich ein Einblick in die Bevölkerung der Flughafenstadt: realistisch und lebensnah.

Die Klotenerinnen und Klotener präsentierten sich im Schluefweg in allen Facetten im Scheinwerferlicht.

Die Klotenerinnen und Klotener präsentierten sich im Schluefweg in allen Facetten im Scheinwerferlicht. Bild: Sibylle Meier

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«Das ist Kloten, das Tor zur Welt», lautete am Samstag dieBegrüssung im ausverkauften Stadtsaal Schluefweg. Alle 100 Frauen, Kinder und Männer auf der als Flughafen dargestellten Bühne waren nämlich Bewohner von Kloten, spielten sich selber mit eigenem Vornamen und zeigten damit die Vielfalt der Stadt in ihren Erlebnissen, Kulturen und Wurzeln, von jung bis älter, Neuzuzüger oder Ur-Klotener.

Das interaktive Theater «Kloten packt aus» unter der Regie von Janina Offner ist durch den gleichnamigen, speziell für dieses Projekt gegründeten Verein mit der Unterstützung der Stadt entstanden. Noch ist er diese Woche dreimal zu sehen.

Ein lebendiger Querschnitt

Der Spiegel wurde vorgehalten durch viele Fragen, die die Schauspieler von Anigna gestellt bekamen und die diese in Gruppenbildungen bei einer grossen weissen Ich-Figur beantworteten. Von «Wer fühlt sich einsam?» über «Wer tanzt gern?» bis zu intimeren Geständnissen, die bei ausgelöschtem Licht gestellt und mit leuchtenden Taschenlampen beantwortet wurden, bei Fragen wie «Wer hat schon mal betrogen?».

«Wer hat schon einmal betrogen?»Eine der Fragen aus dem interaktiven Theater

Der interaktive Teil des Theaters kam, als das Publikum dazu aufgefordert wurde, bei der Beantwortung der Fragen mitzumachen – also für ein «Ich» aufzustehen, was es gut gelaunt und gerne tat. Es zeigte sich, dass kaum Raucher im Publikum waren, alle schon am Meer Ferien gemacht haben, ein Grossteil betet und nicht wenige den Geruch von Kerosin mögen.

Wahre Geschichten

Zwischen den Fragen tauchten immer wieder Geschichten aus dem Leben der Erzähler auf. Marcus erzählte von seinen Erfahrungen als Teamleiter im Flug­hafengefängnis, Manuela, ein selbsterklärtes «unruhiges Pflaster», joggte immer wieder über die Bühne und schwelgte in ihren Erfolgen als Marathonläuferin. Mohammad, ein Geschichtslehrer und Flüchtling aus Afghanistan, sprach darüber, wie sehr er sich eine Lehre als Pfleger wünsche, Zauberer Mario zauberte aus seinem Hut, Maria tanzte mexikanische Folklore, Teenager Krister träumte von einer Eishockeykarriere und einem Studium in Vancouver.

Regisseurin Janina Offner, die in Kloten aufgewachsen ist, war von der Idee des Vereins sofort angetan. «Dokumentartheater ist eine von meinen Lieblingsformen von Theater. Die Geschichten wurden uns von den Teilnehmern zugeschickt und die Dramaturgin Maja Bagat und ich haben daraus mit den Fragen einen dramaturgischen Bogen über das Ganze gelegt.»

Den Spass am Projekt sah man den Teilnehmern nicht nur an, sie schwärmten von ihrer Arbeit nach der Premierenaufführung. Maria Fehr stammt aus Mexiko und zog vor zwei Jahren in die Schweiz nach Kloten. «Ich fand es eine gute Idee für mich, viele Leute kennen zu lernen.» Der einzige Ur-Klotener, der in Kloten geboren wurde («Es war eine Hausgeburt, darum»), Kurt Fischer, war begeistert von seinen Erfahrungen und der Stimmung. «Wir haben es zu dem wunderschönen Bild gebracht, das man heute sehen kann.»

OK-Mitglied Lilian Navia erinnerte sich, dass die Suche nach den Freiwilligen auch eine Herausforderung war, denn am Anfang seien viele noch zurückhaltend gewesen. «Jeder fragte in seiner Umgebung an, es war in der Zeitung, die Leute meldeten sich und wir mussten am Schluss nicht auswählen, denn jeder ist wichtig mit seiner Persönlichkeit, die man unverfälscht spielt, und das ist das Schöne daran.»


Tickets und Daten unter www.kloten-packt-aus.ch. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 21.05.2018, 17:23 Uhr

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