Bülach

«Eine konstante Überlastung macht krank»

Alzheimer Zürich bietet neu in Bülach jeden Monat einen Treffpunkt für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an. Beim zweiten Alzheimer-Café ging es um das Thema Entlastung.

Organisatorin Astrid Hartmann spielt beim Bülacher Alzheimer auf der Veeh-Harfe.

Organisatorin Astrid Hartmann spielt beim Bülacher Alzheimer auf der Veeh-Harfe. Bild: Johanna Bossart

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«Meine Mutter hat sich schon mehrmals verirrt», sagt eine der anwesenden Frauen. «Mein Mann leidet seit fünf Jahren an Alzheimer», eine andere. Eine dritte Teilnehmerin hat zwar selber niemanden in der Familie, der erkrankt ist, will sich aber über das Thema informieren.

Später kommt eine Rotkreuzhelferin hinzu, die beruflich mit Menschen mit Demenz zu tun hat. Sie berichtet aus ihrem Alltag und von den Herausforderungen im Umgang mit betroffenen Patienten. Innert kurzer Zeit entsteht ein reger Austausch, die Besucherinnen sprechen offen über ihre Erfahrungen, Sorgen und Ängste.

Öffentlichkeit gesucht

Die Gespräche rund um die Volkskrankheit Demenz finden an einem Dienstagnachmittag im Bistro Storchen in der Bülacher Altstadt statt. «Wir treffen uns ganz bewusst an einem öffentlichen Ort und nicht in einem Altersheim oder einem Kirchgemeindehaus», erklärt Astrid Hartmann, freiwillige Helferin bei der Organisation Alzheimer Zürich und Leiterin des Bülacher Alzheimer-Cafés, «denn wir möchten diese Menschen in den Alltag integrieren.»

Viele Menschen, deren Ehepartner an Demenz erkrankt sind, würden sich nicht mehr getrauen, gemeinsam irgendwo hin zu gehen. Denn oftmals entwickeln die betroffenen Menschen ein herausforderndes Verhalten und ecken damit in der Gesellschaft an.

Entlastung ist nötig

Vier Personen nehmen am zweiten Alzheimer-Café Bülach teil. Zu Beginn der Veranstaltung spricht Bea Gfeller von der Organisation Alzheimer Zürich darüber, wie wichtig es ist, dass betreuende Angehörige für Entlastung besort sind . «Je mehr die Krankheit fortschreitet, desto mehr nimmt die Belastung zu», weiss sie. Deshalb gehe es nicht ohne Pausen. «Eine konstante Überlastung macht krank», warnt Gfeller.

In der Schweiz leben rund 151000 Menschen mit der Diagnose Demenz, im Kanton Zürich sind es rund 25000. Bei der Demenz handelt es sich um eine Erkrankung des Gehirns mit fortschreitendem Gedächtnisverlust. Eine Behandlung gibt es bis heute nicht. Die meisten Betroffenen leben zu Hause und werden von ihren Partnern oder Kindern betreut. Dennoch müssen die Familien die Entlastung selber finanzieren.

«Je mehr die Krankheit fortschreitet, desto mehr nimmt die Belastung zu.»Bea Gfeller

«Ein unerfreuliches Kapitel», meint Gfeller dazu. Alzheimer Zürich bietet einen eigenen Entlastungsdienst an sowie zweimal jährlich eine Ferienwoche für Betroffene und ihre Angehörigen. Daneben gibt es die Angebote des Vereins Entlastungsdienst Schweiz sowie von privaten Firmen. Auch Nachbarn oder die eigenen Kinder oder Enkelkinder kommen für eine temporäre Ablösung zu Hause in Frage. »Wichtig ist einfach, diese Hilfe anzunehmen», rät Gfeller.

Musik und Gespräche

Nebst einem Inputreferat gehört zum Alzheimer-Café stets eine Einlage mit Live-Musik. Diesmal sorgt Leiterin Astrid Hartmann gleich selber für die musikalische Untermalung. Das Stück «Die Moldau», welches sie auf ihrer Veeh-Harfe spielt, wird mit Applaus quittiert. Anschliessend bleibt Zeit für Gespräche. Auch Gesellschaftsspiele hat Astrid Hartmann mitgebracht. Es sei aber auch möglich, dass jemand einfach da sitze und beispielsweise ein Buchstabenrätsel löse.

Ursprünglich stammt die Idee der Alzheimer-Cafés aus Holland. Im Kanton Zürich gibt sie auch in Schlieren und Affoltern. Weitere Standorte könnten noch hinzukommen. In Bülach finden die Treffen immer am ersten Dienstag im Monat von 14 bis 16.30 Uhr im Bistro Storchen statt. Nur im August ist Sommerpause.

Für das nächste Alzheimer-Café vom 3. September wurde die Stadtpolizei Bülach für das Eingangsreferat eingeladen.

Erstellt: 10.07.2019, 17:00 Uhr

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