Rümlang

Eine neue Adresse für Flora- und Fauna

Der Geisschropf, ein bis vor zwei Jahren überwachsenes Feuchtgebiet beim Bahndamm, von Neophyten überwuchert und ohne grosse Fauna und Floravielfalt, ist heute nicht wiederzuerkennen. Dies ist dank einer zweijährigen Aufwertung.

Im Geisschropf entstanden aus der zugewachsenen Sumpffläche offene Feuchtzonen.

Im Geisschropf entstanden aus der zugewachsenen Sumpffläche offene Feuchtzonen. Bild: Paco Carrascosa

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Geht man vom Parkplatz der katholischen Kirche den Feldern entlang zur Truthahnfabrik und biegt hinter dieser direkt nach links, kommt man an ein sich auf 6000 Quadratmeter erstreckendes Biotop, das durch seine neue Vielfalt besticht; den Geisschropf. Zwei grössere und zwei kleinere Weiher sind nun zu sehen, eine Ruderalfläche, die zu diesen hinunterführt, eine Blumenwiese, Holz- und Steinhaufen für Reptilien.

Offene Feuchtzonen für Nachwuchs

Wenn man Glück hat, kann man schon neue Bewohner vorfinden. In den Weihern wurden schon Kaulquappen der Erdkröte gesichtet, verschiedene Libellen, die Zauneidechse zeigte sich bei den Steinhaufen.

Die Kommission Naturförderung Rümlang und der Verein Natur und Umwelt Rümlang (NUR) haben 2016 das Projekt der ökologischen Aufwertung des Geisschropf übernommen. Das Resultat der abgeschlossenen Hauptarbeiten verdienten eine Einweihungsfeier. Und so trafen sich letzten Samstag knapp 30 Naturfans an der grünen Oase, wo die Biologin und Begleiterin des Projekts, Katrin Luder, und Walter Weber vom NUR das Ökosystem vorstellten.

Dank der Projekt-Finanzierung durch das Elektrizitätswerk des Kantons Zürich EKZ konnten im Winter 2016 die Arbeiten angegangen werden. In einer ersten Etappe umfassten diese die Ausholzung der völlig zugewachsenen grünen Fläche. «Es war sumpfig, man hat keine Wasseroberfläche gesehen. Das Wasser, das aus der Umgebung hinunterfloss, versickerte und verschwand unter der Erde», meinte Luder. Durch Baggerarbeiten konnten die Weiher entstehen. «Das Wasser ist schon während der Arbeiten angestiegen.»

Ein kleiner Damm hält das Grundwasser in den Weihern konstant. Vögel und andere Tiere haben nun Trink- und Ruhemöglichkeiten, ein Gartenrotschwanz habe sich schon gezeigt, sagte Luder. Eine ganze Reihe von Tieren profitiere von solchen Feuchtzonen; die Erdkröte, die Plattbauch-Libelle oder der Bergmolch brauchten die Weiher, um ihre Eier zu legen, Pflanzen wie der Froschlöffel, die Sibirische Schwertlilie und der Igelkolben könnten gedeihen.

Vielfalt auf jedem Fleck

Eine weitere wichtige Massnahme war die Vorbereitung der zukünftigen Wiesenfläche. Das Abtragen der nährstoffreichen Schicht des Bodens bereitete die Grundlage für eine artenreiche Wiese. «Je nährstoffarmer der Boden ist, desto mehr Pflanzenarten haben eine Chance zum Wachstum.» Ansonsten seien Grass und Klee zu dominant. Mit einer Saatmischung aus stammortgerechten Arten wurde so eine Blumenwiese angesät – je farbenreicher, umso artenreicher; Wiesen-Salbei, Berg-Aster, Hasenklee, Betonie, Glockenblume sind nur einige der Beispiele für die neue Flora, die wiederum verschiedene Tierarten anlocken wird.

Der Schwalbenschwanz-Schmetterling beispielweise legt seine Eier an der die Wilde Möhre ab. Auch die Seidenbiene, die Lauchschrecke, die Krabbenspinne, Trockenschnecken oder die Goldammer sollen dadurch das Habitat für sich entdecken. Für den Herbst geplant ist zudem ist Anpflanzung von einheimischen Straucharten wie das Pfaffenhütchen, der Kreuz- und Schwarzdorn, viele Falter und Vögel werden durch die Nahrung angelockt. Brennesseln sollen zudem zur Vermehrung des Falters Kleiner Fuchs führen.

Im neuen Biotop sind die Bewohner bereits eingezogen, so auch die Gebänderte Prachtlibelle.

Die Neophytenbekämpfung war ein geduldfordernder Teil der Arbeiten. Riesenbärenklau, Essigbaum oder die Goldruten mussten weg. Besonders aggressiv war die Robinie. Diese konnten nicht einfach gefällt werden, da es sonst im ganzen Gebiet Ausschläge aus den Wurzeln gegeben hätte, sondern mussten geringelt und anschliessend lokal mit Gift behandelt werden.

«Bei der Neophytenbekämpfung geht es oft nicht ohne Gift. Durch einen sorgfältigen Umgang kann die negative Auswirkung auf die Natur aber aufs Minimum reduziert werden» erklärte Luder. Das Totholz werde nicht abtransportiert, sondern für Holzbiegen und Unterschlupfe genutzt, denn bei einem sich immer weiter entwickelnden Biotop seien die Wachstumsmöglichkeiten immens. «Man kann aus fast allem etwas ökologisch Sinnvolles machen.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 09.07.2018, 17:07 Uhr

Biologin Katrin Luder stellte zusammen mit Mitgliedern des Vereins Natur und Umwelt Rümlang (Hansruedi Schudel) das Projekt vor. (Bild: Paco Carascosa)

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