Niederweningen

«Einen Kulturwandel hatte ich nie im Sinn»

Jacques Sanche trat vor einem Jahr die Nachfolge von Philip Mosimann als CEO von Bucher Industries an. Im Interview spricht Sanche über nötige Neuausrichtungen, grosse Abhängigkeiten, wichtigem Teamwork und über das nach wie vor wertvolle Verhältnis mit seinem Vorgänger.

CEO Jacques Sanche schaute an seiner ersten Jahresbilanz-Präsentation trotz erneut tieferen Zahlen optimistisch in die Zukunft.

CEO Jacques Sanche schaute an seiner ersten Jahresbilanz-Präsentation trotz erneut tieferen Zahlen optimistisch in die Zukunft. Bild: Francisco Carrascosa

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Jacques Sanche, Sie haben das erste Jahr als CEO von Bucher Industries hinter sich. Abgesehen vom Jahresergebnis, wie fühlen Sie sich in ihrer Tätigkeit?
Jacques Sanche: Ich fühle mich sehr wohl. Bei einem Unternehmen wie Bucher Industries gilt es, viele Aktivitäten unter einen Hut bringen. Diese durfte ich einerseits kennenlernen, andererseits mussten in zwei Divisionen gleich wichtige Entscheidungen gefällt werden. Das macht eine Aufgabe wie die meine intellektuell interessant. Ich hatte natürlich das Glück, dass ich im Vorfeld sehr gut eingearbeitet wurde und mit einem Team wirken kann, dass bestens eingespielt ist und mich als neuen Geschäftsführer von Beginn weg akzeptiert hat.

Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger Philip Mosimann?

Die Wirkung eines neuen CEO in einer Unternehmung wird allgemein überschätzt. Viel wichtiger sind die Angestellten, die vorher schon im Betrieb gearbeitet haben und wissen, wie der Karren läuft. Ohne ein funktionierendes Team geht gar nichts. Einen Kulturwandel hatte ich nie im Sinn. Bucher Industries verfügt über gesunde Strukturen, die auf sich ständig bewegende Absatzmärkte reagieren müssen. Was ich einbringen kann und will, sind meine Erfahrungen um Bestehendes zu verbessern oder Innovationen aufzugleisen, beides mit dem Ziel, Wachstum für das Unternehmen zu generieren. Eines meiner Anliegen ist die vermehrte Digitalisierung unserer Angebote. In der Landwirtschafts-Sparte zum Beispiel setzen wir auf eine neue Cloud-Lösung, den DKE Data-Hub, um Kunden den Datenaustauch zwischen Maschinen und Software-Produkten zu erleichtern. In der Division Bucher Municipal haben wir ein elektrisches Kehrfahrzeug entwickelt, diese Technologie wird immer wichtiger, bei Bucher Hydraulics ein intelligentes Ventil, das sich in Aufzügen selbst einstellt und auf das vom Büro aus zugegriffen werden kann. Und mich freut natürlich, dass wir 2016 mit dem Kauf von JHL (Dänemark) und ParkMor (Australien) zwei wichtige Akquisitionen tätigen konnten.Letzte Woche verbreiteten die Medien die Nachricht, der Schweizer Wirtschaft gehe es eigentlich gut. Diverse Grossunternehmen vermelden Rekordergebnisse. Als CEO eines global tätigen Unternehmens sehen Sie das wohl ein wenig anders...?

Nicht generell, nein. Ich finde aber, dass man die Wirtschaft nicht auf einen einzigen Nenner bringen kann. Bucher Industries zum Beispiel ist mit seiner grössten Division, der Kuhn Group, völlig abhängig von der Entwicklung auf den globalen landwirtschaftlichen Absatzmärkten. Wenn diese wie aktuell schwach reagieren, dann fällt dies automatisch auf den Verkäufer zurück. Ich will aber nicht um den heissen Brei reden. Wir haben im letzten Geschäftsjahr vier Prozent Umsatz eingebüsst und müssen wieder aufholen. Zuerst müssen wir wieder mehr Gewinn erzielen, dann können wir auch den Umsatz wieder steigern. 2016 war auch das Jahr der politischen Veränderungen, in der Türkei, Brexit, US-Wahlen mit Trump. Die Wahlen in Deutschland und Frankreich stehen erst noch an. Wie beurteilen Sie das politische Weltklima aus wirtschaftlicher Sicht?

Wenn ein Präsident wie Donald Trump einen seiner Tweets absetzt, so führt dies zwar zu politischem Wirbel, aber bis daraus eine mögliche Gesetzgebung resultiert, dauert es meistens lange und ist deshalb für die Wirtschaft nicht primär relevant. Als Unternehmen müssen wir schnell auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren können. 92 Prozent unserer Mitarbeitenden arbeiten im Ausland, in der Schweiz erarbeiten wir nur noch 4 Prozent des Umsatzes. Deshalb ist es gut, wenn eine Firma wie Bucher Industries in der Angebotspalette breit aufgestellt ist, um mehrere Möglichkeiten zur Reaktion zu haben. Natürlich verfolgen wir die politischen Entwicklungen, vor allem in Ländern mit Hauptabsatzmärkten wie Frankreich, Deutschland, den USA oder Brasilien. Im Vordergrund stehen aber nicht zu wählende Personen, sondern ob diese Länder zum Beispiel Massnahmen treffen, die den Agrarsektor unterstützen.Nach Rekordjahren muss Bucher Industries sinkende Umsätze und Gewinne verkraften. Sie scheinen aber, was die Zahlen angeht, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Warum?

Einen Zyklus in der Agrarwirtschaft vorauszusagen ist immer schwierig. Ich glaube aber, dass die Talsohle auf den Hauptabsatzmärkten in diesem Bereich erreicht ist. Da sich alle anderen Bucher-Divisionen stabil präsentieren, erwarten wir für das laufende Jahr bessere Gewinnmargen und eine leichte Umsatzsteigerung.Ihr Vorgänger Philip Mosimann ist jetzt Verwaltungsratspräsident von Bucher Industries. Wie fest mischt er sich noch in Ihre Arbeit ein?

Überhaupt nicht. Die Rollen sind seit der letzten Generalversammlung klar verteilt. Und Philip Mosimann lässt mich meine Funktion wahrnehmen. Wenn schon bin ich es, der das Gespräch mit ihm sucht. Ich empfinde es im Gegenteil als sehr angenehm, dass ich nach wie vor auf seinen Rat und seine Erfahrung zählen kann. Ich kann mit Philip Mosimann komplexe Situationen komplementär diskutieren – mit oder ohne Termin.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 07.03.2017, 17:48 Uhr

GESCHÄFTSJAHR 2016

Der Maschinenbauer Bucher Industries hat im Geschäftsjahr 2016 deutlich weniger Gewinn erzielt. Der Reingewinn brach um über 15 Prozent auf noch 118 Millionen Franken ein. Zu schaffen machte dem Konzern insbesondere die sinkende Nachfrage nach Landmaschinen. Der Umsatz von 2,38 Milliarden Franken unterschritt den Vorjahreswert auch dank Akquisitionen lediglich um 4 Prozent. Das Betriebsergebnis Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) sank um 18 Prozent auf 169 Millionen Franken. Aufgrund der Zahlen kürzt Bucher die Dividende um 50 Rappen auf 5 Franken pro Aktie. Der Aktienkurs pendelte sich gestern bei 286 Franken ein.
Für CEO Jacques Sanchewar es das erste Mal, das er die Zahlen des Niederweninger Machinenkonzerns präsentierte. gleiches galt für Finanzchefin Christina Johansson. Von den beiden war zu vernehmen, dass vor allem die grösste Sparte Landmaschinen, die Kuhn Group, verantwortlich für den klaren Gewinnrückgang war. In dieser Division sanken der Auftragseingang um 7 Prozent und der Umsatz gar um 13 Prozent auf 930 Millionen Franken. Der Markt für Landtechnik sei 2016 von der seit Jahren längsten und härtesten globalen Krise betroffen gewesen. Zusätzlich hätten auch bei den Kommunalfahrzeugen im europäischen Markt grössere Ausschreibungen gefehlt. Stabil bis verbessert fällt die Jahresbilanz in den anderen Segmenten Bucher Municipal, Bucher Hydraulics, Emhart Glass und Bucher Specials aus.
Für 2017 rechnet CEO Jacques Sanche mit einer leichten Umsatzsteigerung und einer verbesserten Betriebsgewinnmarge. Dies, weil man bei der Kuhn Group von tiefen, aber stabilen Preisen für Ackerbauerzeugnisse ausgeht. sda

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