Bülach

Einige Bewerber stehen neben ihrer Partei

Smartmap vergleicht die Positionen der Kandidierenden für den Bülacher Stadtrat mit jenen ihrer Parteikollegen für den Gemeinderat. Die Ergebnisse überraschen nicht zuletzt im Fall der SVP, sind aber mit Vorsicht zu geniessen.

Im Saal des Hotels zum Goldenen Kopf trafen sich die Kandidatinnen und Kandidaten zum Podium (im Bild von links nach rechts: Domique Lauber, Andrea Spycher, Andreas Buehrer, Hanspeter Lienhart)

Im Saal des Hotels zum Goldenen Kopf trafen sich die Kandidatinnen und Kandidaten zum Podium (im Bild von links nach rechts: Domique Lauber, Andrea Spycher, Andreas Buehrer, Hanspeter Lienhart) Bild: Sibylle Meier

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Die SVP schickt drei Kandidierende ins Rennen um einen Bülacher Stadtratssitz. Keiner von ihnen politisiert voll auf der Linie der Parteikollegen, die für den Gemeinderat antreten. Diesen Schluss legt zumindest die Smartmap nahe, die ihm Rahmen von Smartvote (der «ZU» berichtete) heuer erstmals für die Bülacher Wahlen erstellt wurde. Die Smartmap analysiert die Antworten von 88 der 134 Bülacher Gemeinderatskandidaten (66 Prozent) auf 41 Fragen (siehe Kasten). Daraus wird eine politische Landkarte erstellt, auf der die Parteien als Ellipse und Stadtratskandidierende als Punkte dargestellt sind.

Andrea Spycher: rechts und konservativ

Gemäss Auswertung steht die neu antretende Andrea Spycher (SVP) für Positionen ein, die rechter und konservativer sind als jene der SVP-Parteimehrheit. Das macht sie gleichzeitig zur «rechtskonservativsten» Kandidatin überhaupt. Von diesem Resultat sei sie nicht überrascht, sagt Spycher: «Es bestätigt meine politische Grundhaltung.»

Die Kandidatin findet es aber gefährlich, dass der Bürger nun mit wenigen Klicks, den «geeigneten» Kandidaten zu finden glaubt. Denn bei einigen Fragen habe sie sich festlegen müssen, obwohl gerade bei lokalen Themen, so zum Beispiel bei der Stärkung Achse Untertor bis Bahnhof, vieles noch offen sei: «Ich finde deshalb, der Bürger hat die Pflicht, sich konkret mit den einzelnen Kandidaten zu befassen, bevor er eine Stimme abgibt.» Spycher hofft, dass sie am 15. April vor allem aufgrund ihrer Haltung, ihres langjährigen Einsatzes und ihrer Person in den Stadtrat gewählt wird: «Ein Stadtratskandidat darf nicht nur auf die Smartmap reduziert werden.»

Smartmap: Positionen auf der Politlandkarte

Ihr ehemaliger Parteikollege und amtierende Stadtrat Rudolf Menzi (parteilos) ist im vergangenen Sommer aus der SVP ausgetreten. Und tatsächlich: Auch auf der Smartmap hat er sich deutlich von der SVP entfernt. Er ist weiter links und liberaler eingeordnet. Müsste sich Menzi eine neue Partei-Heimat suchen: Gemäss Smartplan würde sich die GLP anbieten.

Die meisten ordnen sich ein

«Diese Richtung stimmt tendenziell», bestätigt Menzi. Von seiner Herkunft und seinem Leben sei er sehr stark mit der Natur verbunden. In der politischen Arbeit habe er noch nie extreme Positionen eingenommen. Er stehe ein für sachliche und umweltverträgliche Lösungen und Konzepte: «Daher überrascht mich dieses Bild nicht.» Für Menzi ist Smartmap eine Einordnungshilfe: «Diese kann für Wählerinnen und Wähler sicherlich hilfreich sein.»

Linker und liberaler positioniert als seine Partei ist auch Walter Baur (SVP). Cornel Broder liegt am rechten Rand der SVP. Neben den SVP-Kandidierenden ist nur noch Dominique Lauber (GLP) etwas entfernt von den Positionen seiner Parteikollegen. Alle anderen liegen innerhalb der entsprechenden Ellipse.

Keine Überraschung bei den Parteien

Bei den Parteien entspricht die Grösse der Ellipsen den Abweichungen innerhalb der Partei, sowohl im Links-Rechts-Schema als auch entlang der Achse «liberal-konservativ». Smartmap zeigt beispielsweise, dass sich BSB-Kandidierenden vor allem in liberalen Fragestellungen unterscheiden. Deshalb ist ist diese Ellipse «stehend». Die Kandidierenden der SVP tendieren zu einem rechten und einem linken Flügel, was die Ellipse in die Breite drückt. Beachten muss man jedoch: Mitte und Ränder der Karte sind zeigen keine absoluten Werte, sondern sind ein Abbild der Ansichten der 88 befragten Bülacher Kandidierenden.

«Die politische Landkarte in Bülach entspricht im Grossen und Ganzen dem Erwartbaren», sagt Daniel Schwarz von Smartvote. Die Parteien stünden dort, wo sie bei anderen Wahlen in anderen Städten oder Kantonen ebenfalls positioniert seien. Auch, dass die Bisherigen Mark Eberli (EVP), Hanspeter Lienhard (SP) und Walter Baur (SVP) im Vergleich zu ihrer Partei eher zur Bülacher Mitte tendieren, überrascht Schwarz nicht.

«Das lässt sich mit ihrer Rolle begründen», erklärt Daniel Schwarz. Im Stadtrat gehe es weniger darum, reine Parteipositionen zu vertreten, sondern als Teil einer funktionierenden Exekutive aufzutreten. «Auch das Kollegialitätsprinzip trägt dazu bei, dass man mit allzu pointierten Forderungen eherzurückhaltend ist.» Und er fügt an: «Es ist anzunehmen, dass sich auch die Neugewählten mit der Zeit etwas ‹einmitten› werden.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 26.03.2018, 18:00 Uhr

Die Auswertung

Die 41 Smartvote-Fragen tragen unterschiedlich zur Definition der Achsen bei. Die erste Dimension (links-rechts) ist beispielsweise stark geprägt von der Haltung zu Asylfürsorge statt Sozialhilfe, zu zusätzlichen Sparmassnahmen im Bülacher Budget sowie zur Erhöhung des Parkplatzangebots in Bülach.

Auf der zweiten Dimension (konservativ-liberal) spielen beispielsweise die Fragen nach der Umwandlung des Spitals Bülach in eine AG, der Senkung der Zollfreigrenze zur Eindämmung des Einkaufstourismus und die Einführung des Tagesschulmodells in Bülach eine Rolle.

Die Benennung der beiden Achsen erfolgt erst nachträglich. Die Dimension «links-rechts» ist sehr viel klarer definiert und weist eine grössere Relevanz auf als die zweite Dimension «konservativ-liberal». dsh

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