Freienstein-Teufen

Einwohner ärgern sich über Töfflärm

Junge Männer mit lauten Motorrädern rauben Einwohnern von Freienstein-Teufen den letzten Nerv. Der Gemeinderat ruft dazu auf, die Polizei zu benachrichtigen. Doch deren Möglichkeiten sind begrenzt.

Manipulationen am Auspuff steigern den Krach – für Töffliebhaber Musik in den Ohren.

Manipulationen am Auspuff steigern den Krach – für Töffliebhaber Musik in den Ohren. Bild: Sibylle Meier

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Für manche Jugendliche bedeutet ihr Motorrad Freiheit und Vergnügen: Sie präsentieren sich auf ihren prächtigen Maschinen und machen mit vernehmlichem Brummen und Heulen auf sich aufmerksam. Andere treibt solches Gebaren zur Weissglut.So aktuell in Freienstein: Dorfbewohner stören sich am Lärm, den eine Clique junger Erwachsener mit ihren Töffs verursacht – hauptsächlich in den Abendstunden, aber manchmal auch frühmorgens. «Einige sind so genervt, dass sie von Terror sprechen und sich überlegen, wegzuziehen», sagt Sicherheitsvorsteher Christof Benz. Doch es handle sich keineswegs nur um vereinzelte, besonders sensible Menschen, betont Benz. «Ich erhalte tagtäglich Mails und es sind immer neue dabei, die sich gestört fühlen.»

Gespräch bringt wenig

Das Thema sei bereits mehrmals beim sogenannten Trottengespräch im Oktober eingebracht worden und habe letztes Mal sogar dominiert, sagt Benz. Bei diesem jährlichen Anlass diskutieren Behörden und Einwohner jeweils informell miteinander.

«Einige sind so genervt, dass sie von Terror sprechen und sich überlegen, wegzuziehen.»Christof Benz, Sicherheitsvorsteher

Deshalb will der Gemeinderat nun im nächsten Mitteilungsblatt des Dorfes einen Appell an die jungen Erwachsenen und ihre Eltern veröffentlichen. Darin fordert er auf, «lärmige und unnötige Fahrten in Dorfkern zu unterlassen und den Gashebel sowie die Geschwindigkeit innerhalb des Dorfes den örtlichen Verhältnissen anzupassen».

Genervte Bewohnerinnen und Bewohner werden aufgefordert, unbelehrbare Lärmverursacher umgehend unter Nummer 117 der Kantonspolizei zu melden, bei gleichzeitiger Angabe des Kontrollschildes sowie Örtlichkeit und Zeit.

Unerlaubte Manipulation

Wird die Polizei nicht anderweitig dringend gebraucht, führt sie regelmässig Verkehrskontrollen durch. In Freienstein sei man aufgrund der Klagen in letzter Zeit etwas häufiger präsent gewesen, sagt Stefan Oberlin, Mediensprecher der Kantonspolizei. Dies habe auch einen präventiven Effekt, ist er überzeugt.

Doch während es bei Übertretungen von Geschwindigkeiten kaum Ermessensspielraum gibt, verhält sich die Sache beim Lärm komplizierter. Je nach Fahrzeug gelten verschiedene Richtlinien bezüglich zugelassener Lautstärke. Hat ein Fahrer seinen Auspuff manipuliert, damit das Gefährt eindrücklicher heult, so muss er es beim Strassenverkehrsamt vorzeigen – vorausgesetzt, er wird erwischt. Dies hat eine Busse zur Folge oder bei schweren Verstössen wird gar das Nummernschild konfisziert.

Häufig habe der Lärm aber auch mit dem Fahrstil zu tun, erklärt Oberlin. «Ein Motorrad kann gesetzeskonform sein, aber wenn man in einem niedrigen Gang aufs Gas drückt, ist es trotzdem zu laut.» Gemäss Strassenverkehrsgesetz ist jede vermeidbare Belästigung durch Lärm, Staub, Rauch und Geruch zu unterlassen.

Unnötiges Fahren verboten

Auch andauerndes unsachgemässes Benützen des Anlassers, unnötiges Vorwärmen und Laufenlassen des stillstehenden Fahrzeuges, hohes zu schnelles Beschleunigen des Fahrzeuges, namentlich beim Anfahren, sowie unnötiges Herumfahren in Ortschaften sind untersagt.

Aufgrund dieser Vorgaben jemanden zu verzeigen, sei aber schwierig, führt der Mediensprecher aus. Denn was «unnötig» ist, sei Definitionssache. «Das Verhalten muss auffällig sein, damit eine Anzeige dem Recht entspricht.» Fährt zum Beispiel jemand mehrmals die gleiche Strecke hin und zurück, ist schwierig nachzuweisen, dass es nur dem Vergnügen dient und er nicht etwa einkaufen geht oder auf Parkplatzsuche ist. Bei einer Anzeige entscheidet letztlich der Richter.

Trotzdem büsst die Polizei immer wieder Motorrad- und Autofahrer wegen Lärmverursachung. Auch in Freienstein sei dies schon vorgekommen, sagt Stefan Oberlin. In letzter Zeit habe sich die Situation dort aber etwas beruhigt. «Gerade kürzlich hat sich ein Einwohner per Mail bei uns bedankt.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 22.04.2018, 16:44 Uhr

Motorräder röhren legal

Töffs haben das grösste Lärmpotenzial unter allen Fahrzeugen. Hersteller werben sogar mit ihrem tollen «Sound» und sind sich bewusst, dass das ohrenbetäubende Röhren bei vielen Käufern ein wichtiges Auswahlkriterium darstellt. Ähnlich wie bei den Abgasmessungen von Dieselautos wenden die Hersteller auch bei Motorrädern einen Trick an: Im Testbetrieb ist eine Klappe am Auspuff geschlossen, womit die Gefährte leiser sind als im realen Verkehr. Die Einfuhr solcher Bikes mit Klappensystemen ist zwar seit Anfang 2016 verboten. Doch früher zugelassene dürfen weiterhin Krach machen, wie der Nationalrat vor vier Jahren unter Einfluss der bürgelichen IG Motorrad entschieden hat. Ausgebaut werden müssen die Klappen nicht.

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