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Eis, Schweiss und Emotionen festgehalten in Schwarz-Weiss

Über Monate hinweg hat der Bülacher Fotograf Dominik Baur die erste Mannschaft des EHC Kloten durch Hochs und Tiefs, auf und abseits des Spielfelds, begleitet. Das eindrückliche Ergebnis seiner Arbeit zeigt die Ausstellung «Hinter dem Vorhang» ab dem 23. April im Hotel Riverside.

Lockere Unterhaltung nach dem Training: Torhüter Martin Gerber (links) und Teammanager Beat Equilino in der Küche der Mannschaftsgarderobe.
Lockere Unterhaltung nach dem Training: Torhüter Martin Gerber (links) und Teammanager Beat Equilino in der Küche der Mannschaftsgarderobe.
Dominik Baur
Direkt vom Eis vor die Kamera: Porträtaufnahme von Denis Hollenstein, Stürmer und Kapitän des EHC Kloten.
Direkt vom Eis vor die Kamera: Porträtaufnahme von Denis Hollenstein, Stürmer und Kapitän des EHC Kloten.
Dominik Baur
Im Mannschaftsbus findet jeder ein ruhiges Plätzchen: Roman Schlagenhauf nutzte die Fahrt ins Tessin zum Match gegen Ambri für eine Runde Schlaf.
Im Mannschaftsbus findet jeder ein ruhiges Plätzchen: Roman Schlagenhauf nutzte die Fahrt ins Tessin zum Match gegen Ambri für eine Runde Schlaf.
Dominik Baur
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Nein, er sei kein Eishockey-Fan, gesteht Dominik Baur. «Doch der Blick hinter die Kulissen reizte mich.» Über zwei Monate hat der Bülacher Fotograf die Profis des EHC Kloten begleitet – in der Garderobe, im Mannschaftsbus, vom alltäglichen Training über schmerzhafte Niederlagen bis zum erlösenden Sieg war er als stiller Beobachter mit seiner Kamera dabei. «Hinter dem Vorhang» ist der Titel seiner Ausstellung, welche der Öffentlichkeit das Ergebnis dieser intensiven fotografischen Arbeit ab dem 23. April im Hotel Riverside in Glattfelden präsentiert.

Befreiender Moment

Die Idee zur Fotoserie entsprang einem Gespräch mit Anke Stephan, der Geschäftsführerin des Hotels. «Da Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann sowohl Betreiber des Riversides als auch Präsident des EHC Kloten ist, stand das Thema für die Ausstellung bald im Raum», erinnert sich Baur und betont: «Für mich war wichtig, dass es keine Auftragsarbeit ist, sondern ich frei in der Gestaltung und Auswahl der Bilder bin.»

Für das unbezahlte Projekt hat der 27-Jährige keinen Aufwand gescheut. Zwei Wochen Mitte Dezember hat er täglich mit der Mannschaft verbracht und sie zu Spielen bis zum Sieg im Schweizer Cup-Final am 1. Februar begleitet. «Das war der emotionale Höhepunkt nach einer sportlich schwierigen Zeit und vielen verlorenen Partien. Ein befreiender Moment, ohne den die Ausstellung nicht dieselbe wäre.»

Nichts ist inszeniert

Zur ersten Begegnung mit der Mannschaft kam Baur ohne Kamera. «Ich musste mich rantasten bis sich die Distanz verliert. Irgendwann nahmen die Jungs mich gar nicht mehr wahr, dann erst konnten die intimeren Fotos entstehen.» Die Entscheidung für Schwarz-Weiss ist wichtiger Bestandteil des Konzepts: «Eishockey ist ein brutal harter Sport. Schwarz-Weiss reduziert auf das Wesentliche, bringt die Härte zur Geltung – Farbe lenkt da nur ab.»

Neben wenigen Spielszenen liegt der Fokus abseits des Eises. Stunden hat er in die Beobachtung investiert, gewartet, dass in den stets wiederholten Abläufen von Training, An- und Abziehen etwas Spezielles passiert. Dennoch meint er, nicht die spektakulären Szenen seien das Besondere der Ausstellung, sondern die flüchtigen, oft privaten Momente. «Dass man nichts planen konnte, machte die Arbeit so anspruchsvoll. Nichts ist inszeniert.»

Aufs Glatteis begeben

Fasziniert zeigt sich Baur von der extremen Konzentration vor dem Spiel, dem Tunnelblick, den Ritualen wie dem gemeinsamen Aufputschen zur Musik. «Da wagt man gar nicht zu stören.» Technisch herausfordernd war das Licht, gearbeitet hat er nur mit der Kamera, ohne Ablenkung durch Beleuchtung oder Blitz. Einzig für die Porträts hat er für zwei Tage ein Studio vor Ort aufgebaut und neun Charaktere verschwitzt, direkt nach dem Training eingefangen. Ein Spieler fiel aus, weil er sich just vor dem Shooting eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte.

Ungewollt selbst aufs «Glatteis» begab sich Baur, als er den Teppichbereich der Garderobe mit Strassenschuhen betrat. «Das Heiligtum der Spieler – entsprechend wurde ich für diesen Fauxpas zusammengefaltet, später haben wir darüber gelacht.»

Am Ende mitgefiebert

3200 Bilder sind in dieser Zeit entstanden. Unzählige Stunden hat Baur noch einmal für die Auswahl und Bearbeitung, den Druck und die Rahmung der 54 Ausstellungsobjekte aufgebracht. Zum Auftakt der nächsten Saison hat er mit dem Material zudem einen Bildband mit Hintergrundgeschichten geplant.

Eishockey-Fan ist der Fotograf heute immer noch nicht. «Aber wenn du eine Mannschaft so intensiv begleitest», so gibt er zu, «dann fieberst du mit, zitterst du mit und freust dich mit.»

Vernissage und Ausstellung«Hinter dem Vorhang»: Die Vernissage findet am 23. April von 11 bis 15 Uhr mit Spielern des EHC Kloten und dem Fotografen Dominik Baur im Riverside Seminar- & Eventhotel, Spinnerei Lettenstrasse, in Glattfelden statt. Die Ausstellung ist dort bei freiem Eintritt bis Ende Juni zu sehen. www.riverside.ch.

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