Eglisau

Ende für die Migros-Benzinbunker

Für 5 Millionen Franken holt die Firma Eberhard bei Tössriederen 200 Tanks aus der Erde. Der Abriss des alten Tank­lagers, das einst auf 40 Millionen Liter Öl ausgelegt war, wird bis Sommer 2019 dauern. Und die Kosten trägt zu 90 Prozent die Migrol – obschon sie seit 30 Jahren nicht mehr Grundeigentümerin ist.

Der Wander- und Veloweg vor dem Tanklager wird rege benutzt. Derweil hat sich der Wald weite Teile der stillgelegten Anlage zurückerobert.

Der Wander- und Veloweg vor dem Tanklager wird rege benutzt. Derweil hat sich der Wald weite Teile der stillgelegten Anlage zurückerobert. Bild: Archiv

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So klein Eglisau auch ist – ein 20 000 Quadratmeter grosses Tanklager mit 200 unterirdischen Tanks kann offenbar im Wald vergessen gehen. Dass die seit 1978 stillgelegte Anlage existiert, war wohl bekannt – nur interessierte sich seither niemand dafür, nicht für die Gefahr der teils offen stehenden, ungeschützten Zugänge, nicht für die Belastung des Bodens, nicht für die Tatsache, dass die Tanks über die Jahrzehnte nachweislich etwas in Richtung Rhein gerutscht waren. Oberirdisch eroberte sich der Wald nach und nach Teile der Anlage zurück.

So skizziert die Eberhard AG den Rückbau (Quelle: zvg)

«Erst als wir den Kataster der belasteten Standorte erstellten, fiel uns das Lager auf», sagte Franz Adam, Abteilungsleiter beim kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Vor zwei Jahren hat man aufgrund der akuten Unfallgefahrim Eilverfahren oberirdische Schachtdeckel gesichert, «doch wir wussten natürlich, dass das keine langfristige Lösung sein kann». So habe man das Gespräch gesucht: mit der Gemeinde Eglisau, mit dem privaten Grundeigentümer und nicht zuletzt mit dem Erbauer der Anlage, der Mi­grol AG. Zur Prüfung der Varianten und zur Durchführung der Submission war unter dem Präsidium von Eglisaus Hochbauvorsteher Peter Bär eigens der Verein «Sanierung Tanklager Tössriederen» gegründet worden.

Bis 40 Lastwagen pro Tag

Die Gespräche und Variantenprüfungen mündeten in der Lösung, die Adam gestern Dienstag mit Vertretern von Migrol, Eglisau und der Baufirma Eberhard den Medien vorstellte: 40 Jahre nach der Stilllegung wird die Anlage rückgebaut und das Land als ein «Erholungsraum der Bevölkerung zurückgegeben».

Die Eberhard-Unternehmungen haben etwas Arbeit vor sich: Das Migrol-Lager besteht aus rund 200 Tanks. Die Betontanks werden vor Ort rückgebaut; anders die mehr als 100 Stahltanks, in der Mehrheit je 20 Meter lang. «Wir werden sie herausheben und dann per Lastwagen abtransportieren», erläuterte Martin Eberhard als CEO der Eberhard Bau AG. Die Dimension des Materials mache gar eine Verbreiterung der Brunnwisstrasse nötig. Zehn Lastwagenfahrten prognostizierte Eberhard im Tagesschnitt, «in der Spitze können es schon mal 40 Fahrten sein».

Bombensicherer Treibstoff

Die «Benzinbunker» von Tössriederen entsprangen den Visionen von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler: Heizöl und Treibstoffe könnten nur unter der Erde sicher vor Bombardierungen sein. Landesversorgung im Kalten Krieg. Gleichzeitig war da die Idee des schiffbaren Hochrheins, also von Eglisau als dem Rheinhafen von Zürich. Damit die Migrol AG an idealer Lage bereit wäre, liess «Dutti» die Anlage in den50ern erstellen. Doch die grossen Schiffe aus Basel kamen nie bis ins Unterland. Zwar floss ab 1957 tatsächlich Öl in die Anlage, doch mit den sich stauenden Lastwagen in Tössriederen war dem Vorhaben der kommerzielle Erfolg verwehrt. 1978 legte die Migrol die Anlage still.

Für Migrol «ideelle Frage»

Von den 5 Millionen Franken, die der Rückbau kosten soll, wird die Migrol AG 90 Prozent tragen. Was auf den ersten Blick nach Verursacherprinzip klingt, erwächst mehr ideellen Überlegungen: Die Migrol hatte das total 40 000 Quadratmeter grosse Grundstück (mitsamt Lager) 1986 an den Architekten Marcel Quiliber verkauft, der darauf eine grosse Wohnsiedlung bauen wollte. Die folgenden Jahre zeigten dann, dass diese Projekte gar nie bewilligungsfähig waren.

Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Migrol seit mehr als 30 Jahren nicht mehr Eigentümerin ist. «Für uns ist es mehr eine ideelle Frage», sagte gestern Migrol-Unternehmensleiter Daniel Hofer dazu. «Wir haben das Tanklager gebaut und der heutige Grundeigentümer ist finanziell nicht in der Lage, das Problem zu lösen.» Würde man nichts unternehmen, so fiele das Land mitsamt den Lasten an den Kanton. Sprich: Der Steuerzahler müsste den Rückbau begleichen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.11.2017, 11:03 Uhr

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