Regensdorf/Hüttikon

Englische Kinderkrippen boomen im Furttal

Immer mehr Kleinkinder werden englischsprachig betreut. Im Furttal gibts eine Spielgruppeund Krippe in Hüttikon und einen Hort in Adlikon. Bald eröffnet ein weiterer englischsprachiger Hort in Regensdorf. Viele Eltern wollen ihren Kindern damit einen Vorteil im Leben verschaffen.

Emira Alii, Primarlehrerin aus London, bringt den Kindern der Kinderkrippe Teddy Club in Hüttikon englische Wörter bei.

Emira Alii, Primarlehrerin aus London, bringt den Kindern der Kinderkrippe Teddy Club in Hüttikon englische Wörter bei. Bild: Francisco Carrascosa

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Für viele Eltern ist klar: Ihre Kinder müssen Englisch lernen. Am besten schon im Windelalter. Die Eltern sehen das Englisch als ­Bedingung für eine erfolgreiche Karriere ihres Kindes. So auch Sophia Kéki: «Ich wollte, dass mein Sohn David für dieses knallharte Leben vorbereitet wird», erinnert sich die gebürtige Ungarin. Sie fuhr darum ihren Sohn bereits als Zweijährigen von Dänikon in eine englischsprachige Spielgruppe nach Zürich. Doch die 45-minütigen Sprachlektionen waren der ambitionierten Mutter zu wenig. Kéki gründete darum im Jahr 2013 selber eine englischsprachige Spielgruppe und traf damit einen Nerv bei den Eltern.Ihr Sohn war damals vierjährig.

Die ausgebildete Primar- und Religions­lehrerin mietete einen Raum in Adlikon und begann mit einem Nachmittag pro Woche. Doch die Nachfrage war so gross, dass die heute 43-Jährige bald einen zusätzlichen Raum suchte und noch eine Mitarbeiterin einstellte. Im Herbst 2015 eröffnete sie zudem eine Spielgruppe und Kinderkrippe in Hüttikon. Heute besuchen mehr als 60 Kinder ­Kékis englischsprachige Betreuungsangebote mit dem Namen Teddy Club.

Die Vier- bis Zwölfjährigen ­besuchen im Hort ein Lernprogramm. Kéki erklärt das so: Jede Woche führen die englisch­sprachigen Lehrerinnen des Teddy Clubs ein neues Thema ein, sodass der Wortschatz der Kinder rasch wächst. Die Kleinkinderin der Krippe hingegen ­lernen gleichzeitig Schweizerdeutsch, Hochdeutsch und Englisch im täglichen Umgang mit ihren Betreuerinnen.

Gefragt ist nicht das Schulenglisch

Kéki ist überzeugt, dass Frühenglisch-Angebote wie der Teddy Club für die berufliche Zukunft der heutigen Kinder unerlässlich sind. «Sie müssen Englisch wie eine zweite Muttersprache lernen, damit sie später im Leben eine gute Stelle erhalten», sagt sie. Denn Englisch werde in ­Zukunft noch viel wichtiger seinals heute.

«Und zwar nicht das Schul­englisch, sondern ein akzentfreies, schnell gesprochenes Englisch.» Laut Kéki können Kinder nur bis zum Alter von acht Jahren eine zweite Muttersprache erlernen, danach sei es harte Arbeit. «In diesem Alter können Kinder fünf Sprachen gleichzeitig sprechen. Sie sind damit nicht überfordert.»

Neuer Kinderhort in Regensdorf geplant

Englisch lernen sollten auch die Kinder von Bettina Perler aus Buchs und Marisa Ivankovic aus Regensdorf. Die beiden Mütter schickten ihren Nachwuchs dar­um in den Teddy Club von Sophia Kéki. Dort lernten die Kinder perfekt Englisch, wie Perler bestätigt.

Nun eröffnen die beiden ehemaligen Kundinnen von Kéki ­selber einen englischsprachigen Hort und eine zweisprachige Krippe im Furttal ­– mit fast genau demselben Angebot und denselben Preisen. Unter dem Namen ABC Daycare wird am 1. März der Hort im Industrie­gebiet von Regens­dorf die Türen öffnen, am 1. Juni soll die Krippe folgen.

Ins­gesamt wollen Perler und Ivankovic 33 Plätze anbieten. Wie auch im Teddy Club sollen die Kleinsten in der Krippe von ABC Daycare Mundart, Hochdeutsch und Englisch gleichzeitig lernen, während die Vier- bis Zwölfjährigen im Hort mit Lernsequenzen gezielt an ihrem Englisch arbeiten.

Wie Kéki ist auch Perler überzeugt, dass Kinder nur als Zweisprachige einen guten Start ins Leben haben. Ihr jüngster Sohn besuche darum auch eine englischsprachige Tagesschule, sagt die 48-jährige Mutter dreier ­Kinder.

Ob genügend Nachfrage gleich für zwei englischsprachige Kinderbetreuungsangebote im Furttal vorhanden ist, wird sich zeigen. Laut Kéki ist die Krippe in Hüttikon derzeit ausgebucht, sie führe eine Warteliste. Auch in Adlikon sei die Nachfrage gross. Darum plant sie, ihren Hort in Adlikon nach Regensdorf zu ­zügeln, wo sie in Bahnhofnähe einen grösseren Raum gefunden hat.

Keine Benachteiligungfür Kinder ohne Englisch

Doch wie nachhaltig ist eine fremdsprachige Betreuung von kleinen Kindern? Verschafft ihnen die englischsprachige Spielgruppe, Krippe oder der Hort tatsächlich einen Vorteil gegenüber anderen Kindern, die erst in der Schule mit Englisch starten? Christoph Suter, Bereichsleiter Sprachen in der Abteilung Primarschule an der Pädagogischen Hochschule Zürich, sagt: «Es ist schwierig, eine generelle Aussage zur Wirk­samkeit zu machen.

Wenn junge Kinder Fremdsprachen lernen, spielen viele verschiedene Faktoren mit.» Er ist aber eher skeptisch: «Es gibt keine Hinweise aus Forschungen, wonach ein Kind, das kein solches Angebot besucht hat, später einen Nachteil hat.» Und dass Kinder nur bis zum achten Lebensjahr eine neue Sprache als zweite Muttersprache lernen können, das sei eine von vielen Meinungen in der Fachwelt, die sich aber seines Erachtens nicht stützen lasse.

Jedes Kind sei anders: «Es ist zwar möglich, dass ein Kind von einem solchen Angebot profitiert, das gilt aber nicht für alle Kinder.» Man könne genauso gut erst später Englisch lernen. Persönlich ist er der Meinung, dass die Eltern entscheiden sollten, welches ausserschulische An­gebot sie annehmen wollen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 25.01.2018, 16:49 Uhr

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