Schöfflisdorf

Feinarbeit mit dem Skalpell

Papierschnittkunst – das klingt nach Bildern von Heidi-Landschaften, Chalets und Alpaufzügen. Heinz Pfister zeigt, dass es auch anders geht. Nun sind seine Werkeim Atelier Zwänzg in Schöfflisdorf zu sehen.

Irgendwo zwischen Pop Art und Stichbild. Heinz Pfister schafft aus schwarzem Papier Scherenschnitte, die wie  gemalt aussehen.

Irgendwo zwischen Pop Art und Stichbild. Heinz Pfister schafft aus schwarzem Papier Scherenschnitte, die wie gemalt aussehen. Bild: pd

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Der weibliche Körper steht in Heinz Pfisters Kunst im Zentrum. Mal spannt sich ein maschiges Kleid über einen weiblichen Oberkörper, mal rekelt sich eine Frau im gestreiften Kleid und Netzstrümpfen auf einem Sofa, mal steht sie nur im Höschen bekleidet – mit dem Rücken zum Zuschauer – vor einer Blumentapete.

Mode, klare Linien und eine Portion Erotik zeichnen die Papierschnitte aus, und es ist schwer vorstellbar, dass solche exakten Linien aus einem einzigen schwarzen Blatt Papier herausgeschnitten und nicht zusammengeklebt wurden. Pfisters Papierschnitte erinnern an Pop-Art oder Stichbilder und sprengen damit die traditionellen Vorstellungen von Schweizer Scherenschnitten, in denen Alpaufzüge, Chalets und Baumkronen gezeigt werden. Heute gehört er zu den bekanntesten Papierschnittkünstlern der Schweiz – und seine Werke sind ab sofort im Zürcher Unterland zu sehen.

Vergangenen Sonntag feierte das Atelier Zwänzg in Schöfflisdorf Vernissage. Das Atelier ist Ausstellungsraum und Coiffeursalon zugleich und wird von Gaby Studer geleitet. Rund 50 Neugierige haben die Vernissage besucht, in der Szene kennt man sich. Deren Reaktionen waren Studer, die selber auch Scherenschnitte entwirft, bereits vertraut: «Wer einen solchen Scherenschnitt das erste Mal sieht, kann ihn zuerst nicht einordnen – viele denken, er sei gemalt.» Umso grösser sei die Faszination, wenn man die Beschaffenheit enträtselt habe.

Kunst da zeigen, wo sie weniger bekannt ist

Studer und Pfister kennen sich aus dem hiesigen Scherenschnittverein. «Ich habe dann meinen Mut zusammengenommen und ihn für die Ausstellung angefragt», erzählt Studer. Er habe sofort zugesagt, weil es reizvoll sei, Kunst dort auszustellen, wo sie weniger bekannt ist. Tatsächlich ist die Kunst des Scheren- und Papierschnitts rund um Zürich nicht so populär. Als Wiege des Schweizer Scherenschnitts gilt das Waadtländer Oberland, einige der bekanntesten und ältesten Kunstwerke stammen von Johann Jakob Hauswirth (1809–1871) aus dem Pays-d’Enhaut.

Heinz Pfister wurde 1949 in Aarberg geboren und kam in den 1980er-Jahren zum Papierschneiden, beliess es aber bis 1991 beim Hobby und arbeitete als Ausbildungsleiter in einem Basler Chemieunternehmen. Nach einer dreijährigen Weltreise kehrte er 1994 in die Schweiz zurück und verarbeitete seine Erinnerungen und Eindrücke der Reise als freischaffender Künstler: Bilder von Strassenszenen, Kindern aus Südamerika, Müttern aus dem asiatischen Raum – und später das Thema Mode. So entstanden die ersten Streifenbilder, wie sie heute im Atelier Zwänzg zu sehen sind.

Inspiration holt er sich in Modezeitschriften, dann entwirft er auf einem weissen Blatt Papier eine detailgenaue Skizze und fixiert ein schwarzes Blatt darunter. Mit einem Skalpell schneidet er schliesslich die weissen Flächen aus – und benötigt dafür auch mal über 25 Stunden. So entstehen schliesslich die Papierschnitte. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 09.01.2018, 15:47 Uhr

Infobox

Die Papierschnitt-Ausstellung im Atelier Zwänzg in Schöfflisdorf läuft noch bis zum 21. April. Offen ist das Atelier jeweils von Montag bis Samstag, 9 bis 16 Uhr. Infos unter www.atelierzwaenzg.ch.

Heinz Pfister

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