Rafz

Fischzucht aus Prag kommt nach Rafz

Die FTN AquaArt zieht in eine ehemalige Lagerhalle im Rafzer Industriegebiet. Das Unternehmen hat sich auf Anlagen zur Fischzucht spezialisiert und wird dort ihre Forschungsstätte betreiben.

Die FTN Aqua Art hat bereits Fischzuchtanlagen in der Schweiz gebaut, wie diese in Lyss.

Die FTN Aqua Art hat bereits Fischzuchtanlagen in der Schweiz gebaut, wie diese in Lyss. Bild: PD

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Über 9 Kilogramm Fisch essen Herr und Frau Schweizer im Jahr. Das entspricht einem jährlichen Totalkonsum von rund 72000 Tonnen. Vor 30 Jahren waren es noch etwa 46000 Tonnen oder 7,7 Kilogramm pro Kopf. Über 95 Prozent der in der Schweiz verzehrten Fische werden jedoch importiert. Seit einigen Jahren entwickelt sich hier eine Alternative: die inländische Speisefischproduktion in Fischzuchten.

Das Unternehmen FTN AquaArt mit Geschäftssitz in Zürich konzipiert und installiert die sogenannten Aquakulturen. Jetzt will sie ihre Jungfischzucht und Forschungsstätte aus Tschechien in die Schweiz verlegen und in das Rafzer Industriegebiet ziehen. Auf zwei Stockwerken und rund 12000 Quadratmetern werden nächstes Jahr in einer umgenutzten Lagerhalle Brutanlagen und Büroräumlichkeiten eingerichtet. Von Rafz aus will das Unternehmen schweizweit und auch auf dem internationalen Markt Indoor-Kreislaufanlagen für die Fischzucht verkaufen.

Aufbau bis zur Betreuung

Das Unternehmen setzt dabei auf ein ganzheitliches Geschäftsmodell: Kundinnen und Kunden werden beim gesamten Prozess, von der Planung bis zum Bau und Betrieb der Fischzuchtanlage, begleitet. Die Jungfische, welche in Rafz gezüchtet werden, können ebenfalls von der FTN AquaArt bezogen werden. Für dieses Modell entschied man sich laut Verwaltungsratsmitglied Pascal Stucki nicht zuletzt, weil man so die Qualität der Anlagen und der Fische fortwährend kontrollieren kann.

«In der Schweiz gab es in der jüngsten Zeit einige Meldungen über Anlagen, welche aufgrund unzureichender Qualität geschlossen werden mussten», sagt Stucki. Das wolle man bei den Anlagen der FTN AquaArt mit dem kompletten Dienstleistungsangebot und den damit verbundenen Gewährleistungen verhindern.

Doch was hat die FTN AquaArt zu diesem Umzug bewegt? «Wir setzen auf eine ressourcenschonende Produktion. Dazu gehört auch, dass wir möglichst nah bei unseren Kunden sind», erklärt Stucki. Auch die eigene Anlage soll nach einem energiesparenden Prinzip erstellt werden. Bereits sei man mit dem Rafzer Spargelhof der Jucker Farm im Gespräch, um das Wasser wiederzuverwerten, welches in der Jungfischzucht genutzt wird. So können Gemüsekulturen mit dem nitratreichen Wasser gedüngt werden. Dies ist grundlegend für das Prinzip der «Aquaponik». «So kann das Wasser einmal bezogen und zwei Mal genutzt werden», sagt Stucki.

«Wir haben mit der Universität Süd-Böhmen in Tschechien an einer Formel für Egli-Futter auf Basis von Insektenproteinen erfolgreich geforscht.»Pascal Stucki, Verwaltungsratsmitglied FTN AquaArt

Auch setze man auf Futter, welches möglichst wenig Fischmehl enthält. «Wir haben mit der Universität Süd-Böhmen in Tschechien an einer Formel für Egli-Futter auf Basis von Insektenproteinen erfolgreich geforscht. Dieses Futter kann aber aufgrund der mangelnder Verfügbarkeit von Insektenlarven noch nicht im grossen Umfang produziert werden.»

«Unsere Anlagen bauen wir bewusst mit Rundbecken, damit wir möglichst einen natürlichen Wasserfluss nachstellen können. Dies steigert das Wohlbefinden der Fische und die Wasserqualität», erklärt Stucki. «Abgesehen davon, dass sie schneller wachsen, können unsere Jungtiere optisch und biologisch kaum von wilden Fischen unterschieden werden.»

Hoffen auf Landwirtschaft

Die Fischzucht erlebte vor rund fünf Jahren einen regelrechten Boom, der für viele Produzenten allerdings in Ernüchterung endete. Hohe Investitions- und Unterhaltskosten für die Anlagen und geringe Erträge dämpften diese «Goldgräberstimmung», vor allem bei Landwirten, die den Sprung in die Fischzucht wagten. Diese Probleme hätten laut CEO Lukas Schneeberger vermieden werden können. Die falsche Bauweise dieser Anlagen habe das Wachstum der Fische eingeschränkt. «Daher konnte weniger produziert werden und die Anlagen rentierten nicht.»

«Unsere erste Anlage in der Schweiz haben wir im Jahr 2015 installiert, die läuft bis heute einwandfrei.»Lukas Schneeberger, CEO FTN AquaArt

Das habe man sich bei der FTN-AquaArt zunutze gemacht. Weil sie die Beratung, den Bau und den Unterhalt der Anlage sowie die Ausbildung des Personals betreut, können die geforderten Mengen Fisch produziert werden. «Unsere erste Anlage in der Schweiz haben wir im Jahr 2015 installiert, die läuft bis heute einwandfrei», sagt Schneeberger.

Auch die Politik spiele hier eine Rolle: Eine besonders gute Rendite könne man ab einer Produktionsmenge von 30 bis 40 Tonnen Fisch erreichen, in vielen Kantonen sei dies nur auf industriellem Boden erlaubt. Mit der nächsten Revision des Landwirtschaftsgesetzes in 2022 hofft man, dass diese Einschränkung auch auf landwirtschaftlichem Boden abgeschafft wird.

Erstellt: 29.11.2019, 17:46 Uhr

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