Dänikon/Dällikon

Flüssiges Gold aus Furttaler Quellwasser

Die vier Freunde David Kägi, Pascal Good, Tino Eggenschwiler und Raphael Lötscher realisieren zusammen eine Bieridee: Mit Furttaler Hopfen, Malz und Wasser brauen sie zu Füssen des Altbergs das «Old Hill»-Bier in verschiedenen Geschmäckern und Graden.

Die vier Jungbrauer David Kägi, Raphael Lötscher, Pascal Good und Tino  Eggenschwiler (von links) stellen in Dänikon ihr eigenes Bier her.

Die vier Jungbrauer David Kägi, Raphael Lötscher, Pascal Good und Tino Eggenschwiler (von links) stellen in Dänikon ihr eigenes Bier her. Bild: PD

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«Es ist eine Bieridee», sagt David (33) in der neuen Däniker Brauerei an der Hauptstrasse 28. Und stellt erst mal klar, was Brauer erst mal klarzustellen pflegen: Man duzt sich im Brauereiumfeld und spült die Nachnamen. «Ich habe seit eh und je gerne Bier – natürlich erst, seit ich 16 bin», sagt er dann augenzwinkernd und kommt zum Thema.

«Als gelernter Koch habe ich immer wieder verschiedene Biere probiert und grosse Unterschiede entdeckt zwischen verschiedenen Arten.» – «Wir sind Leute, die gerne was probieren», sagt Pascal (28). «Wir haben Ideen und setzen sie um. Und dafür investieren wir viel Zeit und Arbeit.»Zu gären angefangen hat die Bieridee im Kopf von David vor gut vier Jahren. Damals lebte er in Zürich. Dort begann er, im Keller in einem 10-Liter-Töpfchen Bier zu brauen.

Viel Aufwand, wenig Ertrag: Vor gut einem Jahr schaffte er sich deshalb einen 100-Liter-Topf an und verlegte seine Braustube aus dem Zürcher Keller in Pascals Dälliker Garage. Die beiden kennen sich seit Jahren aus dem Wintersport, da sie als angefressene Snowboarder und Skifahrer oft mit weiteren Gesinnungsgenossen in einer Clique viel Freizeit teilen – und dazu eine Vorliebe für Gerstensaft.

«Wir haben Ideen und setzen sie um. Und dafür investieren wir viel Zeit und Arbeit.»

Pascal Good, «Old Hill»-Bier

Die Idee vom eigenen Bier gärte weiter in den Köpfen der beiden, und als im Herbst 2017 in Davids einstiger Heimat Dänikon an der Hauptstrasse 28 optimale Gewerberäumlichkeiten frei wurden, mieteten sich die beiden kurz entschlossen ein. Aus den Bauernsöhnen waren nebenamtliche Jungbrauer geworden: Chefbrauer David ist gelernter Koch und arbeitet heute im 70-Prozent-Pensum im Online-Marketingbereich einer Stiftung; Pascal ist Gemüsegärtner in der familieneigenen Gärtnerei und Chefbauer von Furttaler Hopfen seit Frühjahr 2017 und Malz ab diesem Jahr. Mit an Bord sind auch Raphael Lötscher, Brauer und gelernter Forstwart in Weiterbildung zum Förster, sowie Tino Eggenschwiler, von Beruf Bauführer, er kümmert sich auch um den Anbau.

Bei all den amtlichen Bewilligungen, der Renovation und Einrichtung plus laufender Miete des gesamten Wirtschaftsteils der Hauptstrasse 28 dürfte das Geld aber schon längst investiert sein. Zumal die gesamte Braugerätschaft bis zu Flaschen, Etiketten und Kartons eine Stange Geld gekostet haben, bevor das erste Bier jetzt seine Käufer finden darf. 3.50 bis 5 Franken soll ein «Old Hill» kosten, relativ günstig im Mikrobiermarkt, wo ein Drei-Dezi-Gütterli auch mal 15 Franken kosten kann.

Bald zu 98 Prozent regional

In drei übereinandergestuften Kübeln braut David in purem Furttaler Quell­wasser zu «Old Hill»-Bier zusammen, was Pascal im Vorjahr an Hopfen auf einer Are Dälliker Grund angebaut hat. «Das ist sehr arbeitsintensiv», sagt er, allein für die Ernte habe er hundert Stunden gebraucht. Trotzdem plant er, die Fläche für den Hopfen über die nächsten fünf Jahre auf 50 Aren auszubauen – vielleicht zum Verkauf an andere Brauer. Der erste Jahrgang «Old Hill» wird noch mit Importmalz gebraut, beim nächsten soll aus Qualitätsgründen nur noch die Hefe importiert werden. Dann wird «Old Hill» zu über 98 Prozent ein regionales Gebräu sein – das hat Seltenheitswert im heimischen Mikrobiermarkt, wo die Zutaten meist aus dem umliegenden Ausland bezogen werden.

Erhitztes Wasser läuft aus dem Wassertopf in den Maischtopf über, wo das Gerstenmalz bei 60 bis 78 Grad während etwa vier Stunden köchelt und blubbert, ehe der Sud in den Kochtopf fliesst und unter Beigabe des Hopfens bei 98 Grad nochmals 70 Minuten fertig kocht. Unter Beigabe der Hefe gärt das Gebräu dann während 5 bis 14 Tagen im Gärtank, bevor es zum Nachgären für drei bis vier Wochen in die 20-Liter-Kegs um- und schliesslich von dort in Drei-Dezi-Fläschchen abgefüllt wird: helles, dunkles, hopfiges, fruchtiges, experimentelles Bier – zunächst einmal drei bis sechs Biere vom Furttal fürs Furttal.

Vertrieben werden soll der Gerstensaft direkt ab Lager, über regionale Läden und Beizen sowie das Internet, soll aber auch an Dorffesten, Gemeinde- und Vereinsanlässen fliessen. David vertreibt zudem über das Internet und ab Lager etwa 200 Spezialbiere von rund 45 Mikro- und Kleinbrauereien aus der ganzen Schweiz.

So perlt das junge «Old Hill» ab ­sofort amtlich bewilligt und goldig im Glas, manches ist aber auch noch am Gären und braut sich vorzu zusammen. Erfrischend ist allemal, wie sich die ­jungen Brauer ins kalte Wasser stürzen und die Sache anbauend und zusammenbrauend köcheln und gären und sich entwickeln lassen. Motto: «Wenns klappt, ists super, und sonst haben wir es wenigstens probiert.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 30.08.2018, 13:52 Uhr

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Weitere Infos unter www.oldhill.ch.

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