Flughafen

Flughafen wehrt sich gegen vorverlegte Starts in der Nacht

Der genehmigte Fluglärm in der Nacht wird regelmässig überschritten. Von der Idee, deshalb bereits längere Zeit vor der Nachtflugsperre die letzten Flüge anzusetzen, hält der Flughafen aber nichts.

Ein Vorschlag, die letzten Starts und Landungen auf 22.30 Uhr anzusetzen, wird vom Flughafen nicht als gut bewertet.

Ein Vorschlag, die letzten Starts und Landungen auf 22.30 Uhr anzusetzen, wird vom Flughafen nicht als gut bewertet. Bild: Keystone/Archiv

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Zu oft kommt es rund um Kloten auch nach 23 Uhr noch zu Fluglärm – obwohl zu dem Zeitpunkt am Flughafen Zürich eigentlich bereits die Nachtflugsperre gilt. Bis 23.30 Uhr dürfen allerdings noch Flugzeuge starten, sofern dies dazu dient, Verspätungen im Flugbetrieb abzubauen, die sich den Tag über aufgestaut haben. Der Grenzwert für den in der Nacht genehmigten Fluglärm wird allerdings derart oft überschritten, dass das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) im Juli vergangenen Jahres eingegriffen hat. Nicht nur hat es die Anzahl Landungen nach 21 Uhr und die Starts nach 22 Uhr auf dem heutigen Stand eingefroren, es prüft parallel dazu auch, die zulässigen Lärmimmissionen in der Nacht anzupassen.

Das BAZL will zudem aber vom Flughafen wissen, ob noch eine weitere Massnahme den Lärm ab 22 Uhr reduzieren könnte: Eine Vorverlegung der letzten Slots am Abend. Ein Slot ist ein Zeitfenster, in welchem der Start eines Flugzeuges eingeplant ist. Derzeit ist der letzte Start auf 22.45 Uhr angesetzt. Um den Verspätungsabbau bis 23.30 Uhr zu vermeiden und weniger Lärm zu verursachen, sollte die Flughafen Zürich AG prüfen, inwiefern es wirtschaftlich und technisch machbar wäre, wenn bereits um 22.30 Uhr die letzte Maschine abhebt.

Airlines müssten Verluste hinnehmen

Die Ausführungen des Flughafens zu diesem Vorschlag liegen seit gestern öffentlich auf. Die Flughafenbetreiberin beantragt darin, von einer Vorverlegung der letzten Slots abzusehen. Zwar würde die Massnahme zwar tatsächlich zu einer geringen Lärmminderung beitragen, doch wirtschaftlich seien die dafür nötigen Schritte nicht tragbar. Und betrieblich bezeichnet der Flughafen den Vorschlag gar als nicht möglich, solange Kloten gleichzeitig weiterhin als Drehkreuz in der Luftfahrt fungieren soll.

Konkret rechnet der Flughafen vor, dass die Swiss bei einer Vorverlegung der letzten Slots wohl komplett auf Direktflüge nach Südamerika verzichten müsste. Ebenfalls betroffen wären Flüge nach Destinationen wie Johannesburg oder Hongkong. Geht man vom Sommerflugplan 2018 aus, würde für etwa 8 Prozent der heutigen Interkontinentalflüge kein geeigneter Slot mehr gefunden werden können. Insgesamt würden dadurch etwa 2,1 Millionen Passagiere weniger pro Jahr über den Flughafen Zürich fliegen. Den Umsatzverlust für die betroffenen Airlines schätzt der Flughafen auf etwa 900 Millionen Franken. Wobei es dabei vor allem die in Kloten beheimatete Swiss sowie die Edelweiss Air treffen würde. Zudem geht der Flughafen Zürich davon aus, dass er dadurch selbst jährlich mit rund 60 Millionen Franken Umsatzeinbussen rechnen müsste.

Nachfrage aus der Schweiz reicht nicht aus

Interessant ist dabei, wie der Flughafen in Bezug auf die Nachfrage nach solchen Interkontinentalflügen argumentiert. Die ist nämlich gemäss dem Begleitschreiben zur Slotvorverlegung in der Schweiz nicht gross genug, um die Durchführung solcher Flüge für die Airlines wirtschaftlich attraktiv zu machen. Nur dadurch, dass der Flughafen Zürich als Hub funktionieren könne und so auch Umsteigepassagiere aus anderen Ländern auf diesen Interkontinentalflügen sitzen, könnten diese Verbindungen wirtschaftlich durchgeführt werden. Oder anders ausgedrückt: Würden die Umsteigepassagiere wegfallen, würde die «beschränkte Nachfrage vielfach nicht mehr ausreichen, um einen wirtschaftlichen Flugbetrieb darzustellen.» Die Nachfrage für Interkontinentalflüge muss also importiert werden.

Indes, gemäss der Einschätzung des Flughafens wäre die Lärmreduzierung durch die Vorverlegung der Slots nur gering. Von 22 Uhr bis 23 Uhr würden die Landungen um 20 Prozent, die Starts um 15 Prozent reduziert, was eine Lärmreduktion in den davon betroffenen Gebieten um etwa 1 Dezibel bedeuten würde. Von 23 Uhr bis 5 Uhr würde die Massnahme entlang der Anflugroute gesamthaft etwa 3 Dezibel weniger Lärm verursachen, entlang der Anflugpfade etwa 10 Dezibel.

Erstellt: 09.09.2019, 17:17 Uhr

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