Flughafen

Flughafen zweifelt am Koffer-Chip

Mehrere Fluggesellschaften möchten Gepäck künftig mit Chips etikettieren. Ab 2020 soll die Technologie flächendeckend eingeführt werden. Derweil baut der Flughafen Zürich für 500 Millionen Franken eine neue Gepäcksortieranlage – deren geplante Geräte solche Chips gar nicht auslesen können.

Gepäckstücke werde noch immer per Strichcode identifiziert. Künftig sollen die Etiketten aber neue einen Chip enthalten, der über Funkwellen auslesbar wäre.

Gepäckstücke werde noch immer per Strichcode identifiziert. Künftig sollen die Etiketten aber neue einen Chip enthalten, der über Funkwellen auslesbar wäre. Bild: Sibylle Meier

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Im Untergrund des Flughafens Zürich steht ein ausgeklügeltes, rund 23 Kilometer langes System aus Förderbändern und Wagons auf Schienen. An einem Spitzentag befördert dieses gigantische Netzwerk – es hat rund 160 Millionen Franken gekostet – um die 50 000 Gepäckstücke, damit diese nach dem Einchecken an den Check-in-Schaltern sortiert und gescannt werden und schliesslich auf dem richtigen Flieger landen.

Identifiziert werden die Koffer und Taschen dabei ähnlich wie im Supermarkt mit einem Strichcode, der beim Check-in für jedes Gepäckstück individuell auf die Etikette, den sogenanten «Bag-Tag» gedruckt wird. Seit Jahrzehnten hat sich an dem Prinzip dieses Systems nichts verändert.

Doch nun wollen verschiedene Fluggesellschaften technische Neuerungen einführen. Der Airline-Verband IATA (International Air Transport Association) soll an der Vollversammlung Anfang Juni bekannt geben, dass in Zukunft jedes Gepäckstück beim Check-in einen sogenannten RFID-Chip erhalten soll. RFID steht für «radio frequency identification», zu deutsch also für eine Identifizierung mittels Funkwelle.

Technologie soll 3,8 Milliarden Dollar einsparen

Anders als den Chip den man etwa im Smartphone oder in einem Computer hat, kann ein RFID-Chip sehr viel günstiger produziert werden. Der Transponder, der die Informationen enthält, die vom Lesegerät ausgelesen werden, kann sogar gedruckt werden und kostet dadurch nur ein paar Rappen. Die IATA erhofft sich, dass in Zukunft durch die Einführung der RFID-Chips Gepäckstücke weltweit besser verfolg- und auffbindbar sein sollen. Weltweit gehen noch immer etwa sechs Gepäckstücke pro tausend Passagiere verloren. Die Iata glaubt daran, dass sich dieser Wert mit der RFID-Technologie nochmals um 25 Prozent reduzieren lässt. Zwar müssen Flughafen und Airlines dazu einiges an Investitionen tätigen, die Iata schätzt das Sparpotential aber als dreimal so hoch ein wie die dafür benötigten Ausgaben: Über sieben Jahre sollen etwa 3,8 Milliarden Dollar eingespart werden können.

Für den Flughafen Zürich kommt die Ankündigung dieses Vorhabens nicht zum besten Zeitpunkt. Er hat nämlich für rund 500 Millionen Franken bereits damit begonnen, eine neue Gepäcksortieranlage zu bauen – die ohne Geräte geplant ist, welche RFID-Chips auslesen könnten. «Das bestehende Gepäcksystem wird derzeit bis voraussichtlich Ende 2025 erneuert. Dass dieses auch RFID-Chips lesen kann, ist derzeit nicht geplant», bestätigt Flughafen-Mediensprecher Philipp Bircher. Auch die bisherigen Bag-Tag-Printer, welche an den Check-in-Schaltern verwendet werden, sind nicht in der Lage, einen Chip auf die Etiketten zu drucken. «Wir haben jedoch vor einigen Jahren einen Test durchgeführt, der gezeigt hat, dass eine Nachrüstung des Systems bei Bedarf ohne allzu grossen technischen Aufwand möglich wäre», sagt Bircher aber weiter. Auch das neue System wäre innert einer gewissen Frist entsprechend nachrüstbar, sollte sich an den Anforderungen an die Gepäckabfertigung etwas ändern.

Tatsächlicher Nutzen der Chips ist fragwürdig

Doch würde sich das überhaupt lohnen? «Massnahmen, welche die Abfertigungsprozesse vereinfachen oder zu einem Komfortgewinn für die Passagiere führen, begrüssen wir grundsätzlich», erklärt der Flughafensprecher. Man müsse sich jedoch die Frage stellen, ob die doch beträchtlichen Investitionen für Airlines und Flughäfen den relativ beschränkten Zusatznutzen der RFID-Chips rechtfertigen würden.

Bircher führt aus. «Verlorengegangen» seien am Flughafen Zürich keine Gepäckstücke. «Es kann aber vorkommen, dass Passagiere ihr Gepäckstück aus verschiedensten Gründen erst verspätet erhalten. In den Jahren 2016 bis und mit 2018 betraf dies am Flughafen Zürich insgesamt rund 275 000 Gepäckstücke. Dies entspricht 0,81 Prozent aller am Flughafen Zürich in diesem Zeitraum abgefertigten Gepäckstücke. Anlagebezogene Gründe sind dabei lediglich für rund 0,009 Prozent der Verzögerungen bei der Auslieferung von Gepäckstücken verantwortlich. In den überaus häufigsten Fällen handelt es sich um andere Gründe, etwa wenn die Airline aufgrund sehr kurzer Umsteigezeit entscheidet, dass umsteigende Passagiere mit dem geplanten Flugzeug reisen, jedoch das Gepäck mit einem späteren Flug nachgeliefert wird.»

Erstellt: 06.01.2019, 14:47 Uhr

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