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Fluglärm plagt so viele Personen wie noch nie

Die Zahl der von Fluglärm geplagten Menschen um den Flughafen Zürich ist 2014 im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen.

Gemäss dem Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) waren über 61'000 Personen betroffen. Vor allem in der Nacht hat der Lärm markant zugenommen.
Gemäss dem Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) waren über 61'000 Personen betroffen. Vor allem in der Nacht hat der Lärm markant zugenommen.
Keystone

Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) musste am Freitag bei ihrer ersten Präsentation des regierungsrätlichen Flughafenberichts vor den Medien einen ZFI-Rekord verkünden, allerdings einen negativen. Im Vergleich zu 2013 nahm die Zahl lärmgeplagter Personen um 4258 auf insgesamt 61'381 zu. Das entspricht einer Zunahme von 7 Prozent.

36'949 Personen fühlten sich tagsüber und 24'432 im Schlaf stark belästigt. Damit überschritt der ZFI den 2007 festgelegten Richtwert von 47'000 um rund 14'000 Personen oder knapp 30 Prozent.

Die Zahl der in der Nacht im Schlaf gestörten Personen nahm um 16 Prozent und der am Tag stark belästigten Personen um 2 Prozent zu. Der Flugbetrieb in der Nacht führte zu einer «signifikanten Zunahme» des ZFI um 6 Prozent, wie Markus Traber vom Amt für Verkehr ausführte. Dazu beigetragen hätten die Zunahme der Flugbewegungen und die ungünstigere Routenbelegung während der Nachtstunden.

Zu viele Nachtflüge

Seit 2010 gilt am Flughafen Zürich eine 7-stündige Nachtflugsperre zwischen 23 und 6 Uhr. Zwischen 23 und 23.30 Uhr können jedoch bewilligungsfrei Verspätungen abgebaut werden. In diesen 30 Minuten wurden 2014 rund 2300 Landungen und Starts registriert.

Das seien eindeutig zu viele Flugbewegungen, stellte Traber fest. Der Kanton wolle deshalb auf die Flugplanung Einfluss nehmen, damit künftig die Flüge grossmehrheitlich vor 23 Uhr durchgeführt werden.

Für die Zeit nach 23 Uhr hatte die Flughafen Zürich AG im vergangenen Jahr 232 Einzelbewilligungen erteilt. Fünf Flüge hat das Amt für Verkehr dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) gemeldet, weil der Kanton der Meinung ist, dass die Bewilligungen nicht hätten erteilt werden dürfe. Der Entscheid des Bundes stehe noch aus, sagte Traber.

Bevölkerungswachstum lässt ZFI-Wert steigen

Mit ein Grund für die markante Zunahme der Lärmgeplagten ist das Bevölkerungswachstum in der Flughafenregion. In den kantonalen Siedlungsgebieten wächst die Bevölkerung kontinuierlich, im Glatt- und Limmattal sogar überproportional.

Aus raumplanerischer Sicht sei diese Entwicklung erwünscht, sagte Regierungsrätin Walker Späh. Dass damit gleichzeitig die Zahl der von Lärm Betroffenen zunehme, sei ein Widerspruch. «Damit müssen wir aber leben», betonte die FDP-Regierungsrätin. Der volkswirtschaftlich Nutzen des Flughafens und der Schutz der Bevölkerung vor Lärm sei ein ständiger Balanceakt.

Potenzial, die Lärmsituation zu verbessern, sieht Traber in der Entwicklung neuer Triebwerkstechniken und in der von der Swiss geplanten Beschaffung neuer Langstreckenflugzeuge. Bezüglich ZFI sei jedoch zu befürchten, dass der technische Fortschritt das ungebrochene Bevölkerungswachstum nicht kompensieren könne.

Um die Wohnqualität zu verbessern, will der Regierungsrat das Förderprogramm «Wohnqualität Flughafenregion» vorantreiben. Dabei werden Hauseigentümer innerhalb der Abgrenzungslinie, die Gebäudesanierungen vornehmen, mit Mitteln aus dem Flughafenfonds unterstützt werden. Für den Einbau von Schallschutzfenstern wurden 2014 rund 160'000 Franken ausbezahlt. Im laufenden Jahr sind rund 170'000 Franken zugesichert.

Vorgegebene Ziele erreicht

Im neu konzipierten Flughafenbericht 2015 legt der Regierungsrat erstmals auch Rechenschaft ab zur Eigentümerstrategie des Kantons. Die vorgegebenen Ziele bezüglich Umweltschutz, Unternehmensführung und Beziehungspflege seien im vergangenen Jahr vollständig erreicht worden, sagte Walker Späh.

Die im Flughafengesetz vorgesehene maximal Anzahl von 320'000 Starts und Landungen sei mit 265'000 Flugbewegungen bei weitem nicht erreicht worden. Eine Bewegungsplafonierung sei deshalb derzeit kein Thema.

Skeptisch beurteilt die Volkswirtschaftsdirektorin Investitionen in Geschäftsfelder, die nicht direkt mit dem Fluggeschäft zu tun haben. Solche Investitionen seien nur dann vertretbar, wenn sie entweder den Flugpassagieren dienten oder zur Steigerung der Standortattraktivität des Flughafens beitrügen. Beim Grossprojekt «The Circle» sind nach Meinung der Volkswirtschaftsdirektorin diese Voraussetzungen aber gegeben.

SDA/lag

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