Rümlang

«Frauenbands sind derzeit stark im Kommen»

Entstanden ist Steiner & Madlaina auf einem Pausenhof in Zürich. Ihre erste EP erschien vor zwei Jahren, seither geht es mit der Karriere der beiden Frauen, die dahinterstecken, steil aufwärts. Der ZU traf die beiden gestern am Zürich Openair.

Nora Steiner (hockend) und Madlaina Pollina fanden ihren ersten Auftritt am Zürich Openair «aufregend und schön».

Nora Steiner (hockend) und Madlaina Pollina fanden ihren ersten Auftritt am Zürich Openair «aufregend und schön». Bild: Sharon Saameli

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Ihr habt im letzten Jahr einen steilen Aufstieg erlebt – vom ersten Auftritt in einem Zürcher Café zum Zürich Openair. Wie ist das für euch?
Madlaina Pollina: Im letzten Jahr ist viel passiert, aber es fühlt sich nicht so an, als wären jetzt alle Rampenlichter auf uns gerichtet. Wir haben uns das alles ja erarbeitet, weshalb wir nicht den Eindruck haben, dass es so steil bergauf geht.

Nora Steiner: Stimmt. Wir merken aber, dass mit dem neuen Album auch ein Haufen neue Dinge auf uns zukommt. Im Januar und Februar gehen wir auf Tour. Als die Single «Wenn du mir glaubst» rauskam und wir gemerkt haben, wie krass gut die ankam, hatten wir kurz echtes Herzrasen.

Wie habt ihr den Auftritt am Zürich Openair in Rümlang erlebt?
Nora: Richtig schön und aufregend! Wir haben zuerst mit weniger Leuten gerechnet, am Anfang des Konzerts waren wegen des Regens drei Nasen im Zelt. Auch am Schluss war es nicht rammelvoll, aber eine megaschöne Stimmung.

Madlaina: Was mir aufgefallen ist: Anders als in einem Club haben wir von der Zeltbühne aus auch das Publikum ganz hinten gesehen. Das macht nervös.

Auch hier am Zürich Openair sind fast ausnahmslos alle Headliner Männer. Wie erlebt ihr die Musikszene als zwei Frauen?
Madlaina: Das kann man so sehen, aber wir merken auch, dass Frauenbands derzeit stark im Kommen sind. In Österreich waren wir im Winter an einem Festival, an dem nur Frauen gespielt haben – ohne dass die Veranstalter gross darauf geachtet hätten.

Nora: Hey, aber wir sind heute angekommen in diesem Saal im Backstagebereich, jeder Platz war besetzt, und wir waren die einzigen Frauen – einmal abgesehen von den Hosts. Das ist ein Thema, das man fördern muss.

Madlaina: Ja, aber in allen Bereichen, nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Technikbereich.

Nora: (lacht) Wir hatten kürzlich in einem Interview von unserem Studio geschwärmt, und der Journalist fand: «Ah, cool, dass ihr das sagt, weil es ja unüblich ist, dass sich Frauen für Technik interessieren.» Und ich dann: «Ja eh, weil Frauen am liebsten kochen und putzen.»

Madlaina: Der Journalist hat das als Kompliment verstanden!

Nora: Ja, das fand ich krass. Aber es gibt inzwischen wirklich viele neue Bands mit Instrumentalistinnen, vor allem im Indie-Bereich. Wir haben uns fürs Schlagzeug auch überlegt, ob wir eine Frau wollen, bevor wir Leo gefunden haben. Das hat sich dann aber als schwierig herausgestellt. Madlaina hat es mal schön gesagt: Wenn du einen Mann fragst, ob er etwas machen kann, sagt er: «Sicher kann ich das.» Eine Frau sagt: «Ja, vielleicht.»

In der Pause eines Konzerts sind, so habt ihr Tsri.ch erzählt, die Hälfte der Gäste gegangen. Daraufhin kam ein Zuhörer zu euch und meinte, dass man euch nicht so lange zuhören kann, weil man sich dabei zu fest mit sich selber auseinandersetzen muss. Was verarbeitet ihr in euren Texten?
Madlaina: Wir schreiben über Persönliches und darüber, was uns beschäftigt. Und Negatives beschäftigt halt mehr als Positives.

Nora: Ja, wenn ich richtig glücklich bin, habe ich gar kein Bedürfnis zum Schreiben.

Madlaina: Es kann aber auch eine Beobachtung etwa im Tram sein, irgendein doofer Satz, der mir gefällt und aus dem ich etwas zusammenschraube. Als Beispiel der Satz «Wers glaubt, wird selig». Daraus ist schliesslich das Lied «Wenn du mir glaubst» entstanden.

Denkt ihr, dass schwere Texte gefragt sind, wo ihr doch von eurer Musik leben wollt?
Madlaina:Das hoffen wir! Solange es damit bergauf geht, machen wir so weiter.

Nora: Ich denke sogar, dass das unseren Charme ausmacht. Im Pop sind sehr viele Texte sehr platt und plump, viele legen nicht wirklich Wert darauf, einen Text zu schreiben, der «verhebt». Unsere Texte sind nicht schon tausendmal gesagt worden.

Madlaina: Dafür werfen uns manche Leute – vor allem Journalisten – vor, dass wir viel zu jung seien für den Text. Als müsste man dumm sein, wenn man jung ist.

«Alles ist möglich aber wahrscheinlich nicht», singt ihr in einem neuen Lied. Seid ihr Optimistinnen?
Nora: Kommt darauf an, worum es geht und wie ich mich fühle.

Madlaina: Und das kann megaschnell wechseln.

Nora: Wir sind beide eher auf der impulsiven, emotionalen Seite. Und ich bin manchmal auch misstrauisch, wenn über Wochen hinweg einfach alles prima läuft. Dann denke ich mir: Jetzt muss irgendetwas kommen, irgendein Stein auf den Kopf.

Was wünscht ihr euch denn, was möglich ist?
Nora: Für uns selber wünsche ich mir, dass wir bald von der Musik leben können. Das sieht gut aus. Und ich wünsche mir auch, dass unsere Tour ausverkauft sein wird. Das wär wundervoll, aber sehr unwahrscheinlich.

Madlaina: Wir sprechen im Song an, dass wir uns Freiheit für alle Menschen wünschen, auf alle Arten. Frei zu sein darin, was man sagen kann, wohin man gehen will – für alle Menschen. Dieses Motiv kommt in unseren Texten immer wieder vor. Das würde viele Probleme lösen, ist aber vermutlich unerreichbar.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 25.08.2018, 13:18 Uhr

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