Abfuhrwesen

Frisierte Müllautos gefährden die Sicherheit

Die Kantonspolizei Zürich kontrollierte Kehrichtfahrzeuge. Mehr als die Hälfte davon waren manipuliert.

Die Kantonspolizei vermutet, dass die Firmen willentlich die automatische Geschwindigkeitsdrosselung umgangen haben.

Die Kantonspolizei vermutet, dass die Firmen willentlich die automatische Geschwindigkeitsdrosselung umgangen haben. Bild: Peter Schneider/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zwölf Kehrichtfahrzeuge hat die Polizei in den Bezirken Bülach und Dielsdorf kontrolliert – mit Fokus auf deren technischen Zustand. Resultat: Bei sieben der geprüften Fahrzeuge waren Manipulationen an den Sicherheitsvorrichtungen vorgenommen worden. Die Lastwagen verfügen nämlich über Systeme an den Trittbretten, auf denen die Müllmänner stehen. Dieses Systeme kontrollieren automatisch, ob sich eine Person darauf befindet. Ist dies der Fall, kann das Fahrzeug höchstens 30 Kilometer pro Stunde fahren. Auch das Rückwärtsfahren funktioniert dann nicht.

«Je nach Modell stellt das Fahrzeug ab oder wechselt automatisch in den neutralen Gang», sagt Eveline Heiniger von Contena-Ochsner AG, der führenden Anbieterin in der Entsorgungstechnik. Bei den besagten Fahrzeugen wurde mittels eines Holzblocks der Kontakt vom Trittbrett zum Sensor unterbrochen. «In der heutigen Zeit, in der es immer mehr Arbeit gibt, die immer schneller erledigt werden muss, kommen gewisse Mitarbeiter auf die Idee, die Systeme zu überlisten. Das ist natürlich nicht in unserem Sinn und wir unterstützen das auch nicht», betont sie.

Folgen noch unbekannt

Da nicht alle in den Bezirken im Einsatz stehenden Fahrzeuge kontrolliert wurden, dürfte die Dunkelziffer der manipulierten Kehrichtfahrzeuge wesentlich höher sein. «Das sind nur die Fahrzeuge, die an unserer Kontrollstelle vorbei gefahren sind», sagt Florian Frei vom Mediendienst der Kantonspolizei Zürich.

Hofften die Arbeiter vermutlich, durch die Manipulationen ihre Runde schneller zu Ende zu bringen, kostetet sie die Aktion nun viel Zeit. Denn die Fahrzeuge müssen zurückgebaut werden und, sobald die Manipulationen rückgängig gemacht sind, zur Motorfahrzeugkontrolle beim Strassenverkehrsamt. Bis die Fahrzeuge dort vorgeführt worden sind, dürfen sie nicht mehr eingesetzt werden.

«In der heutigen Zeit, in der es immer mehr Arbeit gibt, die immer schneller erledigt werden muss, kommen gewisse Mitarbeiter auf die Idee, die Systeme zu überlisten. Das ist natürlich nicht in unserem Sinn und wir unterstützen das auch nicht»Eveline Heiniger, Contena-Ochsner AG

Von wem die Fahrzeuge manipuliert wurden, will die Kantonspolizei nicht sagen. Sie geht allerdings davon aus, dass die zuständigen Firmen von den Verstössen wussten. Auch die betroffenen Firmen wollte die Polizei nicht nennen.

EU-Richtlinien

Was die möglichen Folgen der Vergehen sein werden, kann man bei den beiden Statthalterämtern in Dielsdorf und Bülach noch nicht sagen. Für Daniel Widmer, Statthalter vom Bezirk Dielsdorf, sind derartige Manipulationen ein neuartiges Problem: «Trotz meinen zehn Jahren Berufspraxis ist mir dieses Thema nicht bekannt.» Er vermutet jedoch, dass eine EU-Richtlinie hinter den Kontrollen steckt.

«Vermutlich wird das künftig schweizweit oder zumindest im Kanton Zürich ein Thema werden.» Beim Statthalteramt von Bülach hat man noch keine Kenntnisse über den Fall. Man habe bisher noch keine Rapporte erhalten. Die Kontrolle wurde am 29. Mai von der Kantonspolizei Zürich druchgeführt.

Erstellt: 10.06.2019, 11:46 Uhr

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles