Flughafen

Für die Lehre muss er sein Deutsch verbessern

Am Flughafen bereitet sich ein Eritreer auf eine Lehre als Gebäudereiniger vor. Doch damit er im nächsten Sommer wirklich beginnen kann, muss er sich noch hinter die Schulbücher klemmen.

Die Gebäudereinigung ist anspruchsvoller, als es sich Awet Tsion ursprünglich vorgestellt hat.

Die Gebäudereinigung ist anspruchsvoller, als es sich Awet Tsion ursprünglich vorgestellt hat. Bild: Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er nimmt auf dem Reinigungsfahrzeug Platz, schaltet den Elektromotor an und beginnt, den Boden des Parkhauses zu reinigen. «Ich habe bereits gelernt, die Scheuersaugmaschine zu bedienen», sagt Awet Tsion und lächelt stolz. Im Sommer hat der Eritreer in der Gebäudereinigung des Flughafens mit einer sogenannten Integrationsvorlehre begonnen. Innerhalb eines Jahres bereitet er sich vor, um später eine zwei- oder dreijährige Ausbildung zum Gebäudereiniger zu beginnen.

Der 27-Jährige ist vor rund drei Jahren in die Schweiz gekommen und hat mittlerweile als anerkannter Flüchtling die Bewilligung B erhalten, die ihn für einen längerfristigen Aufenthalt berechtigt. In Eritrea habe er im Lebensmittelgeschäft seiner Mutter gearbeitet, aber keinen Beruf gelernt, erzählt er. «In der Schweiz ohne abgeschlossene Ausbildung eine Arbeit zu finden, ist schwierig», hat er die Erfahrung gemacht. Als er im Rahmen eines Praktikums mit dem Flughafen zu tun hatte, fragte er deshalb spontan nach, ob er dort eine Berufslehre machen könnte.

«Eigentlich hatten wir unsere Lehrstellen bereits vergeben», sagt Ausbildungsverantwortliche Caroline Zika. «Doch wir haben entschieden, diesem sympathischen jungen Mann eine Chance zu geben.» Denn die Integrationsvorlehre sei eine gute Sache, findet Zika. Tsion erhält einen Monatslohn von gut 700 Franken wie andere Lernende im ersten Jahr. Er nimmt an allen speziellen Ausbildungsangeboten für die anderen sieben Lernenden der Gebäudereinigung teil und war auch im Lager mit dabei. Es sei angenehm gewesen mit den jüngeren Kolleginnen und Kollegen, erzählt er. Man habe sich von einer anderen Seite kennen gelernt.

Zusätzlicher Deutschkurs

Tsion arbeite gut und selbstständig, sagt Zika. «Er lernt vor allem durch Beobachten.» Doch seine Deutschkenntnisse seien noch mangelhaft. Seine ruhige, zurückhaltende Art sei dem Erlernen der Sprache nicht unbedingt förderlich. Deshalb besucht Tsion auf Anraten der Vorgesetzten neben dem regulären wöchentlichen Schultag nun noch einen zusätzlichen Deutschkurs.

Ob er im Sommer mit der eigentlichen Lehre als Gebäudereiniger starten kann, sei davon abhängig, wie gut er die Sprache lernt, sagt Zika und lächelt Tsion ermutigend zu. «Mit regelmässigem Üben wird dein Deutsch schnell besser werden.»

Nicht mehr langweilig

Er habe sich die Sache einfacher vorgestellt, räumt Tsion nachdenklich ein. «Ich muss viel mit dem Kopf arbeiten.» Gebäudereiniger müssen zum Beispiel wissen, welche Materialien mit welchen Mitteln gepflegt werden müssen und wie die diversen Maschinen zu bedienen sind.

Zudem sei der Arbeitsweg lang, sagt Tsion. Damit er um sechs Uhr am Flughafen beginnen kann, muss er in Eglisau, wo er in einer Wohngemeinschaft lebt, den ersten Zug um 5.20 Uhr nehmen. Er ist deshalb auf der Suche nach einem näher gelegenen Wohnsitz. Doch in erster Linie sei er sehr froh, dass er nun einer regelmässigen Beschäftigung nachgehen kann, sagt Awet Tsion: «Vorher war es mir häufig langweilig. Das ist jetzt definitiv anders.»

Erstellt: 03.12.2018, 18:12 Uhr

Firmen geben Geflüchteten eine Chance auf Berufsbildung

Das Berufsbildungszentrum Kloten informierte kürzlich über die Integrationsvorlehre. Interessiert sind vor allem Firmen, die Mühe haben, ihre Lehrstellen zu besetzen.

Die meisten von ihnen sind jung, männlich und werden langfristig in der Schweiz bleiben. Doch von den anerkannten Flüchtlingen, die bereits fünf Jahre hier leben, gehen lediglich rund 20 Prozent einer regelmässigen Erwerbsarbeit nach. Der Grossteil ist von der Sozialhilfe abhängig.

Um die Integration in den Arbeitsmarkt zu fördern, hat der Bund die Integrationsvorlehre geschaffen. Während eines Jahres bereiten sich Asylanten und vorläufig Aufgenommene auf eine reguläre Lehre vor. Letzten Mittwoch hat das Berufsbildungszentrum Kloten (biz) über das Angebot informiert.

Im Unterland sei das Echo aus dem Gewerbe bis anhin verhalten, stellte biz-Leiterin Silke Zemp fest. Im ganzen Kanton haben im letzten Sommer 107 Personen eine Integrationsvorlehre angetreten, davon nur wenige im Unterland. Umso mehr freuten sich die Verantwortlichen über den gut besuchten Informationsanlass mit rund 30 Firmenvetretern.

Bevor das biz die Bewerber an ein Unternehmen vermittelt, klärt es stets die Eignung ab . «Es handelt sich um hoch motivierte junge Menschen», betonte Zemp. Gemäss Untersuchungen des Bundes besteht bei etwa 70 Prozent der Menschen aus dem Asylbereich Arbeitsmarkt-Potenzial.
Doch um dieses zu nutzen, brauchen viele Unterstützung beim Erlernen der Sprache. Zudem müssen sie mit der Arbeitskultur vertrauter werden. Die Kompetenzen der Geflüchteten würden oft nicht den hiesigen Erwartungen entsprechen, erklärte Melanie Aardalsbakke von der Bildungsdirektion. Deshalb sei ein direkter Einstieg in die Berufsausbildung oft nicht möglich.

Firmen hoffen auf Fachkräfte

An diesen Punkten wird mit den Geflüchteten gearbeitet. Während der Vorlehre gehen sie einen bis zwei Tage in die Schule. Zurzeit stehen neun spezifische Klassen für verschiedene Berufsfelder zur Verfügung, in denen auch bereits etwas Berufskunde vermittelt wird. Zudem gibt es eine Mischklasse für diverse Branchen. Die Betriebe zahlen den Integrationsvorlehrlingen einen monatlichen Minimallohn von 380 Franken. Die Schulkosten übernimmt der Bund.

Am Anlass im biz Kloten waren unter anderem Firmen zugegen, die Mühe haben, ihre Lehrstellen regulär zu besetzen. «Wir suchen Netzelektriker», sagte etwa Tamara Gysi, Personalverantwortliche bei den Werken Wallisellen. Die Fachkräfte verlegen Kabel und arbeiten häufig auf dem Bau – eine Umgebung, die bei vielen Lehrlingen nicht sonderlich beliebt ist.

Auch Marcel Hösli von der Metallbaufirma Baltensperger in Höri zeigte Interesse an der Integrationsvorlehre. «Das Angebot könnte uns neue Horizonte öffnen, um Lernende zu finden.»

Andrea Söldi

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben