Furttal

Furttaler Katholiken entscheiden über die Wahl oder Abwahl ihres Pfarrers

Die Katholiken im Furttal müssen am Abstimmungssonntag vom 4. März ihren Pfarrer Remo Eggenberger an der Urne bestätigen. 587 Kirchenmitglieder haben mit ihrer Unterschrift eine stille Wahl verhindert.

Pfarrer Remo Eggenberger segnete an der Feier zum Baubeginn der dritten Röhre durch den Gubrist die Statue der heiligen Barbara, der Schutzpatronin  der Mineure. Die Zeremonie fand am 21. November 2017 beim Tunnelportal in Regensdorf statt.

Pfarrer Remo Eggenberger segnete an der Feier zum Baubeginn der dritten Röhre durch den Gubrist die Statue der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Mineure. Die Zeremonie fand am 21. November 2017 beim Tunnelportal in Regensdorf statt. Bild: Sibylle Meier (Archiv)

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Die 8600 Katholiken im Furttal erhalten in diesen Tagen ein Couvert mit Abstimmungsunterlagen in ihren Briefkästen. Sie können am Abstimmungssonntag vom 4. März ihren Pfarrer Remo Eggenberger für eine zweite Amtsperiode bestätigen. Stimmberechtigt sind dabei auch ausländische Kirchenmitglieder.Eggenberger kam 2012 als Pfarradministrator in die Furttaler Pfarrei St. Mauritius. Ein Jahr später hat ihn die Kirchgemeindeversammlung als Pfarrer gewählt.

Die Amtsdauer der katholischen Pfarrer im Kanton beträgt sechs Jahre, die aktuelle Amtsperiode endet am 30. Juni. Nun kann die Römisch-katholische Kirchgemeinde Regensdorf ihren Pfarrer mit einer stillen Wahl bestätigen oder aber mit mindestens 200 Unterschriften eine Bestätigungswahl an der Urne verlangen. In der Furttaler Kirchgemeinde haben 587 Stimm-berechtigte ihre Unterschrift gegen eine stille Wahl von Remo Eggenberger gegeben und damit die Urnenwahl am 4. März eingeleitet.

Kirchenpflege stützt Pfarrer

Die Kirchenpflege steht hinter dem 44-jährigen Pfarrer aus dem Kanton St. Gallen, wie deren Präsident Giovanni Catania betont, und empfiehlt, Remo Eggenberger für weitere sechs Jahre zu bestätigen. Dies, obschon auch die Kirchenpflege weiss, dass Eggenberger nicht bei allen Kirchgemeindemitgliedern gleich gut ankommt. «Es ist klar, dass nicht alles immer problemlos läuft und immer alle einer Meinung sind.» Catania will weniger die Schwächen als vielmehr die Stärken Eggenbergers hervorheben: seine liturgische Arbeit in der Pfarrei, sein Engagement zugunsten der Freiwilligenarbeit und seinen Einsatz für die Gemeinde.

Ganz anders sieht Thomas Kleinhenz, Mittelschullehrer und -seelsorger aus Dällikon, die Si­tuation in der Pfarrei Regensdorf um Pfarrer Eggenberger. Für ihn ist Eggenberger ein sehr konservativer Priester, von dem sich jene Gemeindemitglieder vergrault fühlen, die sich eine offene Kirche wünschen und keine dogmatischen Vorschriften. «Ein Priester muss die ganze Bandbreite der Gemeinde ansprechen und bei der Vielfalt von Glaubensvorstellungen Brücken bauen können. Das hat Pfarrer Eggenberger bisher nicht geschafft.

Er spricht vorwiegend konservative Kreise an.» Darum kämen zu den Gottesdiensten zunehmend solche Gläubige nach Regensdorf, was zur Folge habe, dass viele Furttaler Katholiken ins Kloster Fahr oder nach Seebach ausweichen würden. Kleinhenz’ Kritik schliesst auch den Führungsstil Eggenbergers ein. Etliche Mitarbeiter hätten die Pfarrei darum verlassen. «Auch die Gemeinde wird bei grösseren Entscheiden zu wenig gehört und eingebunden. Dies zeigte sich bei seinen Plänen zum Umbau der Kirche, die sehr viel Ärger in die Gemeinde brachten, wie auch beispielsweise bei seinen Alleingängen, den vorhandenen Kirchenraum auf seine Vorstellungen hin umzugestalten», sagt Kleinhenz.

Ein Pfarrer ist stets exponiert

Eggenberger selber nimmt die Unterschriftensammlung gegen seine stille Wahl gelassen. «Ich sehe mich als Hirten der Pfarrei und laufe nicht einfach davon, wenn es mal einen kalten Luftzug gibt.» Ihm scheine, viele Kirchenmitglieder wollten einfach von ihrem demokratischen Recht Gebrauch machen und hätten darum unterschrieben.

«Es ist klar, dass nicht alles immer problemlos läuft und immer alle einer Meinung sind.» Giovanni Catania

Dass einige aber mit ihrer Unterschrift auch Kritik an seiner Person ausdrücken wollen, sei klar. «Natürlich sind nicht immer alle glücklich mit ihrem Pfarrer.» Als Pfarrer sei man eine exponierte Person und müsse manchmal Dinge entscheiden, die nicht alle mittragen würden. «Meine Entscheide waren vielleicht nicht immer optimal, aber sicher nie böswillig», räumt er ein.

Dass es in der Pfarrei zum personellen Wechsel kam, als er in Regensdorf seine Tätigkeit aufnahm, sieht er als normal an. «Als Neuer musste ich die Dynamik in der Gemeinde erst kennen lernen.» Der Anfang sei zugegebenermassen etwas holperig gewesen. «Doch die Pfarrei war schon gespalten, als ich gekommen bin.» Er habe die Auseinandersetzungen somit übernommen. «Jetzt aber haben wir ein gutes Team und eine konstruktive Zusammenarbeit», betont er.

Seltene Abwahl eines Pfarrers

Gemäss Arnold Landtwing, Sprecher des Generalvikariats für die Kantone Zürich und Glarus, ist es in den vergangenen 55 Jahren äusserst selten zur Abwahl eines Pfarrers gekommen. Was würde denn eine Abwahl bedeuten? «Dann kann der betreffende Priester die Funktion als Pfarrer nicht mehr ausüben», sagt Landtwing. Der Bischofsrat würde besprechen, an welchem anderen Ort der Priester eine Aufgabe in der Seelsorge übernehmen könnte.

Da auch Pfarrer einen Arbeitsvertrag mit der Kirchgemeinde als Arbeitgeberin haben, gelte es die Modalitäten zur Auflösung des Vertrages zu regeln. «Allenfalls ist es auch möglich, dass der abgewählte Pfarrer für eine Übergangsfrist die Verantwortung als Pfarradministrator wahrnimmt.» Für eine Nachfolge müsse der Bischof einen Pfarrer vorschlagen. Dieser käme als Pfarradministrator in die Gemeinde, bis er von der Kirchgemeindeversammlung als Pfarrer gewählt und vom Bischof bestätigt würde.

Erstellt: 08.02.2018, 15:54 Uhr

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