Zum Hauptinhalt springen

Gämsen zeigen sich am helllichten Tag

Wölfe im Weinland, Rothirsche am Üetliberg und Gämsen im Bachsertal: Im Kanton Zürich leben Wildtierarten, die ansonsten in Gebirgsregionen heimisch sind. Die Bachser Gämsen liessen sich kürzlich sogar im Tal blicken.

Zwei Gämsen ästen am vergangenen Dienstag in der Nähe der Bachsertalstrasse. Es dürfte sich um ein Muttertier mit seinem letztes Jahr geborenen Jungen handeln.
Zwei Gämsen ästen am vergangenen Dienstag in der Nähe der Bachsertalstrasse. Es dürfte sich um ein Muttertier mit seinem letztes Jahr geborenen Jungen handeln.
Cyprian Schnoz

Am vergangenen Dienstagmorgen, so um 7.30 Uhr, staunten einige Autofahrer nicht schlecht, als sie zwischen Bachs und dem Weiler Hueb zwei äsende Gämsen am Fisibach erblickten. Eine ungewöhnliche Erscheinung am helllichten Tag. Erst als ein Fahrzeug anhielt, verzogen sich die üblicherweise sehr scheuen Gämse leichtfüssig, aber zügig den Hang hinauf Richtung Wald.

Seit Jahren auf der Hoflue

Obwohl die Gämsen (Rupicapra rupicapra) bereits seit Jahren im teils schroffen Abhang nordwestlich von Bachs leben, haben nur wenige Leute die scheuen Tiere im Hoflue genannten Gebiet gesehen. Einer davon ist der Niederglatter Samuel Ramseyer, seines Zeichens Obmann der Jagdgesellschaft Weiach-Sanzenberg: «Schon seit längerer Zeit ist von den Gämsen auf der Hoflue die Rede.

Ich habe einmal eine bei einer Treibjagd gesehen. Plötzlich stand sie in einer Entfernung von nur etwa fünf Metern vor mir», sagt Ramseyer. Für diese bestand jedoch von Seiten der Jägerschaft keine Gefahr, denn im Kanton Zürich stünden die Gämsen unter Schutz, erklärt der Weidmann und weiter: «Die Gämsen in unserem Revier reproduzieren sich auch ein bisschen, vergangenes Jahr hatten sie Junge.»

Zurzeit dürften sich vier Gämsen im Bachsertal aufhalten. Gemäss Ramseyer seien es auch schon fünf gewesen. Er vermutet, dass die behornten Tiere vom Bestand des Lägern-Gebiets stammen.

Luchs nicht nachgewiesen

Seit Jahren macht auch immer wieder einmal das Gerücht die Runde, am Sanzenberg zwischen Weiach und Bachs treibe sich ein Luchs herum. Weiter verwunderlich wäre das wohl nicht, zumal Ende des vergangenen Jahres auch an der Limmat bei Baden eine dieser Katzenartigen gesehen wurde.

Doch Ramseyer winkt ab: «Der Luchs ist am Sanzenberg nicht nachgewiesen worden.» Die Jäger seiner Gesellschaft hätten sonst mit Bestimmtheit vom Luchs gerissene Rehe gefunden, erklärt der Obmann der achtköpfigen Jagdgesellschaft Weiach-Sanzenberg. In dieser Jägertruppe wirkt im Übrigen auch der Zürcher Regierungsrat Markus Kägi aus Niederglatt mit.

Rothirsche am Üetliberg

War und ist in der Schweiz der Grosskanton Graubünden die Hochburg von Wildtieren wie Steinadler, Bartgeier, Rothirsch, Steinbock, Gämse, Wolf und Bär, existieren einige dieser Tierarten auch im Kanton Zürich. Rothirsche und Gämsen zum Beispiel gibts schon lange im Zürcher Oberland. Vom Tössstock breiten sie sich langsam durchs Tösstal Richtung Winterthur aus. Hirsche sind nun aber auch schon am Üetliberg festgestellt worden. Den Förstern grausts, denn die Rothirsche können im Wald beträchtliche Schäden an Bäumen anrichten.

Gämsen gibts seit Urzeiten am Tössstock. Aber auch an der Albiskette und auf der Lägern existieren kleine Populationen. Sie stossen offenbar Richtung Rhein vor, wie der Bestand am Sanzenberg zeigt. Im Kanton Aargau sind die Gamsherden am Jurazug derart gewachsen, dass sie schon seit Jahren durch Abschüsse reguliert werden müssen.

Im Thurgau, an der Grenze zum Kanton Zürich, kam es zu mehreren Wolfsrissen und auch im Weinland hat nachweislich ein Wolf Anfang März ein Schaf getötet. Man vermutet, dass das Tier inzwischen über die Kantonsgrenze hinaus weitergezogen ist. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis der nächste Isegrim im Kanton auftaucht. Vielleicht schon bald einmal im Zürcher Unterland? Die Hoflue-Gämsen sind wohl kaum darauf erpicht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch