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Gemeinden sind skeptisch gegenüber Kunststoffsammlungen

Die meisten Unterländer Gemeinden unterstützen das Sammeln von Plastikabfällen nicht aktiv. Nun werden sie von einer neuen Studie darin bestärkt.

Ein 60-Liter-Sammelsack der Firma Bader in Regensdorf ist jeweils im Nu mit Plastikabfall gefüllt.
Ein 60-Liter-Sammelsack der Firma Bader in Regensdorf ist jeweils im Nu mit Plastikabfall gefüllt.
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Seit eineinhalb Jahren sind auf der Stadtverwaltung Kloten spezielle kostenpflichtige Sammelsäcke für Plastikabfälle erhältlich. Viele Einwohner entsorgen darin ihre Milch- und Shampooflaschen, Plastikschalen für Lebensmittel oder Joghurtbecher, aber auch Getränkegebinde. Das Material wird von der Firma Innorecycling im thurgauischen Eschlikon sortiert und weiterverarbeitet.

Aus einem Teil – je nach Angaben zwischen 30 bis 50 Prozent – entstehen neue Kunststoffprodukte wie Kabelschutzrohre, Blumentöpfe oder Tragetaschen. Der Rest wird in Zementwerken verbrannt und dient somit als Energielieferant.Eine neue Studie, die vom Bund und acht Kantonen in Auftrag gegeben wurde, hat nun ergeben, dass der ökologische Nutzen verglichen mit den Kosten gering ist.

Denn um die voluminösen Säcke zu transportieren, fahren viele Leute mit dem Auto an die Sammelstelle. Und der Aufwand, um die vielen verschiedenen Stoffgruppen zu sortieren und in diverse industrielle Verarbeitungswerke zu transportieren, ist beträchtlich.

Behörden wenig begeistert

Ganz neu ist diese Erkenntnis nicht. Viele Gemeinden haben deshalb schon in der Vergangenheit zurückhaltend auf Vorstösse vonseiten ihrer Politiker reagiert und die gemischten Kunststoffsammlungen gar nie eingeführt. Andere wie etwa Thun, Bern und Zug haben sie wieder abgeschafft – zum Teil auch aus hygienischen Gründen.

In Bassersdorf zum Beispiel tolerieren die Behörden zwar, dass die Entsorgungsfirma Kibag die Sammelsäcke in diversen Läden zum Verkauf anbietet. Doch aktiv unterstützen wollen sie die Sache nicht. Man wolle die etablierten PET- und Getränkekarton-Sammlungen von Grossverteilern und der eigenen Sammelstelle Ufmatten nicht konkurrenzieren, teilt der Gemeinderat mit. Im offiziellen Abfallkalender taucht das Angebot deshalb nicht auf. Ähnlich handhabt Nürensdorf die Angelegenheit.

Im Recycling Center Dietlikon werden zwar alle möglichen Kunststoffe entgegengenommen. Doch alles ausser den verschliessbaren Flaschen aus Polyethylen, welche auch die Grossverteiler zurücknehmen, werde dem Abfall zugeführt, sagt Roland Saner, Geschäftsführer der Firma Herzig, welche die Sammelstelle betreibt. «Wir sind den Kunden gegenüber kulant, aber was den Nutzen betrifft, waren wir schon immer skeptisch.»

Unterschiedliche Resultate

In Kloten hingegen verkaufe man monatlich rund 200 Zehnerrollen Sammelsäcke, sagt der Entsorgungsbeauftragte Reto Schindler. Tendenz steigend. «Die Rückmeldungen sind positiv». Viele seien erstaunt darüber, wie gross der Anteil des Plastiks am gesamten Abfall ist. «Einige kommen seither mit 17- statt 35-Liter-Kehrichtsäcken aus.»

Reto Schindler hat die neue Studie mit Interesse zur Kenntnis genommen. Doch schon vorher habe man sich intensiv mit Pro und Kontra Kunststoffsammlung auseinandergesetzt und dabei andere Untersuchungen konsultiert. Die Resultate würden sich je nach Auftraggeber und Blickwinkel unterscheiden. «Wir geraten wegen der neuen Erkenntnisse nicht in Panik», betont Schindler.

Bei dem Interessenskonflikt gehe es nicht zuletzt auch um Geld, gibt der Entsorgungsbeauftragte zu bedenken. «Die Kehrichtverbrennungsanlagen wollen die Plastikabfälle nicht verlieren.» Trotzdem wird die Stadt die Diskussion weiterhin verfolgen und ihre Praxis gegebenenfalls überdenken.

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