Kloten

Gericht kann Zuhälter nicht mehr auffinden

Doch keine Gerichtsverhandlung für «Huren-Heiko»: Der mutmassliche Zuhälter ist untergetaucht. Der Deutsche sollte am kommenden Dienstag in Bülach vor Bezirksgericht antraben, weil er in Kloten gleich mehrere Wohnungen an-gemietet und diese illegalerweise zu Puffs umgenutzt hatte.

Wenn die Wohnung zum Gewerbebetrieb wird, ärgert das nicht nur die Nachbarn, sondern meistens auch die nichtsahnenden Vermieter, die oft hereingelegt werden. Denn Gewerbe ist in Wohnzonen verboten.

Wenn die Wohnung zum Gewerbebetrieb wird, ärgert das nicht nur die Nachbarn, sondern meistens auch die nichtsahnenden Vermieter, die oft hereingelegt werden. Denn Gewerbe ist in Wohnzonen verboten. Bild: Archiv

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Es ist eine glitschige Angelegenheit. Und es geht um einen besonders wendigen Fisch, den die Strafverfolgungsbehörden an der Angel haben. Nun scheint er gar entwischt. Denn am kommenden Dienstag hätte er vor Gericht auftauchen sollen, stattdessen scheint er abgetaucht zu sein.

Der Verhandlungstermin am Bezirksgericht sei einstweilen verschoben worden, bestätigte gestern der Bülacher Gerichtspräsident Rainer Hohler eine Meldung des «Klotener Anzeigers». Der Grund ist einfach: «Wir konnten dem Angeschuldigten die Vorladung nicht zustellen.» Das wäre jedoch notwendig, damit die Gerichtsverhandlung durchgeführt werden kann. Die betreffende Person sei anscheinend abgereist. Wohin, wisse man derzeit nicht.

Allein in Kloten 17 Fälle

Eigentlich geht es um einen illustren Geschäftsmann; 47-jährig, ursprünglich aus Hannover im Norden Deutschlands, zuletzt aber immer wieder in der Region Zürich tätig. In Bülach sollte er vor Gericht erscheinen, weil er in Kloten eine ganze Reihe von Wohnungen unter falschem Vorwand angemietet hatte. Statt selber einzuziehen, richtete der Deutsche darin Bordellbetriebe ein, die er in den Medien gern als «Mädchen-WGs» bezeichnete. Das führte wortwörtlich zu einem erheblichen Verkehrsaufkommen, nicht nur vor den betroffenen Häusern. Zudem brachte das stete Kommen und Gehen jeweils die Nachbarn in Rage.

Erstmals grössere Aufmerksamkeit erlangte «Huren-Heiko», wie ihn die Boulevardmedien betiteln, zum Jahreswechsel. Damals wurde bekannt, dass er als Untermieter die Wohnung einer jungen Zürcher Sprachstudentin in ein Puff umfunktioniert hatte, während diese nichtsahnend in Hawaii weilte. In Kloten habe der dreiste Mieter mit der nun bekannten Masche über ein Dutzend Wohnungen angemietet, ist aus dem Stadthaus zu erfahren.

Im lokalen Anzeiger ist von 17 Fällen die Rede. Deshalb hätten sich bei der Sicherheitsabteilung und der Stadtpolizei in den letzten eineinhalb Jahren entsprechende Beschwerden gehäuft, bestätigt Bereichsleiter Marc Osterwalder. Man habe bei Bekanntwerden von neuen Fällen jeweils sofort eine Nutzungsänderungsgesuch eingefordert und die Wohnung mit einem Nutzungsverbot belegt, da es sich meist um eine unzulässige Zweckentfremdung gehandelt habe. Denn gerade in reinen Wohnzonen ist Gewerbe – auch das horizontale – verboten.

Fischen im Trüben

Das letzte bekannte Biotop, wo sich der nicht allzu kleine Fisch in der Schweiz aufhielt, soll St. Gallen gewesen sein, vermeldet die Lokalpresse. Doch nun fischen die Behörden im Trüben. Derzeit deute einiges darauf hin, dass das Bezirksgericht die Vorladung letztlich öffentlich publizieren wird, deutet der Bülacher Gerichtspräsident Rainer Hohler an. Meldet sich der Angeschuldigte dann nicht innert vorgegebener Frist, gilt seine Einsprache gegen die ihm auferlegten Bussen von rund 6500 Franken in diesem konkreten Verfahren als zurückgezogen. Sodann würde die zuvor erlassene Verfügung oder ein Strafbefehl des Statthalteramtes automatisch rechtskräftig.

Etwas Gutes hat die ungewollte Aufmerksamkeit für Kloten doch: Die Leute sind nun sensibilisiert. «Momentan ist uns kein weiterer solcher Fall mehr bekannt», sagt Osterwalder und hofft, dass sich die Sache bald wieder beruhigt. Normalerweise habe man gelegentlich mal mit ein bis zwei missbräuchlichen Wohnungsumnutzungen zu tun. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 11.01.2018, 17:36 Uhr

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