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Glatt lockt Mode-Liebhaberinnen an

Das Glatt geht in die Offensive. Mit einer Art rosa Barbie-Haus will das Einkaufszentrum seine Stärke gegenüber dem Online-Shopping ausspielen: die unmittelbaren sinnlichen Erfahrungen.

Die Fashion-Villa im Glattzentrum will das Erlebnis des Einkaufens, das Anfassen, Riechen, Ausprobieren und Entdecken neu beleben.
Die Fashion-Villa im Glattzentrum will das Erlebnis des Einkaufens, das Anfassen, Riechen, Ausprobieren und Entdecken neu beleben.
Francisco Carrascosa

Fassade aus rosa Backstein-Imitation, pinker Teppich und Tapeten mit lebensgrossen Flamingos. Wie in der guten Stube laden Sofas und Plüschsessel zum Verweilen ein. Dazwischen präsentieren sich an Kleiderstangen ausgewählte Blusen, Jacken und leichte Frühlingskleider.

Willkommen in der sogenannten Fashion-Villa des Glattzentrums. Die einem Luxushaus nachempfundene Konstruktion befindet sich seit gestern im Erdgeschoss des Walliseller Einkaufspalasts. «Der perfekte Ort, an dem Freundinnen – egal welchen Alters – gemeinsam shoppen können, sagt Marketing-Fachfrau Lisa Rennefahrt und verweist begeistert auf das Kernstück des Gebäudes: Ein wohnzimmergrosser begehbarer Kleiderschrank. «Der Traum jeder Frau.»

Die Fashion-Villa ist ein weiterer Versuch des Glatt, sich dem Trend des schwindenden Umsatzes entgegenzustemmen. Während die jährlichen Besucherzahlen zwar immer noch leicht ansteigen, geben die Kunden durchschnittlich immer weniger Geld aus. Einbussen sind vor allem bei Mode und Kosmetik zu verzeichnen, während die Umsätze bei Elektronik und Lebensmitteln stabil bleiben. Der Verdacht liegt nahe, dass ein Teil der Kunden die Hose oder den Pullover im Laden anprobiert und danach im Internet bestellt. Wie die meisten Läden und Shoppingcenter leidet das Glatt auch unter dem Einkaufstourismus in Deutschland.

Einkauf mit allen Sinnen

«Wir beobachten diesen Wandel genau», sagt Rennefahrt. «Aber wir sehen darin nicht Anlass zur Klage, sondern einen Antrieb, uns weiterzuentwickeln.» Man wolle der Kundschaft immer wieder etwas bieten, das sie in Netz nicht findet. So zum Beispiel menschlichen Kontakt, einen Treffpunkt und persönliche Beratung. «Das Erlebnis des Einkaufens, das Anfassen, Riechen, Ausprobieren und Entdecken sind Stärken des Detailhandels.»

Um Kunden auf seine diversen Angebote und Attraktionen aufmerksam zu machen, setzt das Glatt auch stark auf Social Media. Die Zuständigen hoffen, dass Kundinnen in der Fashion Villa Selfies aufnehmen und auf Plattformen wie Facebook oder Instagram stellen werden. Dazu animieren die dreidimensional mit künstlichen Blumen und Pflanzen gestalteten Wände oder die mit Discokugeln gefüllte Badewanne. Eine professionelle Inszenierung wird die Influencerin Zoë Pastelle Holthuizen vorzeigen, der auf Instagram über 150 000 Personen folgen. Auch die Modebloggerin Michèle Krüsi wurde vom Glatt engagiert.

Zudem lockt man mit einem Wettbewerb und diversen Events. In einem Raum mit Spiegeln, der an eine Theatergarderobe erinnert, erhalten Gäste eine kostenlose Beratung für das passende Frühlings-Makeup. Die präsentierten Kleider sollen die Kundinnen in die betreffenden Läden locken, wo sie auf eine weit grössere Auswahl treffen. In der Fashion-Villa stehen keinen Umkleidekabinen zur Verfügung.

Rollenmuster bedient

Die Fashion Villa wird noch bis am 17. März bestehen bleiben. Sie richtet sich explizit an Frauen. Danach werden die eigens für das Glatt konstruierten Wände aber nicht einfach entsorgt, sondern immer wieder für andere Themen neu gestaltet. Im Herbst kommen dann die Männer mit einer sogenannten Schrauber-Garage zum Zug: Eine Art Männer-Wohngemeinschaft mit Garagen-Ambiente und Espressobar, wo die Besucher zum Beispiel an einem Motorrad herumschrauben, einen Heimwerkerkurs besuchen und gleichzeitig die neuste Jeans begutachten können.

Bedient man sich mit diesen Konzepten nicht etwas stark der gängigen Geschlechter-Clichées? «Natürlich arbeiten wir damit», räumt Lisa Rennefahrt offen ein. «Doch die strahlenden Augen der Kundinnen bestätigen, dass wir mit diesem Angebot ein Bedürfnis befriedigen.» Rosa Spitzenwäsche für Frauen und Motorräder für Männer funktionieren eben nach wie vor.

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