Dietlikon

Glocken müssen leiser und weniger läuten

Das Baurekursgericht lässt den Bau eines neuen Kirchturms zwar zu. Es korrigiert aber die Absichten bezüglich Lautstärke und Häufigkeit des Geläuts. Die Rekurrenten aus der Nachbarschaft sind dennoch nicht zufrieden.

Die Ausmasse des neuen Kirchturms zeichnen sich bereits ab. Trotz Rekurs einiger Anwohner erhält die Pfarrei bald ihr eigenes Geläut.

Die Ausmasse des neuen Kirchturms zeichnen sich bereits ab. Trotz Rekurs einiger Anwohner erhält die Pfarrei bald ihr eigenes Geläut. Bild: Balz Murer

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Am Kirchturm gibt es nichts mehr zu rütteln. Demnächst werden die Bauarbeiten für ein eigenes Geläut bei der katholischen Kirche Dietlikon beginnen. Denn das kantonale Baurekursgericht hat die beiden Rekurse von insgesamt fünf Anwohnenden grösstenteils abgelehnt.

Doch in einigen Punkten hat es ihnen Recht gegeben: Die Glocken dürfen weniger häufig und laut erklingen, als es die Pfarrei St. Michael beabsichtigte. In seinem Entscheid vom 21. Dezember verfügt das Gericht, das sogenannte bürgerliche Geläut sei auf die Werktage zu beschränken und streicht zwei Läutzeiten am Sonntagmorgen und -mittag. Zudem muss die Glockenstube zusätzlich lärmgedämmt werden, sodass der Klang mindestens 5 Dezibel tiefer ausfällt. Vorgeschrieben ist nun auch eine moderne Glockentechnik, die störende Nachhall- und Anschlaggeräusche vermeidet.

«Es gibt keinen absoluten Anspruch auf Ruhe, vielmehr sind geringfügige, nicht erhebliche Störungen hinzunehmen», Auszug aus dem Urteil

Bei seiner Einschätzung konnte sich das Gericht auf keine entsprechende bundesgerichtliche Beurteilung stützen. Während sich die oberste Instanz bereits verschiedentlich mit Streitereien rund um bestehende Kirchenglocken befasst hatte, liegt bis anhin kein Urteil bezüglich eines neuen Turms vor.

Es sei eine Interessenabwägung zwischen dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung und dem Interesse an der lärmverursachenden Tätigkeit vorzunehmen, schreibt das Gericht. «Es gibt keinen absoluten Anspruch auf Ruhe, vielmehr sind geringfügige, nicht erhebliche Störungen hinzunehmen», zitiert das Urteil das Umweltschutzgesetz.

Weiterzug unwahrscheinlich

Auf kirchlicher Seite ist man mit dem Entscheid zufrieden. Unklarheiten bestehen aber noch im Bezug auf die neue Läutvorschrift am Sonntag, wie Kirchenpflegepräsident Hanspeter Kündig sagt. Er will das in Juristensprache gefasste Dokument noch mit seinem Anwalt besprechen.

Weniger glücklich ist Albert Rathgeb, der rund 30 Meter entfernt vom künftigen Turm lebt und das Haus mit vier Wohnungen besitzt. «Es gibt zwar Einschränkungen, aber geläutet wird eben dennoch», sagt der Rentner. Er befürchtet, dass es künftig schwieriger sein wird, Mieter zu finden und dass die Liegenschaft an Wert verliert.

«Es gibt zwar Einschränkungen, aber geläutet wird eben dennoch.»Albert Rathgeb, Hausbesitzer und Rentner

Mitrekurrentin Gisela Schudel hat ursprünglich angekündigt, falls nötig bis vor Bundesgericht zu gehen. Gestern gab sie sich zögerlicher. Die Kosten belaufen sich bereits jetzt auf gegen 6000 Franken pro Partie für Anwalt, Gerichtsgebühren und Umtriebsentschädigung an die Pfarrei St. Michael. Diese erhält insgesamt 1500 Franken für ihren Mehraufwand im Zusammenhang mit den Rekursen. Noch teurer dürfte die Angelegenheit für jenen Rekurrenten werden, der separat um Ruhe kämpfte.

Die Anwälte haben den Rekurrenten von einem Weiterzug an eine höhere Instanz abgeraten. «Die Chancen, das Geläut komplett verhindern zu können, sind gering», sagt Sibin Heuser von der Zolliker Rechtsanwaltskanzlei Kloter. Das Urteil berufe sich unter anderem auf die Glaubens- und Gewissensfreiheit, bei der es sich um ein verfassungsmässiges Recht handle, erklärt der Jurist. Definitiv entschieden ist aber noch nichts. Die Rekurrenten haben den Bescheid erst am Donnerstag erhalten und wollen nächste Woche miteinander beraten.

Erstellt: 13.01.2019, 15:16 Uhr

Läutordnung

Bürgerliches Geläut
- maximal zwei Glocken
- Montag bis Freitag, 11 und 19 Uhr während 3 Minuten.
- Samstag, 17.50 Uhr für 10 Minuten, Sonntag, 19 Uhr für 15 Minuten.

Liturgisches Geläut
- Zwischen 8 und 19 Uhr für höchstens 15 Minuten zu Festgottesdiensten, Hochzeiten, Beerdigungen.
- An kirchlichen Festtagen wie Gründonnerstag (20 Uhr), Osternacht (21 Uhr) und Weihnachten (23 Uhr)
- Silvesternacht 23.40 Uhr für 17 Minuten und Neujahr um 00.01 für 20 Minuten.
asö

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