Dietlikon

Glockengeläut sorgt schon vor dem ersten Ton für Ärger

Das Läuten der Glocken der katholischen Kirche in Dietlikon stört die Nachbarn. Das Kuriose daran: Die Glocken haben noch gar nie geläutet. Denn Kirchturm und -glocken befinden sich erst im Planungsstadium.

Jahrelang sorgten die Wädenswiler Kirchglocken für Aufsehen - nun hat Dietlikon mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen.

Jahrelang sorgten die Wädenswiler Kirchglocken für Aufsehen - nun hat Dietlikon mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen. Bild: Symbolbild/Keystone

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Per richterlichen Beschluss sind in der Schweiz schon manche Lärmquellen verstummt. So dürfen auf dem Zürichsee die Kursschiffe beim An- und Ablegen nicht mehr ohne triftigen Grund hornen, ein Bauer aus Wald im Zürcher Oberland darf seine Kühe nur noch eingeschränkt mit Kuhglocken ausstatten. Noch immer Juristenfutter sind die Kirchglocken in den Zürcher Gemeinden Wädenswil, Egg und Gossau. Dort sind aus der Nachbarschaft des jeweiligen Gotteshauses Klagen wegen des Geläuts bei den Gerichten eingegangen.

Ganz ähnlich – und doch komplett neu – präsentiert sich nun der aktuellste Fall aus Dietlikon. Denn während in Wädenswil, Egg und Gossau das Geläut der Kirchenglocken seit Jahrzehnten deutlich zu hören ist, hat das G-Moll der Glocken in Dietlikon noch kein Ohr vernommen. Der Grund: Die in den 1960er Jahren erbaute Kirche St. Michael verfügt weder über einen Kirchturm noch über Glocken.

18 Meter hoher Turm geplant

Nach dem Willen der Kirchenpflege Wallisellen, der die Pfarrei von Dietlikon zugeordnet ist, soll die Dietliker Kirche aber bald einen Turm samt Glocken erhalten. Am 21. November wird die katholische Kirchgemeindeversammlung über einen Kredit von 50 000 Franken für ein entsprechendes Vorprojekt abstimmen. Konkret ist vorgesehen, dass neben der Kirche ein frei stehender Turm von rund 18 Metern Höhe samt Glockenstube erstellt wird (Ausgabe vom 5. Oktober).

Bei der direkten Nachbarschaft kommt das Projekt nicht gut an. «Die Kritik bezieht sich nicht auf den Turmbau. Sie zielt vor allem auf das vorgesehene Läutekonzept ab», sagt der ehemalige Dietliker Gemeindepräsident Kurt Schreiber, der in unmittelbarer Nähe zur Kirche wohnt. Die Kirchenpflege plant nämlich, dass die Glocken von Montag bis Freitag jeweils morgens um 7 Uhr, mittags um 11 Uhr sowie abends um 19 Uhr für drei Minuten erklingen. Zudem soll an den Wochenenden vor den Gottesdiensten jeweils am Samstagabend und Sonntagmorgen ein Geläute zu hören sein. Ein ausserordentliches Läuten ist bei Hochzeiten, speziellen Messen und Beerdigungen vorgesehen.

«Gegen das Läuten vor Gottesdiensten, an Hochzeiten oder Beerdigungen habe ich nichts», präzisiert Schreiber. Wenig einleuchtend sei für ihn aber, dass die Glocken werktags dreimal pro Tag läuten sollen. «Damit wird kein kirchlicher Akt angekündigt, weshalb diese drei Geläute meiner Meinung nach nicht nötig sind», führt er aus.

Eine Nachbarin habe sich bereits dahin geäussert, das Projekt bis vor Bundesgericht bekämpfen zu wollen. So weit will Schreiber nicht gehen. Er hat bereits das Gespräch mit der Kirchenpflege gesucht: «Es ist deponiert, dass die Verantwortlichen in dieser Sache noch einmal über die Bücher gehen müssen.» Konkret fordert er, dass das Läutekonzept grundbuchamtlich festgeschrieben wird, um eine verbindliche Regelung zu erhalten.

Nicht alle können abstimmen

Bei der katholischen Kirchenpflege ist man sich der Kritik aus der Nachbarschaft bewusst. «Wir nehmen diese Einwände ernst», betont Hanspeter Kündig, Präsident der Kirchenpflege. Man habe extra von Anfang an transparent dargelegt, wie oft die Kirchglocken pro Tag läuten sollen. Dass Kritik aufkam, sei auch dem Umstand geschuldet, dass viele Direktbetroffene nicht mitentscheiden können: Denn die Kirchgemeindeversammlung ist den Mitgliedern der Kirchgemeinde vorbehalten. «Dies hat bei manchem Frust hervorgerufen», sagt Kündig.

Ob nach der heftigen Kritik die Läuterordnung bis zur Gemeindeversammlung noch angepasst werde, kann Kündig nicht sagen. Er verweist darauf, dass die Abstimmung im November nur den Planungskredit betreffe, damit das Projekt überhaupt in Angriff genommen werden kann. Bei einem positiven Entscheid werde erst in einer zweiten Kirchgemeindeversammlung über den definitiven Baukredit abgestimmt.

Erstellt: 09.10.2017, 16:03 Uhr

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