Kloten

Gospel löst Unterländer Emotionen aus

Die Jackson Singers zeigten, welche Begeisterung amerikanische Gospelmusik beim Schweizer Publikum auslösen kann. Die Stimmen liessen Kirchenmusik der anderen Art erklingen.

Die Jackson Singers verwandelten den Saal im Schluefweg Kloten mit ihrer Gospelmusik zu einer Kirche ­nordamerikanischer Prägung.

Die Jackson Singers verwandelten den Saal im Schluefweg Kloten mit ihrer Gospelmusik zu einer Kirche ­nordamerikanischer Prägung. Bild: Balz Murer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Musikstilrichtung bedeutet «Gute Nachricht» (aus dem Altenglischen g?dspel) und sie verbreitet eine ansteckende Freude und Energie: der Gospel. Am Sonntag startete der Gospel-Chor Jackson Singers den Schweizer Teil ihrer Tour «The Power of Gospel» in Kloten und sorgte für ein restlos begeistertes Publikum. Der bedächtige Ton der katholischen und reformierten Kirchenlieder wich dem unbändigen Temperament und den gewaltigen Stimmen der sechs Sängerinnen und Sänger unter der musikalischen Leitung von Randall Taylor.

So schön ist Gospelmusik (Quelle: Youtube)

Felsenfester Glaube, Liebe zu Jesus und enthusiastische Gefühlsäusserung zu ihm aber auch Rückblick auf die bewegte Geschichte der afroamerikanischer Menschen findet Bekundung im Gospel, der christlichen Musikrichtung der farbigen Amerikaner, entwickelt aus den im US-Süden in den Baptisten- und Pfingstkirchen gesungenen Spirituals.

Von Gottliebe und Leid

Gegründet wurden die Jackson Singers 1982 vom inzwischen verstorbenen US-amerikanischen Musiker und Pianisten Robert De Witt Jackson. Seither tourt der Chor in verschiedenen Konstellationen durch die Welt.

Der fast volle Klotener Stadtsaal kam in den Konzertgenuss von traditionellen Spirituals und Gospel-Songs wie auch religiösen Pop-Balladen. Festlich war «Let it Rise», charaktervoll «I opened my mouth», soulig angestimmt «Swing Low Swing Chariot», es erklangen Lieder wie «Hallelujah», «Amen», «Kumbajah», «King Jesus is listening», «When was Jesus born» oder «Down by the Riverside»

Medleys waren zu hören, aus Klassikern, «die schon die Grossmutter meiner Grossmutter gesungen hat», wie Sänger Ardell Johnson erzählte. Und wenn die Vergangenheit im Zentrum stand, war natürlich auch die Sklaverei Thema. Sängerin Jean Lyons sang «Motherless Child» ohne Begleitung und Instrumente, dafür umso eindrücklicher. Sie erklärte zum Text: «Während der Zeit der Sklaverei wurden meine Leute geschlagen, getötet, ihre Hände und Füsse abgehackt, sie schufteten Tag ein Tag aus in den Baumwollfeldern, und sie sagten zum Herrn: ‹Wo ist meine Mutter, wo ist mein Vater? Ich brauche Hilfe.› Also konnten sie nur singen: ‹Manchmal fühle ich mich wie ein mutterloses Kind.›»

Frohe Botschaft im Glauben

Dass nicht nur Klassiker mitreissen, sondern auch neue Songs, zeigte «Hold on». «Gospel kann alt oder neu sein, wichtig ist, dass er die ‹Gute Nachricht› bringt», sagte Taylor. «Gospelmusik ist eine Gefühlsmusik, es ist nicht Klassik, es kommt aus dem Herzen, und was aus dem Herzen kommt, erzeugt eine Reaktion.»

Diese Reaktionen waren vor allem in der zweiten Hälfte sichtbar, als kaum jemand im Publikum mehr auf den Stühlen sass, sondern mittanzte, klatschte und mitsang, wo aufgefordert. Mit «Silent Night» auf Swahili, Englisch und Deutsch war zumindest ein Teil jedem bekannt. Frauen- und Männer-Medleys, und -Quartetts sorgten stimmlich für Abwechslung und mit der Zugabe von «Oh Happy Day» war für das Konzert der ideale Abschluss gewählt.

«Es ist grandios. Es ist der Rhythmus, der die Menschen packt mit der Tonlage und den Stimmen», fand eine Kloterin. Ihr Mann ergänzte: «Es ist auch die Botschaft, die so herüberkommt, schliesslich sind es eigentlich Kirchenlieder. Wie das der Chor mit Inbrunst und mit so viel Rhythmus und Engagement herüberbringt, reisst einem mit.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 17.12.2018, 14:59 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Newsletter

Die Woche in der Region.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.