Dietlikon

Grossvaters Erbe wird ausgestellt

Die Entwicklung Dietlikons in den letzten 130 Jahren mit Kostbarkeiten aus dem Fotoarchiv der Bevölkerung näherzubringen, ist das Ziel von drei weiteren Ausstellungen.

Kathrin Mullis verwaltet die Sammlung ihres Grossvaters Karl Würmli, der über Jahre hunderte von Fotos suchte oder selber schoss und so die Entwicklung Dietlikons bildmässig illustrierte.

Kathrin Mullis verwaltet die Sammlung ihres Grossvaters Karl Würmli, der über Jahre hunderte von Fotos suchte oder selber schoss und so die Entwicklung Dietlikons bildmässig illustrierte. Bild: Leo Wyden

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Wo heute Supermärkte, Fachmärkte und Gewerbebetriebe das Bild beherrschen, waren früher Frösche zu Hause. Aber nicht nur südlich der Bahnlinie hat sich Dietlikon verändert, auch das Dorf als solches hat eine Entwicklung durchgemacht. Im Fotoarchiv der Gemeinde ist dokumentiert, wie aus dem kleinen Bauerndorf eine Gemeinde mit 7500 Einwohnern geworden ist. Verwalterin dieser fotografischen Schätze ist Kathrin Mullis.

Private Initiative

Das einzigartige Fotoarchiv verdankt Dietlikon dem langjährigen Hauswart der Schulanlage Dorf, dem 1923 geborenen Karl Würmli. Als in den frühen Sechzigerjahren die Idee eines Dietliker Ortsmuseums mangels Exponaten fallen gelassen wurde, liess ihm dies keine Ruhe. So begann er, Fotografien mit Sujets aus seiner Heimatgemeinde zu sammeln.

Er beschränkte sich jedoch nicht auf das Sammeln, sondern hielt selber mit der Kamera fest, was sich im Dorf tat. Es gab keinen Anlass, an welchem er nicht unterwegs war, um Menschen und Ereignisse auf Zelluloid zu bannen. So kamen im Laufe der Zeit in seinem Fotoarchiv Hunderte von Fotos zusammen. Um den Fortbestand der Sammlung sicherzustellen, schenkte er diese 1990 der Gemeinde Dietlikon. Bis zu seinem Tod 1999 betreute er das Archiv jedoch weiterhin.

Es bleibt in der Familie

Da die Bemühungen, Karl Würmlis Nachfolge schon zu Lebzeiten zu regeln, im Sand verlaufen waren, schlummerte die Sammlung nach seinem Tod vor sich hin. Als 2005 ein Dorfchronist für Vorträge über das alte Dietlikon Fotomaterial suchte, gelangte er an Würmlis Nachkommen, die noch immer Zugang zum Archiv hatten. Würmlis Enkelin Kathrin Mullis übernahm es, dem Gesuchsteller bei der Suche nach geeigneten Aufnahmen behilflich zu sein.

«Ich hatte ein mulmiges Gefühl dabei», erzählt sie rückblickend, «gehörte die Sammlung doch der Gemeinde und nicht uns. Ich hoffte inständig, dass man im Gemeindehaus davon nichts erfährt.» Doch es kam anders, und so trat sie, knapp zwanzigjährig, die Nachfolge ihres Grossvaters an, mit dem sie während ihrer Jugendzeit schon unzählige Stunden im Fotoarchiv verbracht hatte.

Unersetzbare Schätze

Das Dietliker Karl-Würmli-Fotoarchiv umfasst heute gut 1000 Fotos in Papierform, fein säuberlich nach Themen in Ordnern abgelegt und beschriftet. Bei jeder Fotografie steht, soweit bekannt, das Aufnahmedatum, wer die abgebildeten Personen sind und wer die Aufnahme dem Archiv überlassen hat. Zu den Abzügen kommt ein Mehrfaches an Negativen, vor allem solche, die Karl Würmli gemacht hat. Auch Kathrin Mullis ist oft mit der Kamera unterwegs, wenn auch nicht so häufig wie ihr Grossvater. Als Leiterin der Einwohnerdienste einer Gemeinde im Zürcher Oberland ist sie im Gegensatz zu ihm tagsüber nicht in Dietlikon.

Seit 2006 befindet sich das Fotoarchiv im Alexander-Bertea-Dorftreff. Hier macht Kathrin Mullis ihre Schätze, die älteste Aufnahme ist ein Klassenfoto aus dem Jahr 1887, in Sonderausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich. Nach themenorientierten Ausstellungen – Handwerk und Gewerbe in Dietlikon, Bauliches oder Dietlikon in den vier Jahreszeiten – zeigt sie dieses Jahr Dietlikon in verschiedenen Epochen.

Die erste umfasste die Jahre 1890 bis 1925, die zweite am kommenden Samstag zeigt Dietlikon von 1925 bis 1950. Weitere Ausstellungen folgen im März und April (siehe Kasten). Hin und wieder wird Kathrin Mullis auch von Privatpersonen angefragt, ob im Archiv Bilder ihrer Liegenschaft, ihrer Schulklasse, von Ahnen oder von bestimmten Ereignissen vorhanden seien. Sehr oft, wenn auch nicht immer, kann sie weiterhelfen.

Erstellt: 08.02.2017, 15:29 Uhr

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