Wahlbeteiligung

«Grüne Welle» treibt bislang nicht massiv mehr Bürger zur Wahl

Am Sonntag werden die Sitze im Bundesparlament in Bern neu vergeben. Bislang zeichnet sich – Klimaprotesten zum Trotz – keine viel grössere Wahlbeteiligung ab als 2015.

Wer noch nicht abgestimmt hat, kann dies bis Sonntag an der Urne seiner Wohngemeinde – oder davor noch per Post – tun. Bislang scheint das Interesse an der Wahl eher bescheiden zu sein. Foto: Archiv

Wer noch nicht abgestimmt hat, kann dies bis Sonntag an der Urne seiner Wohngemeinde – oder davor noch per Post – tun. Bislang scheint das Interesse an der Wahl eher bescheiden zu sein. Foto: Archiv

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Der Rücklauf der Wahlcouverts verläuft unspektakulär. Zu diesem Schluss gelangt man bei der Betrachtung der bislang eingegangenen Unterlagen in den verschiedenen Gemeinden der Region. Von zehn angefragten Gemeinden weisen vier momentan gar eine noch schlechtere Rücklaufquote auf als bei den letzten nationalen Wahlen vor vier Jahren rund eine Woche vor dem Wahltag. Darunter sind Rafz, Kloten, Opfikon und Niederhasli. Sie alle haben bis und mit Freitag (neun Tage vor dem Wahlsonntag) zwischen 0,2 und 0,9 Prozent weniger Wahlcouverts registriert als zum selben Zeitpunkt im Oktober 2015. Die tiefste Quote der angefragten Unterländer Gemeinden weisen Niederhasli und Opfikon aus, wo nur je 13,2 Prozent der Wahlberechtigten ihrer «Bürgerpflicht» bereits nachgekommen sind.

Höhere Rücklaufquoten im Vergleich zu 2015 weisen momentan dagegen Embrach, Regensdorf, Dietlikon, Steinmaur und Niederweningen aus. Allesamt liegen eine gute Woche vor dem Wahltag zwischen 0,1 und 2,2 Prozent höher als 2015.

Opfikon droht erneut der letzte Platz

Opfikon drohen hingegen neue Negativschlagzeilen. Denn die Glattaler Vorortsgemeinde mit mittlerweile über 20000 Einwohnern kam bereits bei den letzten eidgenössischen Wahlen nicht über 30,3 Prozent hinaus und verzeichnete damit den schlechtesten Wert im ganzen Kanton. Nicht einmal jeder dritte Stimmberechtigte hatte dort zuletzt mitbestimmt, wer für den Kanton Zürich nach Bern in den National- und Ständerat gehen soll. Und heuer droht Opfikon nun also schon wieder die wenig schmeichelhafte rote Laterne ganz am Ende der Wahlbeteiligungsrangliste aller Zürcher Gemeinden. Den höchsten Wert im Unterland erreichte übrigens Bachs mit 59,3 Prozent.

Viel mehr Interesse als in Opfikon gibt es bislang in Niederweningen, wo aktuell 2,2 Prozent mehr Wahlcouverts im Gemeindehaus eingetroffen sind wie 2015. Von allen wahlberechtigten Personen haben in der Wehntaler Gemeinde an der Grenze zum Aargau bis neun Tage vor der Wahl 17,6 Prozent ihre Wahlzettel eingereicht. Niederweningen dürfte am Ende erneut etwas über 50 Prozent Wahlbeteiligung erreichen, wenn sich der Trend fortsetzt. Vor vier Jahren war man dort auf exakt 50,4 Prozent gekommen.

Dass aber eine hohe Stimmbeteiligung eine gute Woche vor dem Wahltag noch keine garantierte Spitzenbeteiligung bedeutet, ist auch klar. Während in der Stadt Zürich mit 21,2 Prozent zwar 3,8 Prozent mehr Rücklauf gemessen wurde wie 2015, liegt der Zwischenstand in der zweitgrössten Stadt des Kantons, Winterthur, exakt auf dem gleichen Niveau (19 %) wie vor vier Jahren.

Noch keine Schlüsse ziehen

Politologen warnen davor, die bisherigen Beteiligungsquoten zu stark zu deuten und voreilige Schlüssen zu ziehen bezüglich der Färbung der Wahlergebnisse. Ob die «grüne Welle» nun im Vormarsch ist oder doch nicht so stark ins Gewicht fallen wird wie prognostiziert, wird sich spätestens am kommenden Sonntagabend weisen. Was allerdings etwas erstaunen mag, ist, dass die grossen Themen wie das Klima oder die Frauenrechte, welche für grosse Demonstrationen und Protestkundgebungen gesorgt hatten im laufenden Jahr, bislang insgesamt doch keinen auffallend höheren Rücklauf verursacht haben. Denn auch vom Schweizer Radio und Fernsehen SRF publizierte Rücklaufquoten von andere Schweizer Städten deuten gar auf eine schlechtere Wahlbeteiligung hin als zuletzt. Während Luzern eine gute Woche vor der Wahl mit 1,3 Prozent mehr eingegangenen Wahlzetteln zwar leicht im Plus ist, liegen St. Gallen (-0,3 %) und Basel (-0,8 %) momentan doch hinter 2015 zurück.

Keinen Stau an der Urne

Dass es am Wochenende noch zu einem Stau an den Unterländer Wahlurnen kommen wird, ist indes unwahrscheinlich. Sämtliche angefragten Gemeindeschreiberinnen und -schreiber sprechen von einem sehr stabilen Abstimmungsverhalten bezüglich der Art der Stimmabgabe. Und persönlich an der Urne erscheinen nur noch die allerwenigsten Wählerinnen und Wähler. Es seien immer etwa gleich viele Couverts, die noch vor Ort selbst eingeworfen würden – und das immer etwa von den gleichen Personen, heisst es.

Erstellt: 14.10.2019, 19:31 Uhr

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