Neujahrsvorsätze

Haben Sie für sich zu Neujahr einen guten Vorsatz gefasst?

Was sich unsere Redaktorinnen und Redaktoren zum neuen Jahr vorgenommen haben – und ob sie glauben, den Vorsatz zu halten.

Einer der beliebtesten Vorsätze: aufhören Rauchen.

Einer der beliebtesten Vorsätze: aufhören Rauchen. Bild: Pixabay

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Anna Bérard, Redaktorin

Gute Vorsätze fürs neue Jahr verpuffen bei mir meistens schon in der ersten Januarwoche. Ich müsse mich auf einen Vorsatz beschränken, so der oft gehörte Rat, diesen aufschreiben, allenfalls in konkrete Etappenziele unterteilt, und den Zettel festkleben, wo man jeden Tag hinschaut. Schön und gut, nur funktioniert bei mir auch das nicht. Ich will nun dieses Jahr etwas Neues versuchen: statt einem Vorsatz ein Wunsch an mich selbst. Erfüllt sich der Wunsch – wunderbar. Bleibt er unerfüllt – so darf er weiterhin meine Träume beflügeln. Eine Win-win-Situation also. Wünsche fallen mir einige ein: einen Tag pro Monat für mein Hobby, jeden Monat ein Buch eines Nobelpreisträgers oder einer Nobelpreisträgerin lesen, mit dem Velo in die Redaktion fahren, mehr Gemüse essen… Nun ist es bei den Wünschen wohl wie mit den Vorsätzen, ich sollte mich auf einen beschränken. Und meine Aufmerksamkeit dann ganz auf diesen richten, auf dass er sich dank Gedankenkonzentration erfüllen möge. Also, mein Wunsch fürs 2020 lautet: dass sich einer meiner Wünsche auch tatsächlich erfüllt.

Alexander Lanner, Blattmacher

Ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, dass ich mir jemals an Silvester einen guten Vorsatz fürs neue Jahr gefasst habe. Aber es ist ja niemals zu spät, um mit solchen alteingesessenen Gewohnheiten zu brechen. Deshalb hier mein Vorsatz für 2020: Ich lege mein Last-Minute-Dasein ab. Denn meist erledige ich bisher die anfallenden Arbeiten immer nur kurz vor knapp. Vor allem die kleinen Dinge im Leben schiebt man ja immer wieder gerne auf. Auf eine Whatsapp-Nachricht antworte ich oft erst nach Tagen, Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke, die zwar vor Wochen gekauft wurden und seither im Keller lagern, packe ich erst Stunden vor dem grossen Fest ein, Kolumnen für diese Zeitung schreibe ich meist erst kurz vor Redaktionsschluss. Diese kleinen Dinge sind ja eigentlich schnell erledigt. Wenn sie jedoch nicht gemacht werden, erzeugen sie Stress. Und Stress wegen Kleinigkeiten trübt den Blick auf die auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Dass ich es ernst meine mit meinem Vorsatz, beweisen diese Zeilen. Ich habe sie bereits am Donnerstag geschrieben.

Daniela Schenker, Redaktorin

Es war der süsseste Jahresabschluss, seit ich denken kann – obwohl oder gerade weil ich am31. Dezember arbeiten durfte. Mein letzter Arbeitstag 2019 bestand aus 40 Gramm Milchschoggi, 70 Gramm Edelbitterschoggi, zwei Schoggi-Weihnachtsmännern und drei Schoggistängeli – und einer leichten Übelkeit. Aber das Teufelszeug musste weg. Es lagerte überall: Auf dem Schreibtisch, in Schubladen, neben den Kaffeekapseln, im Kühlschrank und in der Laptoptasche. Gründe für den Konsum gab es stets reichlich: missratene Artikel (Trost), gelungene Artikel (Belohnung), Schreibstau (Energie), keine Zeit fürs Mittagessen (Kompensation). Aber nun ist fertig: 2020 sollen meine Finger – wenigstens bei der Arbeit – vergeblich nach der süssen Droge greifen. Mein Arbeitsplatz gleicht nun dem einer Ernährungsberaterin: grosse Wasserflasche, Nüsse, Kerne, Dörrobst und ein Notfallsachet Magnesium. Letzteres empfehlen Fachleute beim Schoggientzug – neben dem Besuch beim Psychologen. Ich fürchte allerdings, den könnten bald meine Bürokollegen brauchen.

Astrit Abazi, Redaktor

50 Bücher in einem Jahr zu lesen, ungefähr eines pro Woche – das ist das grosse Ziel, welches sich Literaturfanatiker alljährlich setzen. Woher die Herausforderung kommt, scheint niemand genau zu wissen. Sucht man im Internet nach dieser «50 Book Challenge», findet man aber mittlerweile zahlreiche Onlinegruppen, in denen begeisterte Leserinnen und Leser Bücher empfehlen und sich gegenseitig zum Lesen animieren. Etliche Personen beschreiben darin im Detail, wie sich ihr Leben dadurch zum Positiven gewandelt hat. Erfolgreiche Leute wie Bill Gates schwören schliesslich auch darauf. Meine Ambitionen sind allerdings ein bisschen bescheidener. Ich verspreche mir davon keinen finanziellen Erfolg oder spirituelle Erleuchtung. Zwar lese ich gerne, bin aber auch sehr gut darin, Ausreden zu finden, wieso ich keine Zeit dafür habe. 50 Bücher habe ich bisher noch nicht geschafft. Spätestens im Oktober zeichnet sich ab, dass ich erneut zum Scheitern verdammt bin. Ich rede mir aber gerne ein, dass es mir hilft, ein Ziel vor Augen zu haben. Dieses Jahr klappt es bestimmt.

Sharon Saameli, Redaktorin

Am Mittwochmorgen, 1. Januar, 1.38 Uhr zündete ich mir die letzte Zigarette an. Vier Jahre Rauchen sind nicht übermässig viel, aber ich war überzeugt: 2020 reicht es. Zu teuer, zu ungesund, zu unvernünftig. Ich schaffe das. In den kommenden 44 Stunden sollten die Grenzen zwischen mir und einem wütenden, ausgehungerten, feuerspeienden Drachen verschwimmen. Ich hatte Bewegungsdrang ohne Ende, sprang zum Serienschauen auf und ab, las innert Stunden ein ganzes Buch, kaute auf Bleistiften und Karotten herum, dachte nur noch in Schreien und schrie manchmal auch in mein Kissen. Ich mied den Kontakt zur Aussenwelt, weil ich jede Energie brauchte, um diesen Drachen – mich – zu kontrollieren. Meine Strategien waren Klimmzüge und Schlafen, aber beides konnte ich nicht ohne Unterbruch machen. Nach 44 Stunden und einem kleinen Bier mit einem Freund gab ich auf. Schlecht fühle ich mich deswegen nicht – ich weiss jetzt, wo ich stehe. Eine Freundin hielt wunderschöne Worte für mich bereit: «Du wirst dieses Jahr genug anderes schaffen. Da bin ich mir sicher.»

Erstellt: 03.01.2020, 15:57 Uhr

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