Nachgefragt

«Häuser müssen irgendwann erneuert werden»

Die Haltung der Gemeinde Regensdorf zur neuen Siedlung an der Riedthofstrasse war ­bislang nicht ganz klar. Max ­Walter, Gemeindepräsident von Regensdorf, begrüsst wertigen Wohnungsbau grundsätzlich.

Max Walter, Gemeindepräsident von Regensdorf.

Max Walter, Gemeindepräsident von Regensdorf. Bild: Archiv, Sibylle Meier

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An der Riedthofstrasse in Regensdorf wird eine komplette Siedlung abgerissen. Bis im Sommer 2021 sollen fünf Neubauten mit 130 Wohnungen entstehen. Um das zu realisieren, hat die Swiss Life, Inhaberin des Grundstücks, allen 84 Mietparteien auf einen Schlag gekündigt (Artikel rechts). Dies hat hohe Wellen geworfen, da auch Mieter, die bereits seit sechzig Jahren in der Siedlung leben, sich nun nach einer neuen Bleibe umschauen müssen. Die Haltung der Gemeinde Regensdorf dazu war ­bislang nicht ganz klar. Max ­Walter, Gemeindepräsident von Regensdorf, begrüsst wertigen Wohnungsbau grundsätzlich.

Das durchschnittliche Steuereinkommen pro Einwohner sei in Regensdorf immer noch weit unter dem Durchschnitt des Kantons Zürich. Die günstigen Wohnungen möchte er trotzdem beibehalten.

Max Walter, die Swiss Life hat entschieden: Im Juni 2019 müssen alle Bewohner der Riedthofstrasse ausziehen. Wie steht die Gemeinde Regensdorf dazu?
Max Walter: Es ist nicht im Sinn der Gemeinde, dass Siedlungen, in denen Leute preisgünstig wohnen können, einfach verschwinden. Es ist zudem bedauerlich, dass so viele Bewohner nun ausziehen müssen. Trotzdem ist es unausweichlich, dass alte Häuser irgendwann erneuert werden. Das Problem bei dieser Siedlung war die Kommunikation, auch intern in der Gemeinde. Wir ­waren zu wenig informiert, was dieses Projekt angeht. Dies führte zu Differenzen. Mittlerweile konnten wir bei Gesprächen feststellen, dass die Swiss Life alles daran setzt, für jeden Bewohner ein neues Zuhause zu finden. Meinen Informationen nach gibt es nur noch wenige Parteien, die nicht wissen, wo sie hinziehen werden.

Sucht man im Internet nach Wohnungen in Regensdorf, die sich im gleichen Preissegment wie diese der Riedthofstrasse befinden, erzielt man lediglich einen Treffer. Wer soll in Zukunft in Regensdorf wohnen?
Es sollte ein gesunder Mix aller Einkommensklassen sein. Momentan haben wir noch das Problem, dass sich unsere Steuereinnahmen weit unter dem kantonalen Durchschnitt befinden. Wir hoffen, dass sich diese in Zukunft dem Mittelwert anpassen werden. Dies ist jedoch eine Aufgabe, die sich nicht in fünf oder zehn Jahren bewältigen lässt. Allerdings stellen wir die Weichen dazu auch mit Neubauprojekten wie der Furttaler Allee und Projekten, die die Gemeinde attraktiver machen, schon heute. Nichtsdestotrotz sollten alteingesessene Bewohner die Möglichkeit haben, weiterhin hier zu leben, ohne Angst haben zu müssen, vertrieben zu werden.

Also wollen Sie die günstigen Wohnungen behalten und mittels Neubauten einkommensstärkere Personen anziehen?
Genau. Soweit dies denn möglich ist. Es geht natürlich auch darum, den «Sozialhilfe-Tourismus» nach Regensdorf nicht zu fördern mit sehr günstigen Wohnungen. Da müssen wir schon etwas vorsichtig sein.

Sprechen wir über die älteren Bewohner der Riedthofstrasse. Diese trifft die Kündigung besonders hart. Bietet Regensdorf Alterswohnungen für solche Personen an?
Es gibt einige, ja. Wir plädieren ­jedoch seit längerem dafür, dass ­alle Wohnungen, die neu gebaut werden, alterstauglich sind. Das heisst, dass man mit jeder Art von Benachteiligung oder Behinderung darin wohnen kann. Wir konnten an einer Gemeindeversammlung sogar mal einen Spezialartikel im Gesetz durchbringen, der besagt hat, dass jede Wohnung eine behinderten- und pflegegerechte Nasszelle besitzt. Der Kanton hat uns jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht und es uns verboten, diesen Artikel in die Bauordnung zu übernehmen.

Erstellt: 17.12.2018, 17:56 Uhr

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