Bülach

Happy End für überschüssige Lebensmittel

Das Projekt «Tagesfrischprodukte» heisst neu «Frisch vom Tisch». Noch werden mehr Lebensmittel abgegeben als abgeholt. Die Zielgruppe sind Menschen in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen.

Erika Pfister, Daniel Horber, René Neukom und Gigi Frei (von links) haben für «Frisch vom Tisch» angerichtet.

Erika Pfister, Daniel Horber, René Neukom und Gigi Frei (von links) haben für «Frisch vom Tisch» angerichtet. Bild: Barbara Stotz Würgler

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Es ist kurz nach 20 Uhr an einem regnerischen Mittwochabend Ende Oktober. Bereits sitzen die ersten Menschen im Warteraum der evangelisch-methodistischen Kirche an der Nordstrasse 1. Es sind Personen, die am Existenzminimum oder von der Sozialhilfe leben und eine von der Stadt Bülach ausgestellte Bezugskarte für das Angebot von «Frisch vom Tisch» besitzen.

Insgesamt elf solche Karten hat die freiwillige Mitarbeiterin Erika Pfister gezählt, bevor sie um Punkt 20.30 Uhr die ersten Bezügerinnen und Bezüger in den Mehrzweckraum einlässt. Zuvor hat das Freiwilligenteam in verschiedenen Läden Lebensmittel abgeholt, die zwar noch einwandfrei geniessbar sind, aufgrund der kurzen Haltbarkeit am nächsten Tag aber nicht mehr verkauft werden dürfen. Auf den Tischen befinden sich Sandwiches, belegte Brote, Salate sowie Patisserie.

Als Projekt gestartet

Die meisten Bezügerinnen und Bezüger kommen regelmässig und bringen Behälter und Plastiksäcke mit. Sie werden in Gruppen von drei bis vier Personen von den Freiwilligen bedient. Je nachdem, wie gross das Angebot ist, gibt es einen zweiten Durchlauf. Auch an diesem Abend reicht es für eine weitere Runde, bis am Ende nur noch wenige Sandwiches, Kuchenstücke und einige Salate übrig bleiben. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnheims Hertihus kommen jeweils in den Genuss der nicht abgeholten Esswaren. «Dort warten sie immer schon auf uns und freuen sich, dass sie noch etwas Feines erhalten», erklärt «Frisch vom Tisch»-Gründer Daniel Horber.

Er war es, der vor über drei Jahren nach dem Beispiel von Hélène Vuille das Projekt «Tagesfrischprodukte» in der Stadt Bülach ins Leben gerufen hatte. Die Limmattalerin Hélène Vuille hat vor über 20 Jahren damit begonnen, noch geniessbare Lebensmittel vor dem Abfall zu retten. Dank ihrem Engagement werden in der Stadt Zürich über zehn Obdachlosenheime mit Esswaren beliefert. Zahlreiche Gemeinden haben nach ihrem Vorbild kostenlose Lebensmittelabgaben initiiert. Daniel Horber ist nach wie vor vom Projekt überzeugt, obwohl die Zahl der Bezügerinnen und Bezüger schwankt. «Die Dankbarkeit der Leute motiviert mich dazu weiterzumachen», erklärt er. Zudem könne er auf ein tolles Team von knapp 20 Freiwilligen zählen.

Angebot bekannter machen

Zu den Läden, welche ihre Produkte zur Verfügung stellen, gehören die Bülacher Volg-Filialen, die Migros-Filialen Kloten und Bülach, die Confiserie Klaus aus Bülach, Eymann Gemüse aus Winkel sowie Irma’s Sandwiches aus Bachenbülach. Gemäss Daniel Horber gibt es noch mehr Geschäfte, die mitmachen möchten. Doch schon heute fehlen im Freiwilligenteam ein bis zwei Fahrerinnen oder Fahrer, die nach Ladenschluss die Lebensmittel abholen und nach Bülach transportieren. Hinzu kommt, dass jede Woche mehr Lebensmittel geliefert werden, als verschenkt werden können. Um einerseits noch mehr Freiwillige zu gewinnen und um andererseits das Angebot noch bekannter zu machen, ist das Projekt «Tagesfrischprodukte» kürzlich in «Frisch vom Tisch» umbenannt worden.

Die Stadt Bülach unterstützt die Lebensmittelabgabe seit Beginn. Die Abteilung Soziales und Gesundheit bearbeitet die Anträge für die Bezugskarten und gibt sie ab, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Als Basis für die Prüfung der Gesuche dienen die Skos-Richtlinien. Zudem setzt sich die Stadtverwaltung aktiv dafür ein, dass das Angebot «Frisch vom Tisch» noch besser genutzt wird. «Wir gehen davon aus, dass noch viel mehr bedürftige Personen und Familien von diesem Angebot profitieren könnten», erklärt Raphael Gubser, Leiter des Bereichs Gesellschaft und Gesundheit.

Bei der Berechtigung zum Lebensmittelbezug werde es jedoch keinen Paradigmenwechsel geben: Er soll nach wie vor Menschen aus schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen vorbehalten bleiben.

Erstellt: 07.11.2019, 11:26 Uhr

Lebensmittelabgaben in Bülach

«Frisch vom Tisch»: jeden Mittwoch von 20.30 bis 21 Uhr in den Räumen der evangelisch-methodistischen Kirche an der Nordstrasse 1 in Bülach. Interessierte Personen erhalten bei der Stadtverwaltung eine Bezugskarte. Wer sich freiwillig für das Projekt engagieren möchte, meldet sich bei Daniel Horber, k.d.horber@sunrise.ch oder 043 433 01 56.

«Tischlein deck dich»: jeden Dienstag von 9.30 bis 10.30 im Foyer des reformierten Kirchgemeindehauses am Grampenweg 5 in Bülach. Die Organisation «Tischlein deck dich» rettet Esswaren vor der Vernichtung und lässt sie Armutsbetroffenen zukommen. Die Organisation stellt eigene Bezugskarten aus: www.tischlein.ch

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