Niederglatt

Hier gewinnt nicht, wer den Rasen am schönsten mäht

Rund 1500 Besucher verfolgten am Samstag die spektakulären Rennen der aufgemotzten Sitzrasenmäher bei Niederglatt. Dabei kam Volkfeststimmung beim einzigartigen Motorsportanlass auf.

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Vor einem Jahr führten die Roadrunners aus Niederhasli zum ersten Mal ein internationales Rasenmäher-Rennen durch und wurde von den vielen Zuschauern überrascht. «Wir haben daraus gelernt und heuer die Organisation optimiert», erklärte OK-Mitglied Fabian von Allmen. Am Ende der Veranstaltung vom letzten Samstag zog er eine positive Bilanz: «Die Rennen waren spannend, die Logistik hat geklappt und die Begeisterung der Zuschauer war gross. Besonders gefreut hat mich, dass so viele Familien und junge Besucher gekommen sind.» Das sonnige Wetter, der Gratiseintritt und die günstige Festwirtschaft waren gute Gründe dafür. Stellvertretend für die vielen Besucher aus der Region betont Marco Walder aus Rafz: «Wir alle wissen schon, dass die Veranstaltung nicht so umweltfreundlich ist, aber die Rennen der kleinen Traktoren machen allen grossen Spass.» Weil die Rennboliden diesmal mit den normalen Auspuffanlagen fuhren, hielt sich der Lärm in Grenzen. Nur kleine Kinder trugen Hörschütze.

Eine Männerdomäne

Rasenmäher-Rennen sind in der Schweiz noch eine junge Sportart und werden meist von Männern bestritten, welche die Mäher in ihrer Freizeit selbst aufmotzen. Zu ihnen zählt das Team Roadrunner aus Niederhasli, das in ihrer Werkstatt auf dem Feldhof bei einem halben Dutzend Rasenmäher das Mähwerk entfernte. Fabian von Allmen erklärt, was aber nicht geändert werden darf: «Die originalgetreue Optik muss mit dem Chassis und der Karosserie erhalten bleiben». Augenzwinkernd fährt er fort: «Was unter der Verkleidung steckt ist mit viel Eigenkonstruktion verbunden und ist das Geheimnis der Tüftler, so wie in der Formel 1 auch.» Damit die Rasenmäher mit den 13,5 PS Motoren und Höchsttempos von bis zu 50 km/h auf den Wiesen und Äckern den enormen Belastungen standhalten, werden viele Teile verstärkt oder ausgetauscht. Die Lenkgeometrie, das Übersetzungsverhältnis und die Achsen spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Defekt bei Lokalmatadorin

Bereits schon im letzten Jahr bestritt Bettina Frei aus Watt ihr erstes Rasenmäher-Rennen in Niederhasli. «Es war eine Art Probefahrt und ich wurde Zweite», erklärt die 31-jährige Elektro-Projektleiterin, die von Freunden dazu überredet worden ist. Inzwischen ist ihr Spassfaktor am faszinierenden Rennsport der «lustigen Art» gross. Weil die Lokalmatadorin kein eigenes Fahrzeug besitzt und deshalb auch nur gelegentlich trainieren kann, stellte ihr Ruedi Zimmermann den Rasenmäher mit der Nummer 77 zur Verfügung. Frei qualifizierte sich im Ladies Cup für das erste von drei Rennen an zweiter Position. Neben ihr startete Favoritin Martine Medinger aus Luxenburg. Sie führte das Feld der zwölf Teilnehmerinnen auf der 1100 Meter langen Strecke an und gab in der 15 Minuten dauernde Prüfung die Spitze nicht mehr ab. Im zweiten Durchgang hatte Frei, deren Handgelenke und das Gesäss durch die holperige Raserei stark schmerzten, Probleme mit der Benzinzufuhr und musste sich mit dem 4. Rang begnügen. Medinger schied aus, als sie in einer scharfen Kurve das linke Vorderrad verlor. Im dritten Lauf fiel bei Frei der Transponder aus und ihre Rundenwertungen konnten nicht aufgezeichnet werden. Die Watterin nahms mit Humor: «Wenn die Defekthexe mitfährt sind Pleiten, Pech und Pannen programmiert.»

In der Langstreckenprüfung über 2 Stunden und 18 Minuten, die bis in die Dunkelheit dauerte, wechselte sie sich mit Astrid und Tatjana Birrer aus Hombrechtikon ab und belegte mit ihnen den elften Platz. Überlegener Sieger bei den Männern wurde der Luxenburger Bob Koedinger. Er fährt seit 18 Jahren Rasenmäher-Rennen und ist zweifacher Weltmeister. Zum Roadrunner Cup in Niederglatt sagt er: «Die neue Strecke ist spannend und verlangt viel vom Fahrer und der Maschine. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr wieder hier starten kann.»

Erstellt: 08.04.2018, 16:11 Uhr

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